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Lonza-Chef postet melancholisches Video zum Abgang

Marc Funk zelebriert sein Ende beim Pharmazulieferer auf bemerkenswerte Weise. Gleichzeitig sind die Gründe für seinen Rauswurf bekannt geworden.

«Eine Karriere ist nicht das, was du tust. Es ist das, was du wirst»: Foto: Screenshot Linkedin, Marc Funk
«Eine Karriere ist nicht das, was du tust. Es ist das, was du wirst»: Foto: Screenshot Linkedin, Marc Funk

Lonza-Chef Marc Funk hat einen Abgang gewählt, so wehmutsvoll, wie es vor ihm wohl noch kein Unternehmensleiter in der Schweiz getan hat. Funk hat dazu eigens ein Video produziert: Es zeigt verschneite Berggipfel und die Sonne im Weltraum. Die Bilder stammen von stratosphärischen Ballons, die er zusammen mit seinen Söhnen «aus entlegenen Gebieten der Erde» ins All geschickt habe, schreibt Funk diese Woche dazu.

Unterlegt hat er diesen Rundblick von ganz oben mit einer ganz traurigen Klavier- und Streichermusik. Dazu gibt es Texteinschübe: «Von bescheidenen Anfängen in unsicheren Zeiten zu einer globalen Macht in der Pharmaherstellung. Von 240 Medikamenten zu 860 Medikamenten, von einem Unternehmen mit einem Wert von 1,8 Milliarden zu einem Unternehmen mit einem Wert von 25 Milliarden.» Am Schluss heisst es: «Eine Karriere ist nicht das, was du tust. Es ist das, was du wirst.»

Das Video ist eine Rückschau auf «zehn glückliche Jahre bei Lonza», wie Funk auf der Internetplattform Linkedin erklärt. Sein Abschiedsgruss ist bislang 25’000-mal angeklickt worden, was deutlich über der Zahl von 15’500 Mitarbeitenden liegt. Der 59-Jährige ist noch bis Januar Chef des Konzerns, der Wirkstoffe für die Pharma-, Bio- und Gesundheitsindustrie sowie klassische Chemieprodukte wie Kunstdünger oder Holzschutzmittel herstellt.

Der Jurist hatte sich bis zum CEO vorgearbeitet, bis nach nur neun Monaten im November sein plötzlicher Abtritt angekündigt wurde. Er gehe aus «persönlichen Gründen», so die offizielle Version.

Gerüchte über «Angstkultur»

Doch sein abrupter Abgang hat einen handfesten Grund. Der hat nichts mit der schwerwiegenden Spekulation zu tun, die das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» kolportiert: «Die Hintergründe für Funks Abgang sind in seiner Person zu finden, genauer: seiner Führungskultur», heisst es dort. Die «Angstkultur», die sich bei Lonza schon unter dem vorherigen Konzernchef Richard Ridinger etabliert habe, solle sich unter Funk noch verschlimmert haben. Deswegen sei Verwaltungsratspräsident Albert Baehny, der als Anhänger einer mitarbeiterfreundlichen Firmenkultur gelte, eingeschritten und habe Funk geschasst.

Dies wäre wohl die erste Kündigung eines Konzernchefs in der Schweiz aus Gründen des reinen Arbeitnehmerschutzes. Dem aber ist nicht so.

Funk war zwar ein sehr fordernder und «ziemlich spezieller Charakter», aber nicht unbedingt ein einschüchternder Chef. «Die Zusammenarbeit mit Marc Funk hat sich während meiner ganzen Zeit der Zugehörigkeit zur Konzernführung äusserst professionell und kollegial gestaltet», sagt dazu ein ehemaliger Lonza-Manager.

Aggressiver Geschäftskurs

Es ist richtig, dass der Verwaltungsrat Funk kündigte. Ausschlaggebend waren dafür aber geschäftsstrategische Gründe: Es war zum Machtkampf zwischen ihm und dem Verwaltungsrat gekommen. Denn Funk war ein «ungeduldiger Stürmer», wie es aus Konzernkreisen heisst. Er habe das in die Sparte LSI ausgelagerte Chemiegeschäft rasch abstossen wollen. Denn dieses harzt nicht nur, sondern hat auch mit 19 Prozent eine deutlich geringere operative Marge als die gut 33 Prozent der zweiten Hightech-Sparte.

Funk verfolgte einen aggressiven Geschäftskurs und wollte aus Lonza möglichst schnell einen lukrativen reinen Pharmazulieferer machen, wobei ihn auch die Erwartungen der Aktionäre und der um ein Drittel gestiegene Aktienkurs trieben.

Für Baehny dagegen ist das alte Kerngeschäft noch immer wichtig, wie es heisst. Gerade auch, wenn der Konzern derzeit rund eine Milliarde Franken in Visp investiert, wo gerade einer der grössten Biotech-komplexe der Welt entsteht. Dafür müssen Tausende neue Fachkräfte ins Oberwallis geholt werden. Der Konzern macht sich dafür auf die Suche in der ganzen Welt. Zugleich ist mit Hunderten Pensionierungen bei der bisherigen Produktion zu rechnen, weshalb zusätzlicher Bedarf entsteht.

Der Verwaltungsrat will das traditionelle Chemiegeschäft als zweites Standbein zumindest zunächst noch als Absicherung halten, zumal die Marge dort auch leicht zulegt.

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