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Zypern setzt in der Krise auf Kasinos

Auf der Suche nach einem Weg aus der Krise scheut die zypriotische Regierung keine Tabus. Entgegen dem Widerstand der orthodoxen Kirche plant Präsident Nikos Anastasiadis offenbar die Eröffnung eines Kasinos.

Stark unter Druck: Der zypriotische Präsident Nikos Anastasides umringt von Journalisten. (29. März 2013)
Stark unter Druck: Der zypriotische Präsident Nikos Anastasides umringt von Journalisten. (29. März 2013)
Keystone
Nachschub: Mehrere Lastwagen bringen Geld in die zypriotische Zentralbank nach Nikosia. (28. März 2013)
Nachschub: Mehrere Lastwagen bringen Geld in die zypriotische Zentralbank nach Nikosia. (28. März 2013)
Keystone
Macht sich für das Rettungspaket stark: Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis. (17. März 2013)
Macht sich für das Rettungspaket stark: Zyperns Präsident Nikos Anastasiadis. (17. März 2013)
Keystone
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Die Republik Zypern sucht nach Wegen aus der Krise. Präsident Nikos Anastasiadis kündigte in einem Interview der grössten zypriotischen Zeitung «Fileleftheros» unter anderem die Eröffnung eines Kasinos an.

Bislang war dies am hartnäckigen Widerstand der einflussreichen orthodoxen Kirche und ihres Erzbischofs Chrysostomos gescheitert. Kasinos sind bisher nur auf der türkischen Seite Zyperns zu finden. Im Norden Zyperns gibt es seit einer türkischen Militärintervention 1974 die international nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern.

Im Süden liegt die Republik Zypern, die aber die ganze Insel international vertritt und auch Mitglied der EU ist. Viele Touristen und einheimische Spieler gehen zum Spielen in den Norden.

Anastasiadis sagte, die zypriotische Wirtschaft müsse dringend weiter gestärkt werden. Unter anderem solle es keine Steuern auf Gewinne von Betrieben geben, die wieder auf Zypern investiert werden. Bei den Zahlungsfristen und den Zinssätzen für Kredite sprach sich Anastasiadis für Erleichterungen aus.

Ausländerquote

Zudem will er zwischen Mieter- und Vermieterverbänden vermitteln, damit die Mieten reduziert werden. Sollte dies nicht gelingen, sei auch eine gesetzliche Regelung möglich, sagte der Präsident.

Schwierige Zeiten könnten auch auf Nicht-EU-Ausländer zukommen, die auf Zypern arbeiten. Die Regierung will mit den Arbeitgebern eine informelle Beschäftigungsklausel zum Schutz der zypriotischen Arbeitnehmer vereinbaren.

Demnach sollen 70 Prozent zypriotische Bürger und höchstens 30 Prozent Ausländer beschäftigt werden, sagte Anastasiadis. Auf Zypern arbeiten Schätzungen zufolge rund 100'000 Nicht-EU-Ausländer als Hausdiener, Kindermädchen sowie im Baugewerbe. Der Grossteil stammt aus den Phlippinen, Sri Lanka und Indien.

Ansturm auf Banken ausgeblieben

Am Donnerstag und Freitag verlief die Wiedereröffnung der fast zwei Wochen geschlossenen Geldhäuser auf Zypern reibungslos. Harte Regeln der zypriotischen Notenbank sollen ein schnelles Ausbluten der Banken verhindern. So dürfen pro Person und Bank maximal 300 Euro pro Tag abgehoben werden.

Schlechte Nachrichten gab es am Samstag für die Sparer der Bank of Cyprus: Die Bankkunden mit einem Vermögen von mehr als 100'000 Euro müssen mit heftigen Verlusten rechnen. Denn oberhalb dieser geschützten Summe droht bei jedem weiteren Euro eine Zwangsabgabe von bis zu 60 Prozent, wie Finanzminister Michalis Sarris erklärte.

Der Zypern-Rettungspakt mit der umstrittenen Beteiligung von Bankanlegern ist nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsministers Philipp Rösler «definitiv» kein Modell für andere Länder: «Jeder Staat ist anders», sagte der FDP-Chef der Nachrichtenagentur dpa.

Rösler ging damit auf Distanz zu Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem. Dieser hatte gesagt, die Beteiligung von Aktionären, Anleihenbesitzern und Sparern wie im Falle Zyperns tauge als Modell auch für weitere Hilfsprogramme. Die Aussagen hatten die Finanzmärkte beunruhigt. Später musste Dijsselbloem zurückrudern.

Troika gegen Bankenfusion in Hellas

Auch Griechenland mit angeschlagenen Banken: Die Troika aus EU, EZB und IWF hat Athen offenbar aufgefordert, die geplante Fusion seiner Grossbanken Ethniki Trapeza (Nationale Bank) und Eurobank zu stoppen.

Die Troika sorge sich, dass die fusionierte Ethniki/Eurobank zu gross sein könne, um von Staat noch beherrscht werden zu können, berichtete die Zeitung «Kathimerini».

Die neue Grossbank hätte Einlagen von rund 170 Milliarden Euro, was knapp der jährlichen Wirtschaftskraft Griechenlands (190 Milliarden Euro) entspricht. Damit würden sie über ein Drittel aller Kundengelder in Hellas verwalten. Die Nationale Bank und die Eurobank sind schon inmitten von Vorbereitungen für die Fusion. Die beiden Banken benötigen rund 15 Milliarden Euro frisches Kapital.

SDA

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