Ex-Zurich-Chef Martin Senn ist tot

Der ehemalige CEO ist freiwillig aus dem Leben geschieden. Es ist bereits der zweite Suizid eines Zurich-Topmanagers in knapp drei Jahren.

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Der ehemalige Zurich-Chef Martin Senn ist am Freitag gestorben. Der Versicherungskonzern bestätigt, dass der 59-Jährige freiwillig aus dem Leben geschieden ist. «Die Nachricht vom plötzlichen Tod von Martin Senn hat uns fassungslos gemacht und tief erschüttert», heisst es in der Mitteilung.

Man verliere nicht nur einen verdienstvollen ehemaligen CEO, sondern auch einen wertvollen früheren Arbeitskollegen und herzensguten Freund. Aus Respekt vor Martin Senn und seiner Familie will Zurich keine weiteren Kommentare abgeben.

Suizid in Klosters

Ihr ehemaliger Chef nahm sich in Klosters GR das Leben. Ein Sprecher der Kantonspolizei Graubünden bestätigte gegenüber der Nachrichtenagentur SDA diese Information von «Blick». Weiter bestätigte der Sprecher einen Einsatz vom vergangenen Freitag. Die Ermittlungen liefen, hiess es. Weitere Informationen wollte die Kantonspolizei nicht geben.

Senn war während sechs Jahren Zurich-Chef gewesen. Am 1. Dezember des letzten Jahres war Senn überraschend mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Zuvor war die Übernahme des britischen Versicherers RSA geplatzt. Ausserdem kam es zu einem überraschenden Gewinneinbruch.

Bekannter: Senn war zuletzt depressiv

Der Druck der Investoren sei nach einer Serie enttäuschender Quartalsergebnisse zu gross geworden, hiess es. Interimistisch übernahm der 70-jährige Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan den Chefposten. Seit März ist Mario Greco neuer Zurich-Chef.

Senn habe der Machtverlust schwer getroffen, sagt ein Bekannter zum «Blick». In letzter Zeit sei der ehemalige Zurich-Chef depressiv gewesen und habe sich kaum mehr am gesellschaftlichen Leben beteiligt.

Zweiter Suizid

Senns Selbstmord ist der zweite Suizid eines Topmanagers beim Versicherungskonzern in knapp drei Jahren. Ende August 2013 schied der damalige Finanzchef Pierre Wauthier im Alter von 53 Jahren freiwillig aus dem Leben. In einem Abschiedsbrief hatte er den damaligen Verwaltungsrat beschuldigt, übermässigen Druck ausgeübt zu haben.

Verwaltungsratspräsident war dazumal Joe Ackermann, der nur wenige Tage danach zurücktrat. Eine Untersuchung der Umstände durch eine Zürcher Anwaltskanzlei im Auftrag der Finma kam jedoch zum Schluss, dies sei nicht der Fall gewesen. Es sei «kein ungebührlicher oder unangemessener Druck» auf Wauthier ausgeübt worden, befand die Finma nach einer Auswertung von Dokumenten und Geschäftskorrespondenz. (rub/woz)

Erstellt: 30.05.2016, 09:08 Uhr

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