Mit dem Selfie zum Sparkonto

Bald können Schweizer ein Bankkonto im Internet eröffnen. Mehrere Geldinstitute planen bereits entsprechende Angebote. Sie setzen dabei auf das Smartphone.

So geht digitales Onbording: Schwinger Matthias Sempach macht es vor. Video: Finance 2.0./Twitter


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Rechnungen bezahlen, den Kontostand abrufen oder Aktien kaufen – über das Internet lassen sich Bankgeschäfte problemlos abwickeln. Nur eines war bislang nicht möglich: überhaupt erst Bankkunde werden. Dafür muss man einen regelrechten bürokratischen Hürdenlauf absolvieren. Unterlagen bestellen und ausfüllen, Unterschrift beglaubigen lassen, alles per Post verschicken und warten, bis die Verträge wieder zu Hause eintreffen, dann nochmals unter­schreiben, nochmals versenden, nochmals warten, bis die Bestätigung kommt.

Mit diesem Hürdenlauf soll bald Schluss sein. In wenigen Wochen werden Neukunden auch online ein Konto bei einer Schweizer Bank eröffnen können. Die Finanzmarktaufsicht (Finma) will die bisher starren Regeln lockern. Verschiedene Institute haben denn auch bereits eine Lösung vorbereitet. Einige setzen auf Videokonferenzen, andere auf Selfies. Sie warten nun auf das endgültige Okay der Aufsichtsbehörde. Denn die Banken wissen noch nicht genau, wie die neuen Regeln aussehen. Die Finma wird die konkreten Anforderungen für die Online-Kontoeröffnung in den kommenden Tagen veröffentlichen.

Stolperstein Vertrag

Andreas Kubli ist bei der UBS für die Digi­talisierung in der Schweiz verantwortlich. Eine Kontoeröffnung ist für ihn ein typischer Vorgang, der durch neue Technologien einfacher wird. «Bei der UBS soll es künftig möglich sein, in zwölf Minuten ein Konto online zu eröffnen», sagt Kubli. Einfach wird das nicht. Denn der Prozess stellt grosse Anforderungen an die Bank. Er muss für die Kunden einfach sein, sicher ablaufen und die Bank muss Vorschriften wie etwa die Geldwäschereinormen einhalten.

Dafür setzt die UBS auf eine besondere Smartphone-App. Der Kunde startet sie, wählt sein Produktpaket, gibt seine Angaben ein, dann startet er eine Video-Konferenz. Ein UBS-Mitarbeiter geht daraufhin mit dem Kunden den Sicherheits-­Check durch. Dazu muss der Kunde einen Ausweis bereithalten. Klappt alles, erhält er die Verträge per Mail. Hier hat die Neuerung noch einen Schönheitsfehler: Der Kunde muss die Verträge vorderhand selbst ausdrucken, unterschreiben und zurückschicken. Die gesetzlichen Vorgaben verlangen eine physische Unterschrift.

Die UBS will mit dem Angebot loslegen, sobald die Finma grünes Licht gibt. Für die Beratung per Video-Konferenz hat die Bank 30 Call-Center-Berater ausgebildet. Für sie ändert sich die Arbeit in einem entscheidenden Punkt. Da sie ihren Kunden nun via Video-Konferenz gegenüberstehen, müssen sie sich künftig wie ein Kundenberater in einer Filiale kleiden. Die Öffnungszeiten hingegen sind anders. Die Online-Berater sind wochentags von 7 bis 22 Uhr und am Samstag von 9 bis 17 Uhr erreichbar. Auf eine Schätzung, wie viele Neueröffnungen pro Jahr künftig im Netz ablaufen werden, will sich die UBS nicht einlassen.

Lächeln für das Bankkonto: Neukunden sollen sich künftig per Smartphone identifizieren können. Foto: Sander Koning (EPA, Keystone)

Auch Postfinance steht bereits in den Startlöchern. Die Bank plant, in naher Zukunft einen Online-Prozess anzubieten. Bereits vor der Ankündigung der Finma habe man mit Partnern begonnen, eine entsprechende Lösung zu entwickeln, so ein Sprecher. Wie genau der Prozess aussehen wird, gibt Postfinance nicht bekannt. Doch nicht nur die grösseren Anbieter sind an einem entsprechenden Projekt. Auch bei der Bank Linth, der UBS-Mitarbeiter Bank (siehe Box) und der Glarner Kantonalbank laufen entsprechende Vorbereitungen. Bald können sich auch dort Neukunden via Online-Identifikation am Smartphone oder am Computer bei der Bank identifizieren. Wie das funktionieren wird, lässt sich bereits bei der Liechtensteinischen Landesbank testen, wo schon heute online ein Konto eröffnet werden kann. Das gilt auch für Kunden aus der Schweiz, wenn sie ein Vermögen von mehr als 30'000 Franken anlegen.

Einen anderen Weg geht der junge Zürcher Online-Vermögensverwalter True Wealth. Statt eine Videokonferenz mit dem Callcenter abzuhalten, schickt der Kunde elektronisch Fotos von sich selber und von seinem Ausweis, und zwar mit seinem Smartphone. So ist er nicht an die Erreichbarkeit des Call­centers gebunden. Und ein Start-up wie True Wealth kann wesentlich leichter neue Kunden gewinnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2016, 19:45 Uhr

Gutes Geschäft

Swisscom und Co. wollen Banken beliefern

Ganz selbstständig entwickelt wurde die Lösung von der UBS nicht. Sie basiert auf der Technologie des deutschen Unternehmens ID Now. Diese kommt bereits bei niederländischen und deutschen Banken zum Einsatz, etwa beim Berliner Jungunternehmen Number 26. Die Onlinebank konnte laut eigenen Angaben in ihren ersten drei Geschäftsjahren über 100'000 Kunden gewinnen.

Offenbar bietet sich für Technologieanbieter in diesem Geschäft eine interessante Nische. Denn auch der Telecomkonzern Swisscom verfügt über eine Lösung für den Kontoeröffnungsprozess. Diese will das Unternehmen Schweizer Banken anbieten. Der Vorgang gleicht demjenigen der UBS. Die Swisscom-Lösung hat aber im Moment noch den Vorteil, dass die Verträge digital signiert werden können. Laut einem Swisscom-Sprecher sei das Interesse für das Angebot bei den Banken gross. Die Valiant Bank werde die erste Bank sein, die den Dienst ihren Kunden anbiete. Bereits in wenigen Wochen soll es so weit sein. Swisscom glaubt sogar, schneller als die UBS zu sein, und will ein Konto in 10 Minuten eröffnen können. (jb)

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