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Ökonom plädiert für faire Marktwirtschaft Von Frank van Bebber, dpa Gespräch

Frankfurt/Main Fairness statt purer Egoismus: Wirtschaftsforscher wie Ernst Fehr haben ihrer Disziplin die Bedeutung von Gerechtigkeit und Mitgefühl beigebracht.

Dafür erhielt Fehr den «Deutschen Fairnesspreis» - und riet Managern zum fairen Umgang mit Mitarbeitern. Auch nach der Finanzkrise ist der Ökonom Ernst Fehr überzeugt: Menschen werden nicht nur von der Gier getrieben, sondern auch vom Wunsch nach Fairness. «Die Wirtschaft besteht ja nicht nur aus dem Markt, sondern aus Menschen, die in Organisationen zusammenarbeiten - da hat es sehr viel Platz für Fairness», sagte Fehr der Nachrichtenagentur dpa. Der 54 Jahre alte Leiter des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich gehört zu jenen seiner Zunft, die das Bild von einem rein egoistisch handelnden Homo oeconomicus angekratzt haben. Am Samstag erhielt er für seine Arbeiten den «Deutschen Fairness Preis 2010» der Frankfurter Fairness-Stiftung. Faire Unternehmen erwünscht «Man kann nachweisen, dass die Menschen nicht nur egoistischen Motiven folgen», sagte Fehr. Viele verzichteten für Fairness sogar auf finanzielle Vorteile. Fehr warnt Manager: «Eine Unternehmensführung, die Fairnessgebote gegenüber Geschäftspartnern oder Arbeitnehmern verletzt, geht Risiken ein.» Belegschaften hätten ein Gespür für gerechte Löhne. Werde dies missachtet, leide die Arbeitsmoral. Lohnsenkungen würden als unfair empfunden, deshalb seien sie kaum durchsetzbar. Als Aussenseiter muss sich Fehr mit solchen Thesen nicht mehr fühlen. Die experimentellen Methoden der Forscher mit Anleihen aus der Psychologie seien akzeptiert, sagte der in Österreich geborene Fehr. Woher der Wunsch nach Fairness kommt, wissen Fehr und seine Kollegen noch nicht. Der Wirtschaftsforscher vermutet eine Mischung aus genetischer Veranlagung und kultureller Prägung. Klar ist dagegen, dass sich Unternehmen längst nach den neuen Erkenntnissen richten: Sie suchen teamfähige Mitarbeiter statt Egoisten. Im Gegenzug müssten aber auch die Unternehmen fair handeln, mahnte Fehr. «Sie bekommen keine freiwillige Kooperation, wenn sie nicht selbst bereit sind zu geben.»

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