Neue Abgastricks: Schweiz wartet auf offizielle Messdaten

Das Bundesamt für Strassen schweigt, solange die deutschen Behörden keine Daten veröffentlichen. Die Autoindustrie sorgt wieder für Aufsehen.

Volkswagen soll wegen des Skandals 10 Milliarden Euro zurückstellen: Werk im sächsischen Zwickau. Foto: Mauritius Images

Volkswagen soll wegen des Skandals 10 Milliarden Euro zurückstellen: Werk im sächsischen Zwickau. Foto: Mauritius Images

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Welche Autohersteller tricksen sonst noch beim Schadstoffausstoss? Seit der Abgasskandal bei VW ans Licht kam, steht diese Frage im Raum. Bereits mehrfach sind andere Marken in den Verdacht geraten, sich ebenfalls un­lauterer Methoden zu bedienen, um bei den Messungen auf den Prüfständen besser abzuschneiden als im Normal­betrieb auf der Strasse.

Laut Informationen der «Süddeutschen Zeitung» und den TV-Sendern NDR und WDR hat das deutsche Kraftfahrtbundesamt (KBA) weitere Abgassünder in der Branche entdeckt. Von 50 getesteten Autos hätten viele die Grenzwerte beim Stickoxid um ein Vielfaches überschritten. Dies, weil die Hersteller – darunter BMW, Fiat, Ford, Mercedes, Opel, Peugeot, Renault und VW – ihre Vehikel so konstruierten, dass die Abgasreinigungsanlage bei tiefen Aussentemperaturen nicht arbeitet. Die Hersteller argumentieren, dass die EU-Norm eine solche Abschaltung der Abgasreinigung erlaube, um Motor­schäden vorzubeugen.

Beim Bundesamt für Strassen (Astra) beobachtet man diese jüngsten Entwicklungen in Deutschland aufmerksam. Mit dem Argument, dass das deutsche KBA noch keine offiziellen Messdaten veröffentlicht habe, hält sich das Astra jedoch mit einem klaren Positionsbezug zurück. Offen sei zudem, ob die betreffenden Hersteller die Werte im Hinblick auf den noch bis 2017 geltenden Messzyklus hin optimiert hätten, was erlaubt sei. Nur eine gezielte Manipulation und Verletzung der Vorschriften wäre illegal, erklärt ein Sprecher und verweist auf die bevorstehenden Änderungen bei der Norm: «Die Diskrepanz zwischen Prüfstandwert und realem Ausstoss auf der Strasse wird sich mit dem neuen, ab 2017 gültigen Mess- und Zulassungs­verfahren verringern.»

Einigung in den USA?

Einem Zeitungsbericht zufolge hat sich Volkswagen gestern mit dem US-Justizministerium und den amerikanischen Umweltbehörden EPA und CARB in der Abgasaffäre offenbar auf einen Vergleich geeinigt. Das Einigungspapier könne demnach heute Nachmittag dem zuständigen US-Richter Charles Breyer am Gericht in San Francisco präsentiert werden, berichtete die «Welt» vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise. Damit werde vermieden, dass Breyer im Zusammenhang mit dem Abgasskandal wie angedroht im Sommer einen Prozess eröffne.

Der Konzern verhandelt seit Monaten mit der Umweltbehörde EPA und deren kalifornischem Pendant CARB über die Reparatur oder den Rückkauf von rund 580'000 manipulierten Autos in den USA. Gestern veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters eine Meldung, wonach VW laut mehreren Insidern Rückstellungen von mindestens 10 Milliarden Euro bilden werde für die Bewältigung des Skandals. Bereits im dritten Quartal des letzten Jahres hatte VW 6,7 Milliarden Euro zurückgestellt.

Für noch mehr Schlagzeilen als VW sorgte gestern aber für einmal der japanische Autohersteller Mitsubishi. Nach Börsenschluss in Tokio gestand der Konzern offiziell ein, dass Angaben zum Treibstoffverbrauch bei 625'000 Fahrzeugen gefälscht worden seien. Wobei 468'000 der Autos im Auftrag der Marke Nissan produziert wurden. Laut der Schweizer Mitsubishi-Vertretung handelt es sich um Fahrzeuge, die für den asiatischen Markt produziert und nicht importiert wurden.

Erstellt: 21.04.2016, 01:25 Uhr

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