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Nobelpreis für Wirtschaft geht nach Frankreich

Jean Tirole erhält den Wirtschaftsnobelpreis 2014. Der Franzose hat aufgezeigt, wie mächtige Unternehmen gezähmt werden können.

Lehrt in Toulouse: Jean Tirole. (2. Juni 2008)
Lehrt in Toulouse: Jean Tirole. (2. Juni 2008)
AFP

Der Nobelpreis in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften geht in diesem Jahr an den Franzosen Jean Tirole. Es ist das erste Mal seit 15 Jahren, dass der Wirtschaftspreis nicht an einen US-Amerikaner geht. Tirole werde für seine «Analyse der Macht der Märkte und der Regulierung» ausgezeichnet, teilte die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Montag in Stockholm mit. Sie würdigte Tirole als «einen der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit».

Tirole widmet sich in seiner Forschung Oligopolen - Branchen, die nur von ein paar wenigen Unternehmen beherrscht werden. Blieben diese unreguliert, könne dies unnötig hohe Preise zur Folge haben, heisst es in der Begründung. Unproduktive Firmen könnten anderen den Zugang zum Markt versperren. Tiroles Arbeit habe grossen Einfluss darauf, wie Regierungen mit Fusionen oder Kartellen umgehen und wie sie Monopole regulieren sollten, erklärte die Akademie.

Der Franzose sei einer der einflussreichsten Ökonomen unserer Zeit, teilte das Preiskomitee mit. (Video: Reuters)

Der Franzose habe in einer Reihe von Publikationen «allgemeine Rahmenbedingungen für die Gestaltung einer solchen Politik präsentiert und sie auf etliche Industrien angewandt», unter anderen den Bankensektor. In einem Interview des Finanzmagazins «Les Echos» hatte Tirole 2012 gesagt, die Finanzkrise 2008 sei in erster Linie auf Fehler bei der Regulierung zurückzuführen.

Der 61-Jährige ist an der Toulouse School of Economics in Frankreich tätig. Über seine Auszeichnung sagte er am Montag, er sei «so bewegt». Tirole rechnete nach eigenen Worten nicht mit dem Nobelpreis. Die Auszeichnung sei für ihn «eine grosse Überraschung» gewesen. Die Auszeichnung werde keinen Wandel für ihn bringen. Er möge die Formen seiner Forschung und die Arbeit mit Freunden und Studenten.

Eine Ausnahmeerscheinung

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften wurde als letzter der diesjährigen Nobelpreise vergeben. Er ist eine Ausnahmeerscheinung: Anders als die traditionellen Nobelpreise geht die Auszeichnung nicht auf das Testament des Dynamiterfinders Alfred Nobel zurück. Sie heisst deshalb nicht offiziell Nobelpreis, sondern «Preis der Schwedischen Reichsbank für Wirtschaftswissenschaften zum Andenken an Alfred Nobel». Die Schwedische Reichsbank stiftete den Preis 1968. Ein Jahr später wurde er zum ersten Mal vergeben.

Die Wirtschaftssupermacht USA ist auch bei den Wirtschaftsnobelpreisen ein Schwergewicht. Von den bisherigen Preisträgern hatten mehr als 50 die amerikanische Staatsbürgerschaft.

In keiner anderen Disziplin gibt es weniger weibliche Preisträger. Bislang hat nur eine Frau den Wirtschaftspreis bekommen: die US-amerikanische Umweltökonomin Elinor Ostrom 2009.

Überreicht wird die mit 8 Millionen schwedischen Kronen (rund 1,1 Millionen Franken) dotierte Auszeichnung gemeinsam mit den traditionellen Nobelpreisen am 10. Dezember – dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.

sda/AFP/ldc

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