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«Wir haben eine Krise der Vernunft»

Frank Schirrmacher gehört zu den wichtigsten deutschen Vordenkern. Er sagt, die Wirtschaftskrise habe zu einem Zustand der Dauerbedrohung geführt. Trotzdem hat er Hoffnung.

«Deutschland zahlt und zahlt und zahlt – und wird gehasst»: FAZ-Herausgeber Schirrmacher. (Bild: Andrea Diefenbach)
«Deutschland zahlt und zahlt und zahlt – und wird gehasst»: FAZ-Herausgeber Schirrmacher. (Bild: Andrea Diefenbach)

Herr Schirrmacher, Sie schreiben, die Eurokrise sei nicht ein vorübergehendes Problem. Es gehe um mehr. Um was geht es?

Die Krise ist Ausdruck von etwas sehr Grundsätzlichem. In der Zeit davor wurde die Wirtschaftswissenschaft als positive Wissenschaft verkauft, als rationales System. Dann kam die Krise, und es wurde immer deutlicher: Diese ist längst nicht mehr nur eine Krise der Wirtschaft, sondern eine Krise der Rationalität. Wir haben eine Krise der Vernunft. Es ist so, als merkten wir plötzlich, dass das System der Physik nicht mehr funktioniert. Dass uns die Antwort auf die Frage schwerfällt, was moralisch ist und was nicht – das ist nicht unser grösstes Problem. Gravierender ist, dass wir nicht mehr wissen, was vernünftig ist und was nicht. Es war nicht irgendein Feuilletonist, der vor dem amerikanischen Kongress gesagt hat: «Das gesamte Denkgebäude ist zusammengebrochen.» Das war immerhin Alan Greenspan.

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