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Wird die Schweiz zum Renminbi-Hub?

Beim Freihandelsabkommen mit China ist der Bund auf gutem Weg. Für die Banken liegt noch mehr in der Luft. Finanzprofessor Martin Janssen sieht einige Vorteile.

Der Renminbi-Handel soll vermehrt über die Schweiz laufen: Bankmitarbeiter beim Geldzählen in Sichuan.
Der Renminbi-Handel soll vermehrt über die Schweiz laufen: Bankmitarbeiter beim Geldzählen in Sichuan.
Keystone

Am 24. Mai kommt Chinas Premierminister Li Keqiang nach Bern. Ziel des Besuchs ist die Finalisierung des Freihandelsabkommens zwischen den beiden Ländern. Mit Spannung wird erwartet, auf welche Modalitäten man sich geeinigt hat: beim Abbau von Zöllen, bei den betroffenen Branchen und bei den Bestimmungen für die Landwirtschaft. Auch die Schweizer Banken wollen vom chinesischen Markt profitieren. Die Branche möchte sich als Handelszentrum für die chinesische Währung Renminbi positionieren. Eine intensivere Zusammenarbeit der Schweizerischen und der Chinesischen Nationalbank wäre eine Voraussetzung dafür. Es bestehen Chancen, dass der Freihandel dafür den Weg ebnet.

Zwischen dem globalen Finanzmarkt und dem Renminbi stand lange Zeit eine chinesische Mauer. Bis im Juli 2009 war die Währung ausschliesslich im Inland ein Zahlungsmittel, erst seit 2011 haben alle chinesischen Provinzen die Befugnis, grenzüberschreitende Transaktionen in Renminbi zu tätigen. Heute können China-Importeure und Exporteure bei Banken wie der UBS ihre Konten direkt in chinesischer Währung führen. Mit der vollständigen Freigabe des Handels wartet China indes noch zu: Grenzüberschreitende Zahlungen in Renminbi sind weiterhin bewilligungspflichtig, der Auslands- wird vom Inlandshandel strikt getrennt (siehe Box).

Wenig globale Renminbi-Hubs

Bei der Öffnung des Kapitalverkehrs geht China behutsam voran. Geht es nach dem Bund und der Bankiervereinigung, so soll die Schweiz in diesem Prozess dennoch zuvorderst mitmischen. Die Schweizer Banken – allen voran die Grossbanken UBS und CS sowie der global tätige Vermögensverwalter Julius Bär – sollen am Renminbi-Geschäft teilhaben können, indem sich die Schweiz zur eigentlichen Handelsdrehscheibe für Chinas Währung entwickelt. Das Aufholpotenzial des Renminbis im globalen Finanzsystem wird als riesig eingeschätzt; ausserhalb von China spielen bislang nur London, Hongkong und Singapur eine grössere Rolle. Einige Hundert Stellen könnten so bei den Schweizer Banken geschaffen werden, schätzt der Bund in seinem Finanzmarktbericht vom Dezember.

Für den Finanzprofessor Martin Janssen wäre eine Ausweitung der schweizerisch-chinesischen Wirtschaftszusammenarbeit auf den Zahlungsverkehr eine positive Entwicklung. «Es wäre für die Banken wichtig, von diesem zusätzlichen Geschäft profitieren zu können», sagt er, «nur schon für das Prestige.» Laut Janssen würden für den Schweizer Finanzplatz Vorteile entstehen, wenn man als erstes europäisches Land den privilegierten Handel mit Renminbi aufnehmen könnte. Das pure Kaufen und Verkaufen der Währung würde dabei noch den kleinsten Stellenwert einnehmen: Lukrativ sind das Anlagegeschäft und die Betreuung von globalen Unternehmen im Geschäft mit China. «Fraglich ist allerdings, wie viele dieser zusätzlichen Arbeitsplätze in der Schweiz entstünden», so Janssen.

Marginaler Renminbi

Wann China den Handel mit seiner Währung vollständig liberalisiert, lässt sich heute nicht abschätzen. Sicher ist für Finanzwissenschaftler Janssen aber, dass die globalen Megabanken dereinst am meisten von dieser Öffnung profitieren werden. «In diesem Geschäft zählt vor allem Grösse», sagt er. Klar ist für Janssen andererseits, dass der Handel mit Renminbi auch für die Schweizer Grossbanken erst richtig einschenkt, wenn dieser einmal frei konvertierbar ist und die gegenwärtigen Eigentumsbeschränkungen für Aktien aufgehoben werden – was schrittweise geschehen dürfte. Neben Dollar, Euro, Yen und sechs weiteren Währungen nimmt Chinas Währung international nach wie vor nur einen Bruchteil des täglichen Handelsvolumens ein. Neben der Schweiz will auch Luxemburg zum Renminbi-Hub aufsteigen.

Wie die Asien-Expertin Jiazhi Chen Seiler von Julius Bär gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagt, hält sie die Chancen der Schweiz auf diesen Status für intakt. Die Schweiz sei in China sehr beliebt. Käme ein sogenanntes Swap-Abkommen zwischen den Notenbanken beider Länder zustande, so würde dies die Risiken und Transaktionskosten im Handel verringern, was handelnden Unternehmen zugutekäme. Auch Urs Rohner misst Investmentbanking-Aktivitäten in China grosse Bedeutung zu. Das Geschäft sei strategisch relevant, so der CS-Präsident kürzlich im Interview mit der «South China Morning Post». Die Credit Suisse übernimmt für chinesische Unternehmen bereits heute die Ausgabe von in Renminbi denominierten sogenannten Dim-Sum-Bonds.

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