Migrolino prüft Gesichtsscanning

Das Gesicht scannen und schwupps – der Einkauf ist vom Konto abgebucht. Darüber denkt die Migros-Tochter nach. Andere Detailhändler zeigen sich vorsichtiger.

Müssen Kunden bald schon mit ihrem Gesicht den Eintritt in Migrolino-Filialen erlangen? Foto: Keystone

Müssen Kunden bald schon mit ihrem Gesicht den Eintritt in Migrolino-Filialen erlangen? Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie gehen in einen Laden, packen Fertigpizza, Salat und eine Flasche Mineralwasser in eine Tüte. Beim Ausgang wird ihr Gesicht gescannt, und schwupps, ist ihr Einkauf von ihrem Konto abgebucht. So funktioniert Shopping teilweise bereits heute in China.

In der Schweiz werden ähnliche Systeme in Betracht gezogen. So äusserte sich etwa Migrolino-Chef Markus Laenzlinger in einem Interview mit der «Lebensmittelzeitung». Er stelle sich vor, dass Kunden sich mittels Smartphone oder Gesichtserkennung beim Betreten des Ladens identifizieren. Beim Verlassen werde der Einkauf automatisch gescannt und bezahlt. Diese Technologie könnte laut Laenzlinger bei den neuen Läden, die 24 Stunden geöffnet haben sollen, zum Einsatz kommen. Und bei denen teilweise kein Personal mehr anwesend sein wird.

Kunden sind zu informieren

Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte beobachte die Entwicklung, meldet der Zeitungsverbund CH Media. Wichtig sei, dass die Kunden darüber informiert sind, dass Bilder von ihnen genutzt werden. Und er warnte zusätzlich vor den Gefahren beim Sammeln von biometrischen Daten, wie etwa dem Identitätsdiebstahl.

Doch ob wirklich schon bald Gesichter gescannt werden bei der Migros-Tochter, ist unklar. Vielmehr sei es «eine von verschiedenen technischen Lösungen, die theoretisch denkbar wären», sagt eine Sprecherin. Migrolino habe aber keine konkreten Pläne, die Gesichtserkennung einzuführen. Man sei auf der Suche nach der optimalen Lösung für den Zugang zu den Läden, die in Zukunft während einiger Stunden nicht bedient sind. Mehr Details gibt Migrolino nicht preis.

Aldi plant momentan keine autonomen Filialen. Foto: Keystone

Beim Konkurrenten Valora funktioniert der Zugang zu einem Testladen, der ebenfalls ohne Personal auskommt, über eine Smartphone-App. Doch auch Valora will künftig die Gesichter ihrer Kunden festhalten. Die Kioskbetreiberin plant, die Gesichtserkennung zu nutzen, um den Kunden personalisierte Einkaufsvorschläge zu machen. Etwa bei Kaffeemaschinen oder Tabakautomaten. Wann die Gesichtserkennung zum Einsatz kommen soll, ist derzeit noch offen, heisst es bei Valora.

Andere Detailhändler in der Schweiz sind zurückhaltender. So etwa Aldi: Autonome Filialen mit einem 24-Stunden-Betrieb seien nicht geplant. «Denn es ist uns als Lebensmittel-Detailhändler wichtig, dass die Mitarbeitenden den persönlichen Kontakt zu unserer Kundschaft pflegen können», sagt ein Sprecher. Ebenso sind Gesichtsscanner beim Discounter kein Thema. Und auch Lidl und Coop haben derzeit keine entsprechenden Pläne.

Einfacheres Bezahlen

Beim Einsatz von neuen Technologien im Detailhandel geht es aber nicht nur um die Identifikation beim Bezahlen oder um personalisierte Produktvorschläge. Sondern zum Beispiel auch darum, das Bezahlen schneller und einfacher zu gestalten.

Bezüglich Automatisierung geht der französische Sporthändler Decathlon schon einen Schritt weiter. Dort werden die Artikel in eine Box gelegt, und schon ist der Einkauf gescannt. Dies funktioniert über sogenannte RFID-Chips, die zum Beispiel an Kleidern angenäht sind.

Erstellt: 25.07.2019, 08:49 Uhr

Artikel zum Thema

Was Gesichtserkennung alles kann

Terrorabwehr und Handyentschlüsselung: Wie die neue Technologie unseren Alltag verändert und was Datenschützer dazu sagen. Mehr...

Coop und Migros verschlafen den neuen Food-Trend

Kommentar Die Detaillisten verpassen es, sich den veränderten Essgewohnheiten ihrer Kunden anzupassen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Wie kommt der Zucker aus der Rübe?

Zuckerrüben sind von Natur aus süss. Doch wie entsteht Schweizer Zucker aus und mit Schweizer Wurzeln?

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Die grosse Vorbereitung: Eine Woche vor Beginn des eidgenössischen Schwing- und Älplerfests in Zug wird ein Schwingplatz mit Sägemehl ausgelegt. (16. August 2019)
(Bild: Alexandra Wey) Mehr...