Wirtschaftlich betrachtet, steht Brasilien im Abseits

Am Sonntag treffen mit Brasilien und der Schweiz zwei wirtschaftlich stark ungleiche Länder an der WM aufeinander.

Die Krise sorgt für noch mehr Armut: Ein Strand mit einem Fussballtor in Rio de Janeiro. Bild: Reuters

Die Krise sorgt für noch mehr Armut: Ein Strand mit einem Fussballtor in Rio de Janeiro. Bild: Reuters

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Die Wirtschaft Brasiliens ist sehr viel grösser als jene der Schweiz. Das Land ist morgen an der Fussballweltmeisterschaft der erste Gegner der Schweizer Nati. Das Bruttoinlandprodukt (BIP) des Landes belief sich im letzten Jahr auf geschätzte 2081 Milliarden Dollar. Damit ist es dreimal so gross wie jenes der Schweiz, das sich im gleichen Jahr auf geschätzte 681 Milliarden Dollar belief. Berücksichtigt man zudem den Unterschied in der Kaufkraft des Dollars im jeweiligen Land, dann ist die Wirtschaft Brasiliens sogar mehr als sechsmal so gross wie jene der Schweiz.

Trotzdem sind die Brasilianer im Durchschnitt deutlich ärmer. Denn der Grössenunterschied im BIP ergibt sich vor allem aus der sehr viel grösseren Bevölkerung Brasiliens: 207 Millionen Menschen leben dort, verglichen mit nur gerade 8,4 Millionen in der Schweiz. Auf einen Schweizer kommen also fast 25 Brasilianer. Pro Kopf führt das kaufkraftbereinigt zu einem Jahreseinkommen in Brasilien von 15'500 Dollar. Jenes in der Schweiz ist mit 61'400 dagegen rund viermal so hoch. Doch die Durchschnittswerte verschleiern eine grosse Ungleichheit in Brasilien, die mit der Krise, die das Land in den letzten Jahren durchlebt hat, weiter zugenommen hat.

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Zugenommen hat mit der Krise auch die Armut, zuvor ist sie zurückgegangen. Die Arbeitslosenquote in Brasilien lag, gemessen an den Standards der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), im letzten Jahr bei 12,8 Prozent, in der Schweiz dagegen nur bei 4,8 Prozent. Eine hohe Staatsverschuldung, die sich 2017, gemessen am BIP, auf 84 Prozent belief, verengt zudem den Spielraum des Staates. In der Schweiz ist sie mit 42,8 Prozent nur rund halb so gross.

Noch kein Handelsabkommen

Die Schweiz exportiert deutlich mehr nach Brasilien, als sie von dort importiert. Der Überschuss beläuft sich auf 1,67 Milliarden Dollar. Bei den exportierten Gütern dominieren jene aus der Chemie- und Pharmabranche (1,7 Milliarden Dollar), gefolgt von solchen aus dem Maschinen- und Elektronikbereich (225 Millionen Dollar) und dem Bereich der Uhren- und Präzisionsinstrumente (123 Millionen Dollar). An erster Stelle bei den Importen aus Brasilien in die Schweiz stehen Landwirtschaftsgüter (397 Millionen Dollar). Der Anteil Brasiliens an den gesamten Schweizer Exporten liegt nur bei rund 1 Prozent, bei den Importen sogar nur bei 0,3 Prozent.

Brasilien ist das grösste Land der ­südamerikanischen Freihandelsvereinigung Mercosur. Ein Abkommen mit ihr hat die Schweiz bisher nicht, während die EU aktuell daran ist, eines auszuhandeln. Das dürfte die Schweizer Unternehmen im Wettbewerb benachteiligen, denn die Zölle, die die Mercosur-Länder auf Importe aus der Schweiz schlagen, sind teilweise hoch: Auf Uhren zum Beispiel liegen sie bei 18 bis 20 Prozent.

Erstellt: 15.06.2018, 21:16 Uhr

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