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Wirtschaft schlägt sich« erfreulich gut», trotz schrumpfenden Exporten

Laut Economiesuisse muss der Schweizer Aussenhandel in diesem und im nächsten Jahr mit Einbussen rechnen. Die Spekulationen um die Euro-Untergrenze seien vor diesem Hintergrund kontraproduktiv.

Export-Einbussen im einstelligen Bereich erwartet: Ein Lastwagen wird im Hafen Kleinhüningen bei Basel mit Containern beladen. (Archivbild)
Export-Einbussen im einstelligen Bereich erwartet: Ein Lastwagen wird im Hafen Kleinhüningen bei Basel mit Containern beladen. (Archivbild)
Keystone

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse sagt für das laufende Jahr ein Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent voraus. Trotz Frankenstärke und Euro-Chaos dürfte insbesondere das Konsumvertrauen der Schweizer hoch bleiben. Der Export hingegen schrumpft schon dieses Jahr.

Im Dezember hatte die Economiesuisse unter dem Eindruck der ungelösten europäischen Schuldenkrise für 2012 noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 Prozent vorausgesagt und die Schweiz am Rande einer Rezession gesehen. Econoniesuisse gibt halbjährlich Prognosen zur Wirtschaftsentwicklung heraus.

Trotz schwerer Belastungen schlage sich die Schweizer Wirtschaft weiterhin gut, sagte Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch heute Montag im Gespräch mit den Medien. Gründe seien neben der starken Binnennachfrage die tiefen Zinsen, eine weiter starke Bautätigkeit und die immer noch stützende Zuwanderung.

Arbeitslosigkeit steigt, bleibt aber tief

Im nächsten Jahr dürfte sich die Wirtschaftsleistung nach Einschätzung des Verbands aber auf 0,8 Prozent abschwächen. Bis dahin werde die Arbeitslosigkeit auf 3,5 Prozent steigen, nachdem sie dieses Jahr bei 3,3 liegen dürfte und im Vorjahr 3,1 Prozent betragen hatte.

Im Dezember hatte der Verband noch von 3,6 Prozent Arbeitslosen im laufenden Jahr gesprochen. Die im Vergleich zum Ausland tiefe Arbeitslosigkeit ist laut Minsch ein wesentlicher Grund dafür, dass das Vertrauen der Konsumenten in der Schweiz bisher nicht eingebrochen ist.

Eindeutig negativ sieht der Verband der Schweizer Unternehmen in direkter Folge des gegenüber Euro und Dollar immer noch sehr starken Frankens den Export. Minsch sagte eine Schrumpfung um -0,6 Prozent für 2012 und um -1 Prozent für 2013 voraus. 2011 hatte das Exportwachstum noch 3,4 Prozent betragen. Auch der Import dürfte gemäss den Prognosen leicht schrumpfen.

Kritik an SNB-Kritikern

Die Schweizer Wirtschaft gewöhne sich allmählich an den starken Franken, brauche die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) definierte Kursuntergrenze zum Euro bei 1,20 Fr. aber unbedingt, sagte Minsch. Kritik an der Mindestkurs-Politik der Währungshüter ist laut Minsch unangebracht.

Der ehemalige UBS-Chef Oswald Grübel hatte in der Sonntagspresse geschrieben, die Untergrenze sei nicht dauerhaft zu halten. Auch SVP- Nationalrat Christoph Blocher liess sich mit einer ähnlichen Einschätzung zitieren. «Es ist sehr kontraproduktiv, darüber zu spekulieren, dass die Untergrenze aufgehoben wird», sagte Minsch.

Das Signal an die Finanzmärkte sei glaubwürdiger, wenn Wirtschaft und Politik hinter der SNB-Politik stünden. Dann müsse die SNB auch weniger Mittel zur Durchsetzung der Untergrenze einsetzen, sagte Minsch. «Ein Wegfall der Untergrenze hätte dramatische Folgen, Exportbetriebe wäre in ihrer Existenz bedroht», sagte Minsch.

Europa bleibt «Schwelbrand»

Die Lage in Europa werde sich nicht schnell bessern und bleibe ein «Damokles-Schwert» für die Schweiz. Ein totaler Kollaps der griechischen Wirtschaft, ein Absturz des europäischen Bankensystems oder ein Massenansturm auf Banken in Spanien hätten auch für die Schweiz schwere Folgen.

Die Experten von Economiesuisse halten aber einen weiteren «Schwelbrand» in der Eurozone und eine breite Wirtschaftschrumpfung für wahrscheinlicher als eine totale Katastrophe. Die Schweiz müsse sich dennoch mit einem «Worst Case Szenario» auseinandersetzen, warnte Minsch.

SDA/fko

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