Krankenkassen machen Gewinne – wer profitiert?

Nur drei grosse Versicherer zahlen Überschüsse direkt an die Kunden zurück.

Mehr ambulante Eingriffe: Krankenschwester am Berner Inselspital. Foto: Keystone

Mehr ambulante Eingriffe: Krankenschwester am Berner Inselspital. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

2018 war ein gutes Jahr für die Krankenkassen. Ihre Einnahmen waren höher als die Ausgaben. Die in den vergangenen Wochen veröffentlichten Geschäftsberichte der Versicherer weisen deshalb einen Überschuss auf. Der Grund liegt darin, dass die Kosten in der obligatorischen Grundversicherung im vergangenen Jahr weniger stark angestiegen sind, als im Vorjahr vorausgesehen wurde. Statt wie im langjährigen Mittel rund vier Prozent dürfte es nur ein Prozent gewesen sein. Wie viel es genau sind, ist noch nicht bekannt.

In der Branche ist man sich uneins, weshalb die Kosten tiefer ausgefallen sind. Gemäss Felix Schneuwly vom Vergleichsdienst Comparis hat es mit einer Trendwende im stationären Bereich zu tun. «Die Spitäler verzeichnen teilweise deutliche Umsatzeinbussen», sagt er. Dies bedeute weniger Kosten für die Krankenkassen. Der Trend zu mehr ambulanten Eingriffen zeige Wirkung. Die Liste des Bundesamtes für Gesundheit mit sechs Operationen, die zwingend ambulant durchgeführt werden müssen, könnte ihn verstärken. Einige Kantone haben ein Dutzend Operationen auf ihrer Liste. Dort ist der Effekt höher.

Was machen die Kassen mit dem Geld?

Für Pius Zängerle, Direktor des Krankenkassenverbandes Curafutura, wirken nun die Eingriffe in den ambulanten Tarif. Bundesrat Alain Berset hat in den vergangenen Jahren mehrfach die Tarife der Spezialärzte gesenkt. Zudem hätten die Kassen ihre Kontrollen der Rechnungen von Ärzten und Spitälern laufend verschärft. «Das hat eine direkte Wirkung auf die Kosten und beeinflusst das Abrechnungsverhalten gewisser Leistungserbringer.» Die Reformen haben aber auch zu verzögerten Rechnungsstellungen geführt, sagt Santésuisse-Sprecher Manuel Ackermann.

Was machen nun die Kassen mit dem Geld? Da die Kassen von Gesetzes wegen keinen Gewinn ausschütten dürfen, fliesst der Überschuss des letzten Geschäftsjahres bei den meisten Kassen vollumfänglich in die Reserven. Drei Kassen machen eine Ausnahme: Die Assura, die Sympany und die Concordia haben angekündigt, einen Teil ihres Überschusses den Prämienzahlern zurückzuerstatten. Das Aufsichtsgesetz über die Krankenversicherung sieht diese Möglichkeit seit 2016 vor. Das Bundesamt für Gesundheit muss die Rückzahlungen allerdings noch genehmigen.

Die Krankenkasse Sympany aus Basel war Pionierin bei dieser Massnahme. Sie hat seit 2016 jedes Jahr in einigen Kantonen Rückzahlungen durchgeführt, 2016 im Aargau, in Freiburg und Schaffhausen, ein Jahr später in beiden Basel und letztes Jahr in insgesamt sieben Kantonen. Die Beträge beliefen sich 2018 zwischen 50 Franken für Berner Versicherte bis 370 Franken für Kunden aus dem Kanton Solothurn. Dieses Jahr hat die Concordia angekündigt, 108 Millionen Franken zurückzuzahlen.

Mit der Assura macht nun erst mal einer der drei Grossen im Geschäft Gebrauch von der Möglichkeit von Rückzahlungen zu viel bezahlter Prämien. Rund eine halbe Million Versicherte dürften etwas zurückerhalten. Die drei Kassen haben gemäss Bundesamt für Gesundheit alle bereits hohe Reserven, weshalb sich die Auszahlung der Überschüsse anbietet.

Kassen denken, dass Prämien etwas steigen

Was passiert mit den Überschüssen, die in die Reserven gehen? Die Krankenkassen dürfen die Reserven nicht für tiefere Prämien im kommenden Jahr einzusetzen, um so den Wettbewerb zu verschärfen. Das Bundesamt für Gesundheit kontrolliert das bei der Prämiengenehmigung. Die meisten Kassen gehen auf Anfrage trotzdem von moderaten Prämienerhöhungen im kommenden Jahr aus, weil sie den Kostenanstieg nach der Fehlprognose jetzt tiefer einschätzen.

«Wir legen Wert auf moderate Prämien, nicht auf eine spätere Rückzahlung.»Christina Wettstein, Sprecherin CSS

Versicherte, deren Kasse nichts zurückzahlt, würden kurzfristig benachteiligt, sagt Felix Schneuwly von Comparis. Sie profitierten aber mittelfristig von etwas tieferen Prämien, wenn ihre Kasse die Reserven gut anlege und Erträge erwirtschafte. Genau das haben jene Kassen vor, welche nichts direkt zurückzahlen, wie Christina Wettstein, Leiterin der Medienstelle der CSS, erklärt: «Wir legen Wert auf moderate Prämien, nicht auf eine spätere Rückzahlung.»

Erstellt: 07.06.2019, 10:12 Uhr

Artikel zum Thema

Krankenkasse frisst 14 Prozent des Einkommens

Die Ausgaben für die Krankenkasse sind in ärmeren Haushalten in der ganzen Schweiz gestiegen – obwohl die Prämien verbilligt wurden. Mehr...

Zahle ich zu viel Krankenkassenprämien?

Video Beim Wiedereinstieg ins Berufsleben sind Prämienzahler oft doppelt versichert. Mehr...

Wie es zu den Überschüssen kommt

Die Kassen müssen jeweils ihre Prämien bis Ende Juli beim Bundesamt für Gesundheit für das kommende Jahr einreichen. Die Basis dafür bilden die Kosten des Vorjahres. Und darin liegt das Problem: Als die Versicherer im Sommer 2017 die Prämien für 2018 berechneten, taten sie das also weitgehend mit Zahlen von 2016. Nun, zwei Jahre später, ist klar, dass die damalige Schätzung der Kostenentwicklung falsch war. Die drei grössten Kassen der Schweiz, CSS, Helsana und Assura, haben so alle zwischen drei und vier Prozent mehr Prämien eingenommen als nötig und entsprechend Überschuss erwirtschaftet. Auch die anderen Kassen weisen Überschüsse auf.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Vergleichsdienst

Mit unserem Vergleichsdienst finden Sie die geeignete Krankenkasse.
Jetzt vergleichen.

Paid Post

Wollen Sie einen echten Cyborg treffen?

Ihnen gehen Technik und Innovation unter die Haut? Gewinnen Sie 2x2 VIP-Tickets für die Volvo Art Session.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kampf gegen das Aussichtslose: In Kalifornien versuchen die Feuerwehrleute immer noch das Ausmass der Buschfeuer einzugrenzen. (11. Oktober 2019)
(Bild: David Swanson) Mehr...