Diese Zürcher Wohngenossenschaft erhöht die Zinsen

Bei Wohnbaugenossenschaften lässt sich noch Rendite erzielen. Eine trotzt dem Tiefzinsumfeld und erhöht die Zinsen auf das Kapital ihrer Mitglieder sogar.

Kleinsparer willkommen: Siedlung der Gewobag-Wohngenossenschaft in Zürich-Altstetten. Foto: Dominique Meienberg

Kleinsparer willkommen: Siedlung der Gewobag-Wohngenossenschaft in Zürich-Altstetten. Foto: Dominique Meienberg

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Die Zinsen auf Sparkonten bei Banken sinken weiter, und das Tabu, die Guthaben von Privaten mit Negativzinsen zu belasten, wurde bereits gebrochen. Wer sein Geld auf dem Sparkonto vermehren will, braucht viel Geduld oder zahlt drauf.

Auf das Sparkonto der Zürcher Kantonalbank gibt es bis 250'000 Franken noch 0,01 Prozent Zinsen. Darüber hinaus ist die Verzinsung gleich null. Auch bei der Credit Suisse werden auf dem normalen Sparkonto Einlagen bis 250'000 Franken mit 0,01 Prozent verzinst. Bei der UBS gibt es 0 Prozent. Doch es gibt noch Möglichkeiten, sein Geld zu vermehren.

Bisher gilt eine Verzinsung von zwei Prozent ohne Einschränkung der Höhe der Kapitaleinlage.

Wer Mitglied einer Wohnbaugenossenschaft ist, profitiert von höheren Zinsen, als sie die Banken bieten: Über 2 Prozent auf Kapitaleinlagen und dazu noch bezahlbarer Wohnraum – in Zürich-Seebach, Altstetten oder Schwamendingen ist das möglich. Die Gewerkschaftliche Wohn- und Baugenossenschaft Gewobag im Kanton Zürich hat sogar beschlossen, ihre Zinssätze auf Einlagen ins Depositenkonto auf den ersten Januar 2020 zu staffeln – und teilweise zu erhöhen. Bisher gilt eine Verzinsung von zwei Prozent ohne Einschränkung der Höhe der Kapitaleinlage.

Ab Januar gibt es 2,25 statt 2 Prozent

Neu profitieren vor allem Genossenschafter, die bis zu 250'000 Franken Eigenkapital einzahlen. Dieses wird neu mit 2,25 Prozent verzinst. Auf Beträge zwischen 250'000 bis 750'000 Franken gibt es 2 Prozent Zinsen, darüber hinaus null.

Wie schafft es eine Wohngenossenschaft, ihre Zinssätze – zumindest teilweise –in Zeiten von Negativzinsen zu erhöhen? «Die Sparbeiträge auf den Depositenkonten liegen bei der Gewobag im Durchschnitt bei 25 Jahren», sagt Geschäftsführer Daniel Muff. Nur durch diese lange Anlagedauer sei es möglich, einen Zinssatz zwischen 2 und 2,25 Prozent anzubieten. «Wir wollen den Kleinsparern entgegenkommen, als Genossenschaft ist das unsere Aufgabe», sagt Muff. Gerade in Zeiten, in denen Privatkunden von den Banken mit Negativzinsen bestraft würden, sei eine solche Regelung sinnvoll.

Rund 2500 Wohnungen besitzen die Gewobag und ihre Mitglieder im Kanton Zürich. Das Einlagekapital in der Depositenkasse steigt: Von 49 Millionen Franken Ende 2013 auf 71 Millionen Ende 2018.

Bei anderen ist eine Erhöhung momentan kein Thema

Auch andere Wohngenossenschaften bieten ihren Mitgliedern eine gute Verzinsung. Doch im Vergleich der letzten Jahre ist diese tendenziell gesunken. So beispielsweise bei der Gesewo, der Genossenschaft für selbstverwaltetes Wohnen in Winterthur. Darlehen mit einer festen Laufzeit von fünf Jahren wurden bis 2017 mit 1 Prozent verzinst, über zehn Jahre gar mit 1,5 Prozent. Dann wurden die Sätze gesenkt. Heute gibt es für eine Laufzeit von über fünf Jahren 0,62 Prozent, für zehn Jahre 1,12 Prozent. «Eine Erhöhung der Zinssätze ist bei der Gesewo momentan kein Thema», heisst es auf Anfrage dieser Zeitung.

Andere grosse Wohngenossenschaften haben ihre Zinssätze nach unten angepasst.

Auch bei der grössten Baugenossenschaft der Schweiz, der Allgemeinen Baugenossenschaft Zürich, sinken die Zinsen, ebenso bei der Gemeinnützigen Baugenossenschaft Röntgenhof Zürich. Und die viertgrösste Schweizer Baugenossenschaft, die Abl Luzern, hat ihre Zinssätze ebenfalls nach unten angepasst. Denn Bauprojekte finanziere man durch Kredite von Banken oder institutionellen Anlegern wie Pensionskassen sowie den Mitteln aus der Depositenkasse. Um ein Gleichgewicht zwischen Depositenkasse und Kreditzahlungen beizubehalten, habe man sich zu einer Senkung der Zinssätze entschieden. «Die Anpassung erfolgte zudem auf die damalige Situation auf dem Kapitalmarkt», sagt Abl-Geschäftsleiter Martin Buob.

Genossenschaften bestimmen ihre Zinssätze selber

Ende 2018 betrug das Einlagekapital in der Depositenkasse der Abl über 190 Millionen Franken. «Genossenschaftlich wohnen ist attraktiv, wir verzeichnen seit zehn Jahren einen Anstieg unserer Mitgliederzahlen», sagt Buob.

Gemäss Zahlen des Bundesamts für Wohnungswesen gibt es in der Schweiz rund 185000 Wohnungen im Besitz von gemeinnützigen Bauträgern. Davon sind rund 162000 Genossenschaftswohnungen. Insgesamt schätzt der Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger, Wohnbaugenossenschaften Schweiz, die Zahl der Wohngenossenschaften auf an die 2000. Die Zinssätze auf Depositenkassen bestimmt jede Genossenschaft selber. Dabei orientieren sie sich meist an der allgemeinen Zinsentwicklung und der eigenen Finanzierungssituation. Somit können die Zinssätze variieren.

Erstellt: 19.11.2019, 21:26 Uhr

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