Wir waren zu pessimistisch

Trotz Alarmismus zur Konjunkturlage ist die Schweiz nicht einmal in eine Rezession abgerutscht. Die Wirtschaft ist widerstandsfähiger als wir denken.

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Die wirtschaftliche Katastrophe ist ausgeblieben. Wie komplett anders sah das Bild noch im Januar aus, als die Schweizerische Nationalbank die Verteidigung des Mindestkurses von 1.20 Franken pro Euro aufgegeben hatte. Eine schwere Krise schien damals gewiss. ­Berichte und Einschätzungen, die das zu bestätigen schienen, häuften sich seither. Wie nun die gestern veröffentlichten Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) zeigen, ist die Schweiz noch nicht einmal in eine Rezession abgerutscht. Dabei haben das praktisch alle Konjunkturforscher erwartet.

Das Muster ist nicht neu. Es hat sich schon bei den Folgen der Finanzkrise gezeigt und in den Folgejahren, als der Preis des Euro von mehr als 1.50 Ende 2008 bis zum Sommer 2011 auf einen Franken fiel. Es war mit dem Schlimmsten zu rechnen. Zwar ist die Schweizer Wirtschaft 2009 um 2,1 Prozent geschrumpft, aber im internationalen Vergleich war das ziemlich harmlos, und von einer allgemeinen Krisenstimmung war selbst damals wenig zu spüren. Besonders verblüffend: Selbst die Exporte hielten sich trotz dem schwierigen internationalen Umfeld und dem zu teuren Franken nach 2009 erstaunlich gut.

Die Widerstandsfähigkeit der Schweizer Wirtschaft sollte Anlass geben, mit allzu düsteren Prognosen vorsichtig umzugehen. Das gilt mehr für uns Wirtschaftsjournalisten und Ökonomen als für die breite Bevölkerung. Wie die über alle Jahre stützende Binnenkonjunktur zeigt, haben sich die meisten von den Krisenszenarien nicht anstecken lassen.

Dennoch besteht auch zur Euphorie kein Anlass. Das zeigen die jüngsten Zahlen ebenfalls. Die Schweizer Wirtschaft hat sich deutlich abgeschwächt. Viele Unternehmen haben grosse Schwierigkeiten. Dass es nicht schlimmer geworden ist, liegt auch an den ­geschrumpften Margen und der Opferbereitschaft ­vieler Arbeitnehmenden, mehr zu arbeiten, ohne entsprechend entschädigt zu werden. Als besonders offene Volkswirtschaft können wir uns der Entwicklung in unseren Absatzländern nicht entziehen. Aber unsere Stärken haben uns widerstandsfähiger gemacht. Das belegt die Entwicklung der letzten Jahre.

Erstellt: 28.08.2015, 23:10 Uhr

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