Nun auch Korruptionsvorwürfe gegen Banker Joseph Safra

Derzeit scheint kaum eine Person der wirtschaftlichen und politischen Elite Brasiliens nicht in einen Korruptionsfall verwickelt zu sein. Nun wird auch gegen den Banker Joseph Safra ermittelt, der unter anderem auch die Basler Bank Safra Sarasin kontrolliert.

Der medienscheue Joseph Safra ist ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten.

Der medienscheue Joseph Safra ist ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten. Bild: Lionel Cironneau /Keystone

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Brasilianische Staatsanwälte werfen Safra, der als reichster Banker der Welt gilt, nicht direkt Bestechung vor. Er soll aber Kenntnis davon gehabt haben, dass Manager seiner Banco Safra Bestechungsgelder in Höhe von 15,3 Millionen Reais (knapp 4,1 Millionen Franken) an staatliche Steuerprüfer zahlen wollten.

Die Ermittler berufen sich gemäss der Nachrichtenagentur Reuters auf Telefonate zwischen dem Banco-Safra-Manager Joao Inacio Puga und Mitarbeitern der Steuerbehörde. Joseph Safra sei an den Gesprächen nicht direkt beteiligt gewesen, Puga habe ihn allerdings davon in Kenntnis gesetzt, hiess es.

In einem Communiqué der Safra Group, das in der Nacht auf Freitag selbst in deutscher Sprache an die Medien verschickt worden ist, wurden die Anschuldigungen als «unbegründet» bezeichnet. Es habe bei keinem der Unternehmen der Gruppe ein Fehlverhalten gegeben.

Brasilien versinkt im Korruptionssumpf

Die Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft gegen Safra reihen sich ein in eine Reihe weiterer mutmasslicher Korruptionsfälle, die derzeit Brasilien erschüttern und insbesondere Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff heftig unter Druck setzen. Es läuft ein Amtsenthebungsverfahren gegen die Politikerin, und mit der Partei der demokratischen Bewegung (PMDB) hat die stärkste Kraft die Regierungskoalition aufgekündigt.

Der gewaltige Korruptionsskandal, den Brasilien derzeit erlebt, hängt hauptsächlich mit Auftragsvergaben des staatlich kontrollierten Ölkonzerns Petrobras zusammen. Seit zwei Jahren läuft die Operation «Lava Jato» (Autowäsche), bei der Ermittler ein Korruptionsnetz aufgedeckt haben. So sollen bei 89 Auftragsvergaben von Petrobras, etwa für den Bau von Raffinerien, Schmiergelder geflossen sein. Insgesamt wird gegen 57 Politiker verschiedener Parteien ermittelt.

Auch ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geriet Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva. Dieser wehrt sich gegen die Vorwürfe, ein Baukonzern habe ihn beim Bau einer Wohnung begünstigt.

Verschwiegene Familie

Die Vorwürfe gegen Safra haben mit der Petrobras-Affäre und der Regierungskrise nicht direkt zu tun – sie könnten aber Teil eines Bestechungsskandals rund um Steuerprüfungen sein, der laut Medienberichten noch viel weitere Kreise ziehen könnte, als dies die Petrobras-Korruptionsfälle taten. Ausserdem zeugen sie auch davon, wie verbreitet Korruption in dem südamerikanischen Land ist – was auch die Indices der Nichtregierungsorganisation Transparency International zeigen.

Joseph Safra gilt als einer der reichsten Brasilianer. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzt das Vermögen des 77-Jährigen auf rund 17,3 Milliarden Dollar. Er steht an der Spitze der weltweit tätigen Safra Group. In der Öffentlichkeit tritt die Familie praktisch nie in Erscheinung, sie gilt als ausgesprochen medienscheu. Ins Rampenlicht der Öffentlichkeit geriet sie, als 1999 Josephs Bruder Edmond in Monaco unter mysteriösen Umständen starb.

Londoner Gherkin gekauft

Zum Konzern gehört unter anderem auch die Basler Bank Sarasin. Diese hatte die brasilianische Bankengruppe vor rund vier Jahren gekauft und in Bank Safra Sarasin unbenannt. Bereits um die Jahrtausendwende herum hat die Safra-Familie die Zürcher Uto-Bank übernommen.

Wie gross der Konzern heute genau ist, lässt sich nicht genau eruieren: Auf den Internetseiten der Gruppe wie auch der wichtigsten Gesellschaften – darunter die Safra National Bank of New York – sind zum Konzern nur veraltete Angaben zu finden. Älteren Angaben zufolge hat die Gruppe deutlich über 100 Niederlassungen und Tochtergesellschaften in aller Welt und 6000 bis 8000 Mitarbeiter.

In den letzten Jahren in die Schlagzeilen gerückt ist Safra, als der Konzern 2014 für umgerechnet über 1 Milliarde Franken das Londoner Hochhaus Gherkin der Architekten Norman Forster kaufte. Dieses liess ursprünglich der Rückversicherer Swiss Re für sich bauen. Im selben Jahr hatte Safra zudem zusammen mit dem Safthersteller Cutrale den Bananenproduzenten Chiquita übernommen.

Erstellt: 01.04.2016, 12:02 Uhr

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