«Nach Biel pendeln ist besser, als den Job zu verlieren»

Die Stellenumlagerung nach Biel trifft ein gefährdetes Segment von UBS-Angestellten. Sie hätten kaum Alternativen, sagt der Präsident des Personalverbandes.

Besser einen Job in Biel als keinen mehr, findet der Präsident des Personalverbandes.

Besser einen Job in Biel als keinen mehr, findet der Präsident des Personalverbandes. Bild: Adrian Moser

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Herr Wyder, 600 Angestellten der UBS in Zürich steht ein Wechsel in ein neues Dienstleistungszentrum in Biel bevor. Was raten Sie ihnen?
Ich rate jedem, der ein Angebot für Biel oder auch für den neuen Standort in Schaffhausen erhält, dieses ernsthaft zu prüfen.

Weshalb so positiv?
Selbstverständlich ist der Entscheid für jeden Betroffenen schwierig. Aber das Positive überwiegt: Der Job bleibt in der Schweiz erhalten und wird nicht etwa nach Polen ausgelagert. Die UBS bekennt sich damit zum Standort Schweiz. Das Pendeln nach Biel oder Schaffhausen ist also die bessere Perspektive, als den Job zu verlieren. Kommt dazu, dass der Arbeitsmarkt für dieses Segment von Angestellten auch schon besser war.

Sprich: Es gibt für die Betroffenen kaum Alternativen?
Gerade die Angestellten mit mittleren Qualifikationen im Service-Dienstleistungs-Bereich sind im Rahmen der Digitalisierung auf dem Arbeitsmarkt grossen Umwälzungen unterworfen. Solche Jobs in der Schweiz sind rarer als noch vor fünf Jahren.

Das hiesse dann für viele Angestellte, täglich mehr als eine Stunde zu pendeln?
Für einige bestimmt. Da stellt sich sicher die Frage, wie viel Pendelzeit pro Woche zumutbar ist. Gleichzeitig sehe ich aber gerade in diesem Bereich auch eine Chance für vermehrtes Homeoffice. Für alle aus der Region Bern und Basel, die nach der Schliessung des Zahlungsverarbeitungszentrums in Bern 2011 nach Zürich gependelt sind, wird der Arbeitsweg nun kürzer. Die UBS setzt nach der Konzentrationsstrategie in den letzten zehn Jahren nun ja wieder auf Dezentralisierung.

Wird sich die UBS an zusätzlichen Fahrtkosten beteiligen?
Entstehen durch den Arbeitsortwechsel zusätzliche Fahrtkosten, dürfte das so sein. Jedoch nur für eine beschränkte Zeit.

Die UBS macht für den neuen Standort tiefere Kosten geltend, unter anderem bei den Löhnen. Die bisherigen Angestellten müssen also auch mit gravierenden Lohneinbussen rechnen?
Nein. Ich gehe davon aus, dass Angestellte, die bis anhin in Zürich gearbeitet haben und nun ein Angebot in Biel und Schaffhausen erhalten, zu den gleichen Konditionen wie bisher in Biel weiterbeschäftigt werden. Die UBS ist schliesslich ein seriöser Sozialpartner und hat unsere Vereinbarung über die Anstellungsbedingungen der Bankangestellten (VAB) mitunterzeichnet. Sollte es dennoch zu gravierenden Lohneinbussen kommen, wären wir klar nicht einverstanden und würden uns entsprechend zur Wehr setzen.

Trotzdem: Tiefere Löhne sind ein Hauptargument der UBS für den Standortwechsel. Dann geht doch die Rechnung der UBS nicht auf, oder?
Es ist nicht auszuschliessen, dass die UBS neue Angestellte an den Standorten Biel und Schaffhausen etwas tiefer entlöhnen wird, um Kosten zu sparen. Gesamthaft dürfte es aber nicht zu einem Lohngefälle kommen. Ein ähnliches Szenario wurde schon beim neuen UBS Business Solution Center in Schaffhausen befürchtet, ist aber bisher nicht eingetreten. Sparen kann die UBS zudem bei den Mietkosten.

Zusammengefasst: Der Wechsel bringt für die Angestellten wenig Probleme mit sich?
Die Gefahr, dass das Lohngefüge auseinanderbricht, besteht natürlich. Aber, wie gesagt, wir tun alles, um das zu verhindern.

Inwiefern hat sich der SBPV in der Sache schon für die UBS-Angestellten eingesetzt?
Wir stehen in ständigem Austausch mit der UBS und deren Personalkommission. Die Verantwortung liegt aber klar bei der UBS, und wir wissen, dass die Bank die betroffenen Angestellten umfassend über ihre Möglichkeiten informiert.

Und falls nicht?
Wenn sich unzufriedene Mitglieder bei uns melden, werden wir die Fälle sicher prüfen.

Führen Sie Buch darüber, wie viele Bankangestellte in ähnlichen Situationen jeweils den Standortwechsel mitgemacht haben?
Nein, dazu kann ich keine Aussagen machen. Aber erfahrungsgemäss machen viele Angestellte den Wechsel mit.

Erstellt: 31.05.2017, 15:27 Uhr

Peter-René Wyder ist Rechtsanwalt in Bern und seit 1998 Präsident des Schweizerischen Bankpersonalverbandes SBPV.

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