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Wikileaks: Saudiarabien schummelt bei den Öl-Reserven

Laut Informationen von Wikileaks verfügt Saudiarabien über weit weniger Öl, als das Königreich behauptet. Wegen den Unruhen in Nordafrika und im Nahen Osten ist dies höchst problematisch.

Ölfabrik in der Wüste: Die staatliche Aramco unterhält in al-Khurais, 160 Kilometer von Riad entfernt, eine Produktionsanlage.
Ölfabrik in der Wüste: Die staatliche Aramco unterhält in al-Khurais, 160 Kilometer von Riad entfernt, eine Produktionsanlage.
AFP
Ölproduktion unter Hochdruck: Nach eigenen Angaben fördert Aramco in al-Khurais täglich 1,2 Millionen Barrel.
Ölproduktion unter Hochdruck: Nach eigenen Angaben fördert Aramco in al-Khurais täglich 1,2 Millionen Barrel.
AFP
Tradition und Moderne: In der saudischen Wüste sind nicht nur Kamele, sondern auch Ölfelder allgegenwärtig.
Tradition und Moderne: In der saudischen Wüste sind nicht nur Kamele, sondern auch Ölfelder allgegenwärtig.
AFP
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Die USA befürchten, dass Saudiarabien, die grösste Exportnation von Rohöl, nicht genug Reserven hat, um der Preisspirale Einhalt zu gebieten. Dies geht aus Dokumenten hervor, welche die Enthüllungsplattform Wikileaks im britischen «Guardian» veröffentlicht hat. Einmal mehr handelt es sich dabei um vertrauliche Depeschen von Diplomaten. Ein US-Diplomat, der in der saudischen Hauptstadt Riad stationiert war, appellierte in der Depesche an seine Regierung, sie solle die Warnungen eines arabischen Öl-Experten ernst nehmen.

Sadad al-Husseini, Geologe und ehemaliger Chef des staatlichen Ölkonzerns Aramco, hatte dem US-Diplomaten gegenüber gesagt, die Ölreserven im Land würden geschönt dargestellt. Gegenwärtig könne fast 40 Prozent weniger gefördert werden, als man dem Westen weismache. Die Enthüllung birgt besonders angesichts der derzeitigen Unruhen in der arabischen Welt Zündstoff. Analysten waren bis anhin davon ausgegangen, Saudiarabien könne mehr Öl fördern, damit der Preis nicht weiter ansteige. Schon jetzt kostet ein Barrel über 100 Dollar.

Saudis wollten mit geschönten Zahlen Investoren anlocken

Damit die Kosten nicht explodieren, müsste das Königreich 12,5 Millionen Barrel pro Tag fördern. Davon sei Saudiarabien aber weit entfernt, sagte Sadad al-Husseini gemäss den Depeschen aus den Jahren 2007 bis 2009. Frühestens in 10 Jahren erreiche das Land diese Menge. Saudiarabien habe in Vergangenheit seine Reserven bewusst übertrieben dargestellt, um ausländische Investoren anzulocken.

In einer der Depeschen, die der US-Diplomat nach Washington sandte, machte er unmissverständlich klar, dass er dem Experten glaube: «Al-Husseini widerspricht deutlich Aramco, und er ist kein Theoretiker, der den Tag des Jüngsten Gerichts heraufbeschwört. Seine Aussagen sollten sorgfältig geprüft werden.» Die Saudis könnten zweifelsfrei die Ölpreise in die Höhe treiben – ob sie diese aber auch hinunterbringen könnten, sei eine andere Frage.

In einem weiteren Dokument sorgt sich der Diplomat um die zahlreichen Verzögerungen von Projekten und Unfällen auf den Förderstellen. Er deutet diese als Hinweis dafür, dass die saudische Aramco zwar unter Hochdruck versucht, die Ölförderung hoch zu halten, dabei aber mehrere Rückschläge in Kauf nehmen muss.

Al-Husseinis Meinung stützt nun ein weiterer Experte: Faith Birol, Chefökonom der Internationalen Energieagentur, spricht im «Guardian» davon, dass die Ölproduktion bis 2020 den Plafond erreicht und vom Königreich nicht viel mehr zu erwarten ist.

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