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Wieso Kursausschläge häufiger werden

Früher waren grosse Kursstürze und Kurssprünge an den Börsen die Ausnahme. Heute sind sie der Regelfall – vor allem in den letzten Wochen und Monaten. Experten suchen nach Erklärungen dafür.

Berg-und-Tal-Fahrt: Ein Händler am New York Stock Exchange am 6. September 2011.
Berg-und-Tal-Fahrt: Ein Händler am New York Stock Exchange am 6. September 2011.
Keystone

Die Händler an den Börsen reiben sich zurzeit fast jeden Tag verwundert die Augen: Die Kurse schlagen mit Regelmässigkeit um drei oder vier Prozentpunkte nach oben oder unten aus. Heute Vormittag fiel etwa der deutsche Leitindex DAX angesichts der zugespitzten Eurokrise kurzzeitig unter die Marke von 5000, der SMI tauchte am Vormittag um fast drei Prozent, am vergangen Dienstag hatte er mit 4,4 Prozent im Plus geschlossen. Der Dow Jones wiederum verlor am Freitag rund 2,7 Prozent.

Experten fragen sich, ob in den Märkten plötzlich neue Kräfte wirken, die den Handel in eine launische Fahrt auf der Achterbahn verwandeln. Tatsächlich gab es noch nie so viele aufeinanderfolgende Ausschläge wie in den letzten Jahren, wie eine Analyse der «New York Times» zeigt.

Die amerikanische Zeitung hat anhand von Daten der Ratingagentur Standard & Poor's die Kursveränderungen seit 1962 untersucht. Der Befund: Seit dem Jahr 2000 ereignen sich sechsmal so viele Ausschläge von über 4 Prozent wie in den vier Jahrzehnten davor. Und seit Anfang 2010 lagen 3o Prozent aller Tagesschlusskurse mehr als ein Prozent über oder unter dem Vortageskurs. In den 90er-Jahren war dies nur bei 20 Prozent der Kurse der Fall.

«Die letzten Jahre an der Börse waren die volatilsten der Geschichte», sagt Andrew Lo, Finanzprofessor an der M.I.T. Sloan School of Management gegenüber der «New York Times». Er unterlegt seine Behauptung mit Zahlen: Zehn der zwanzig grössten Kursanstiege und elf der zwanzig grössten Kursstürze seit 1980 hätten sich in den letzten drei Jahren ereignet.

60 Prozent des Handels läuft über Computer

Woher rühren diese Kursschwankungen? Analysten vermuten, dass das computerisierte Trading hinter der Unbeständigkeit stecken könnte und den Handel und damit wohl auch die Schwankungen beschleunigt. Mittlerweile werden rund 60 Prozent des Umsatzes über Hochfrequenzcomputer abgewickelt. Möglich ist auch, dass sich die Märkte deshalb sensibler verhalten, weil der Nachrichtenfluss zugenommen hat: Gerade bei der gegenwärtigen Unsicherheit, wie es mit der Weltwirtschaft und den Schuldenstaaten weitergeht, jagt eine Nachricht die andere – mit direkten Auswirkungen auf die Börsen. Die Aufs und Abs verteilten sich früher über mehrere Tage. Weil sich die Nachrichtenwelt nun schneller drehe, konzentriere sich alles auf wenige Stunden, vermutet die amerikanische Zeitung.

Gemäss dem renommierten Wirtschaftsprofessor Robert Shiller von der Universität in Yale, haben die Schwankungen zudem eine Eigendynamik. Die Furcht vor Volatilität würde die extremen Ausschläge begünstigen, sagt er. Gemäss seinem Kollegen von der Georgetown University dürfte dies noch einige Zeit andauern: «Nach einem grossen Schock braucht es Jahre, bevor sich die Märkte wieder beruhigen», sagt Finanzprofessor James J. Angel.

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