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Wie ein Rezept aus dem Jahr 1978 den Franken bändigen könnte

Ein Blick in die Geschichtsbücher könnte helfen, den Franken von seinem Höhenkurs abzubringen, sagt Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Die Parteien dagegen haben andere Ideen.

Wie bringt man den Kurs nach unten? Experten und Politiker überbieten sich zurzeit mit Ratschlägen.
Wie bringt man den Kurs nach unten? Experten und Politiker überbieten sich zurzeit mit Ratschlägen.
Keystone

Ein Tropfen auf den heissen Stein: Die neueste Massnahme der Schweizerischen Nationalbank (SNB) werde kaum genügen, um den Frankenkurs von seinem Höhenflug abzubringen, sagt Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Ein Blick zurück ins Jahr 1978 zeige: Nur eine Wechselkursuntergrenze könnte die Wende bringen.

In den 1970er Jahren wechselte der Franken gegenüber der deutschen Mark auf die Überholspur. Zeitgleich entwickelte sich der Dollar schwach. Hintergrund war der Zusammenbruch des Systems fester Wechselkurse (Bretton-Woods) im Jahr 1973. Zugleich hatte die Weltwirtschaft die Ölkrise zu verdauen.

Unberechenbarer Euro

Heute zeigt sich in der Schweiz zwar die Wirtschaftslage stabiler, dafür scheint der Euro grundsätzlich unberechenbarer und unsicherer als früher die deutsche Währung. Straumann spricht von einer «Bewährungsprobe» für diese relativ neue Währung.

Damals, nach 1973, hatten Ökonomen kaum Erfahrungen mit freien Wechselkursen. Ein fünfjähriger Lernprozess sei es gewesen bis zum Jahr 1978, so Tobias Straumann von der Forschungsstelle für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Universität Zürich. Diverse Massnahmen hatte die SNB bis dahin probiert, darunter auch Negativzinsen. Alleine wegen des viel grösseren Devisenmarkts wäre eine solche Massnahme heute wohl schwierig umzusetzen.

Uneinigkeit bei der Nationalbank

Wirkung zeigte erst die Wechselkursuntergrenze. Zugleich setzte die SNB auf Rhetorik, die klar machte, dass die Geldmengenpolitik vorübergehend ausgesetzt wird, dafür Wechselkurspolitik betrieben wird.

Bei einer Kursuntergrenze würde definiert, wo der Tiefstand des Euro zum Franken liegen dürfte. Bis diese Schwelle erreicht ist, interveniert die SNB unlimitiert mit Euro-Käufen. Ökonomen, darunter auch der Leiter der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich, forderten in den letzten Tagen eine definierte Untergrenze.

Dass die SNB offenbar weniger radikal, dafür eher schrittweise vorgeht, könnte gemäss Straumann auch ein Signal sein, dass sich das SNB-Direktorium um den Präsidenten Philipp Hildebrand nicht einig sei, wie tiefgreifend die SNB intervenieren solle.

So wollen die Parteien dem Franken an den Kragen

Gut zwei Monate vor den eidgenössischen Wahlen versuchen auch die politischen Parteien, sich mit dem Thema Frankenstärke zu profilieren. Ihre Rezepte reichen von Negativzinsen über Steuersenkungen bis zur Anbindung des Frankens an den Euro.

Die Bundesratsparteien haben tief in die Metapher-Kiste gegriffen, um ihre Strategien gegen die Frankenstärke zu verkaufen: Von «Fitnesskur», «Masterplan» und «Revitalisierungsprogramm» ist da die Rede - und vom «Griff in den Giftschrank» des politischen Gegners. Überraschend sind die Ansätze allerdings nicht.

Die SP will entweder den Frankenkurs an den Euro anbinden oder einen festen Wechselkurs festlegen. Zudem setzt sie auf Negativzinsen und eine punktuelle Einschränkung des Kapitaltransfers, während die Schweizer Banken verpflichtet werden sollen, nicht gegen den Franken zu spekulieren. Unternehmen sollen nach dem Willen der SP ihre Wechselkursgewinne veröffentlichen – dafür soll der Bundesrat den gesetzlichen Rahmen schaffen.

Der Griff in den Giftschrank

Für die FDP sind die Vorschläge der SP ein «Griff in den Giftschrank». Gegen den starken Franken präsentieren die Freisinnigen altbekannte Rezepte: Steuern- und Gebührensenkungen sowie Bürokratie-Stopp und weitere Freihandelsabkommen. Um den Exportsektor zu stützen, sollen die Produktionskosten «konsequent und rasch» gesenkt werden. Diese Vorschläge nennt die FDP «Fitnesskur» für eine noch wettbewerbsfähigere Schweiz.

Unter dem Titel «Revitalisierungsprogramm» für die Schweizer Wirtschaft hat die SVP ihre Ideen formuliert. Auch sie will bei den Produktionskosten und der Standortattraktivität ansetzen. Konkret: Steuer- und Gebührensenkungen, flexible Lösungen für Branchen und Unternehmen, weniger Regulierungen und Gesetze, Abbau bürokratischer Belastung von Unternehmen. Die FDP unterstellt der SVP, viele dieser Massnahmen der FDP-Fitnesskur entnommen zu haben.

Ruf nach einem Masterplan

Das Schlagwort der CVP heisst: «Masterplan». Einen solchen soll eine Taskforce aus Bundesrat, Nationalbank, Preisüberwacher und Wettbewerbskommission erstellen. Ziel des Masterplans: «Griffige wirtschaftliche Massnahmen» zur Unterstützung der Exportwirtschaft auszuarbeiten. Währungsgewinne sollen zudem laut Christlichdemokraten an die Konsumenten weitergegeben werden.

Die BDP, die mit Eveline Widmer-Schlumpf die Finanzministerin stellt, will die wirtschaftspolitischen Massnahmen verlängern, die während der Finanzkrise getroffen wurden und Ende Jahr auslaufen. So soll etwa Kurzarbeit weiterhin möglich sein. Zudem will die BDP Preisbindungen knacken und Währungsgewinne an Konsumenten und Unternehmen weitergeben.

SDA/miw

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