Kunden verschmähen digitale Bankprodukte

Gemäss einer Umfrage werden Onlinekanäle zum Bezahlen genutzt, kaum aber, um eine Hypothek abzuschliessen.

Abgesehen von Bezahllösungen tut sich in der Finanzbranche wenig in Sachen Digitalisierung. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Abgesehen von Bezahllösungen tut sich in der Finanzbranche wenig in Sachen Digitalisierung. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Die Digitalisierung hat die Reisebranche, die Musik- und Unterhaltungsindustrie und die Medienlandschaft umgepflügt. Im Finanzsektor hat sich bisher recht wenig getan. Und obwohl Schweizer Banken Millionen in die Digitalisierung, in ihre Prozesse und auch in das Produktangebot investieren, scheint sich die Nachfrage der Konsumenten nach digitalen Bankprodukten bisher in Grenzen zu halten.

Das geht aus einer Erhebung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zum Thema «Digitalisierung bei Schweizer Banken» hervor. «Fast 50 Prozent der Banken sagen uns, dass ihre Kunden kaum über digitale Kanäle ein Konto eröffnen oder einen Kredit beantragen», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Fritz Zurbrügg in einer Medienkonferenz. Die Antworten der befragten Banken würden in diesem Punkt aber stark variieren.

Onlinebezahlen ist beliebt

Rund die Hälfte der Bankkunden würden dagegen den Onlinezugang zum Konto nutzen, um zum Beispiel Zahlungen vorzunehmen. Zurbrügg erklärt sich die unterschiedlichen Ergebnisse damit, dass es den Onlinezahlungsverkehr bereits seit Jahren gebe und er bei den Kunden etabliert sei. Dagegen sei es noch recht neu, dass Konsumenten über den Onlinekanal auch eine Hypothek abschliessen können. «Offenbar fehlen hier noch die Erfahrungen», so das SNB-Direktoriumsmitglied.

Grundsätzlich sehen Banken laut Erhebung mehr Chancen als Risiken durch die Digitalisierung. Der grösste Vorteil liege darin, die internen Abläufe zu optimieren und so Kosten zu sparen. Die Notenbank hat in ihrer Umfrage nicht erhoben, inwieweit Banken diesen Kostenvorteil ihren Kunden über Preissenkungen weiterreichen wollen. «Man kann aber davon ausgehen, dass die Kunden davon profitieren werden», erklärte Bertrand Rime, Direktor bei der SNB. Schliesslich würden im Zuge der Digitalisierung neue Wettbewerber auftreten.

In der Blockchain-Technologie sehen die Banken keine wichtigen Innovationen für die nächsten Jahre.

Beispiele hierfür sind die Neobanken, wie Revolut oder N26, die mit günstigen Preisen Marktanteile gewinnen wollen. Credit Suisse hatte Montag angekündigt, mit verbesserten Servicezeiten im Callcenter und neuen Digitalangeboten diesen neuen Wettbewerbern Paroli bieten zu wollen.

Der grösste Anteil (47 Prozent) der befragten Banken rechnet in Zukunft damit, dass Kunden weniger treu sein werden und mehr als eine Bankbeziehung pflegen werden. Eine Marginalisierung durch die neuen Anbieter fürchten die Schweizer Banken aber nicht.

Neben den neuen Digitalbanken sehen Schweizer Institute vor allem in den grossen Techunternehmen wie Amazon oder Google gefährliche Wettbewerber. Laut Rime verfügen die US-Techriesen über so viele Kundendaten, dass sie ein gutes Bild von der Kreditwürdigkeit ihrer Nutzer hätten. Amazon sei zum Beispiel in den USA bereits in das Geschäft mit Firmenkrediten eingestiegen.

Interessant ist ferner, dass die befragten Banken in der Blockchain-Technologie keine wichtigen Innovationen für die nächsten Jahre sehen. Facebook dagegen plant, auf Basis dieser Technologie mit Libra eine Art virtueller Weltwährung zu schaffen. Der Trägerverein soll in Genf angesiedelt sein.

SNB ist vorsichtig bei Libra

Viele Regulatoren haben vor potenziellen Gefahren für die Finanzstabilität durch Libra gewarnt. Die SNB hält sich in dieser Debatte zurück. «Die uns zur Verfügung stehenden Informationen zu Libra sind noch sehr vage», sagte SNB-Direktoriumsmitglied Zurbrügg. Wichtig sei die Frage, wie das Projekt reguliert werden solle. Hierzu gebe es eine nationale und eine internationale Dimension zu beachten.

Zurbrügg bekräftigte bei dieser Gelegenheit, dass die Schweizer Notenbank derzeit keine Notwendigkeit sieht, den Franken als digitale Währung zu lancieren. Stattdessen feiert sie den Franken in Form von Bargeld: Nächsten Dienstag stellt die SNB die neue 100er-Note vor.

Erstellt: 27.08.2019, 18:16 Uhr

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