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Lieber ein Grounding als weniger Lohn

Die Alitalia stand in der Vergangenheit schon mehrfach vor dem Aus. Jetzt dürfte sie aber definitiv nicht mehr abheben.

Der dritte Sanierungsplan für Alitalia seit 2008 kommt nicht zustande. Die Fluggesellschaft steht damit vor ihrem Aus.
Der dritte Sanierungsplan für Alitalia seit 2008 kommt nicht zustande. Die Fluggesellschaft steht damit vor ihrem Aus.
Tony Gentile, Reuters

Die Haltung der Alitalia-Angestellten ist eindeutig: Lieber nehmen sie ein Aus der Fluggesellschaft in Kauf, als dass sie in einen Sanierungsplan einwilligen, der einen Stellenabbau, Lohnkürzungen und den Abbau von Privilegien vorsieht. Oder wie es italienische Medien drastisch ausdrücken: Lieber Selbstmord begehen, als neue Opfer zu erbringen.

Vor rund einer Woche sah es noch danach aus, als ob die Alitalia ein weiteres Mal den Rank finden würde. Das Management der italienischen Airline und Gewerkschaftsvertreter einigten sich auf einen Kompromiss, mit dem Alitalia zumindest finanziell eine Atempause verschafft worden wäre. Der Sanierungsplan, dem auch die Gewerkschafter zustimmten, sah nur noch Gehaltskürzungen um durchschnittlich 8 Prozent vor. Ursprünglich hatte das Management Lohnreduktionen von 30 Prozent im Auge. Auch sollten nur noch 980 anstatt 1400 der insgesamt 12'500 Angestellten entlassen werden.

Allerdings ist die Gewerkschaftsbasis den Funktionären nun nicht gefolgt. In einer Urabstimmung haben über zwei Drittel der Alitalia-Angestellten den Sanierungsplan abgelehnt, wie in der Nacht auf heute bekannt wurde. Weil die Eigentümer von Alitalia – neben der arabischen Fluggesellschaft Etihad sind das auch die heimischen Banken Unicredit und Intesa Sanpaolo – es ablehnen, ohne einen Sanierungsplan neues Geld einzuschiessen, steht eigentlich nur noch eine Möglichkeit offen: die Zwangsverwaltung.

Zwei Wochen Zeit für Suche nach Käufer

Heute Dienstag, an dem in Italien nota bene die Befreiung des Landes gefeiert wird und der daher ein Feiertag ist, tritt nun der Alitalia-Verwaltungsrat erneut zusammen. Das in der derzeitigen Situation praktisch unumgängliche Insolvenzverfahren sieht vor, dass das Unternehmen vorerst kommissarisch geleitet würde. Das Industrieministerium würde Verwalter einsetzen, welche zuerst die Aufgabe hätten, einen Käufer zu finden. Gelingt dies innert 15 Tagen nicht, wird die Insolvenz erklärt und das Unternehmen abgewickelt – sprich Unternehmensteile verkauft und der Betrieb liquidiert. Die Angestellten hätten in diesem Fall zwei Jahre lang Anrecht auf Arbeitslosengeld.

Davon dürften sich die Alitalia-Angestellten bei ihrem Votum aber kaum haben leiten lassen. Ihnen war zudem auch klar, dass ein «No» faktisch das Aus der Airline bedeuten würde. Nicht wenige dürften jetzt aber auf eine Verstaatlichung der Fluggesellschaft hoffen – ein Schritt, den die Regierung indes bis anhin kategorisch ausgeschlossen hat und der zudem auch nicht EU-konform wäre. Und dass sich ein Käufer für die marode Airline finden lässt, die derzeit Tag für Tag rund eine halbe Million Euro Verlust einfliegt, dürfte ebenso unmöglich sein.

Grounding möglich

Momentan ist nicht einmal klar, wie geordnet eine Liquidation der Alitalia ablaufen würde. Ein Grounding wegen Zahlungsunfähigkeit, wie seinerzeit bei der Swissair, ist nicht ausgeschlossen. Während bei der Schweizer Fluggesellschaft das Aus für die Öffentlichkeit doch eher überraschend kam, hatte die italienische Fluggesellschaft ihr Ende schon mehrfach vor Augen.

Der nun vom Personal abgelehnte Sanierungsplan wäre bereits der dritte seit 2008 gewesen. Damals hatte eine Gruppe von über einem Dutzend Investoren mit der Compagnia Aerea Italiana eine neue Betreibergesellschaft für die damals jahrelang hochdefizitär operierende Alitalia Linee Aeree Italiane gegründet. Eine Rettung über eine Fusion mit Air France-KLM war zuvor definitiv am Widerstand der Gewerkschaften gescheitert.

Schon 2014 stand dann aber die nächste Rettung an: Damals war Etihad Airways die neue Kapitalgeberin, und Alitalia firmierte offiziell neu als Società Aerea Italiana. Doch auch mit Etihad, die mit Alitalia, Air Serbia, Air Berlin und der in Etihad Regional unbenannten Schweizer Regional-Airline Darwin eine starke Stellung auf dem europäischen Markt vorschwebte, gelang es nicht, die Fluggesellschaft wieder rentabel zu machen.

Keine Antwort auf Billigairlines

Gründe für das mehrmalige Scheitern gibt es mehrere: Einerseits leidet die Alitalia an ihrer Vergangenheit. Denn das Unternehmen hat den italienischen Steuerzahler in den letzten Jahren nicht nur mehrere Milliarden Euro gekostet, es stand auch sonst immer unter starkem politischem Einfluss und hatte deshalb immer wieder unterschiedliche Interessen zu bedienen, die der eigenen Rentabilität nicht unbedingt dienlich waren. Anderseits hat es Alitalia aber auch nie geschafft, eine Antwort auf die Billigflieger zu finden. Nach Angaben von Alitalia beträgt der Marktanteil von Ryanair und den anderen Lowcost-Airlines in Italien 47 Prozent und ist damit so hoch wie in keinem anderen europäischen Land.

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