Des Teufels Advokat

Der Genfer Anwalt Marc Bonnant betreibt Briefkastenfirmen und verteidigt korrupte Politiker. Kritik perlt an ihm ab.

«Mir ist alles recht»: Marc Bonnant in seinem Genfer Büro.

«Mir ist alles recht»: Marc Bonnant in seinem Genfer Büro. Bild: Salvatore Di Nolfi/Keystone

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Klassische Musik tropft aus dem Hörer, «Der Frühling» von Vivaldi, und man kann sich den Anwalt am anderen Ende der Leitung vorstellen vom letzten Besuch her, wie er in seinem Büro­sessel rekliniert, ein schmaler Mann mit dunklen Augen und weissem Haar, umgeben von Ölbildern und Folianten und dem Geruch von Geschichte, denn Maître Bonnard mag die Gegenwart nicht, sie ist ihm zu laut, zu ungebildet.

Der Anwalt nimmt ab, grüsst einen mit seinem dunklen Timbre und antwortet mit der aufreizenden Gelassenheit eines Juristen, der alles schon gesehen hat, mit allen geredet hat und ihren Gegnern noch dazu. Und dem nichts etwas anhaben kann, auch nicht die Enthüllungen aus Panama, obwohl er darin prominent vorkommt: Mindestens 136 Briefkastenfirmen betreibt der weitverzweigte Wirtschaftsanwalt dort, zu seinen Mandanten gehören mehrere afrikanische Kunden, die unter Korruptionsverdacht stehen.

«Nichts Unrechtmässiges»

«Selbstverständlich halte ich mich an die Forderungen des Geldwäschereigesetzes» sagt er, und «keine Kontrolle meiner Tätigkeit hat je etwas Unrechtmässiges ergeben». Dass die Linke die Lockerung des Anwaltsgeheimnisses verlangt, damit Anwälte schon einen Verdacht auf eine unrechtmässige Herkunft von Geldern vermelden müssen: Er nimmt es hin, es beeindruckt ihn nicht. «Mir ist alles recht», sagt er mit heiterer Ironie, «was das Ressentiment der Gesellschaft mindern hilft.» Die Linke verteile halt das Geld, das sie nicht zu schaffen imstande sei. Das trübt die Laune des Advokaten: dass ausgerechnet jene am meisten wütend sind, die am wenigsten Steuern zahlen; er nennt sie Parasiten.

Dass es in bestimmten Ländern Steuerparadiese gebe, sagt er weiter, hänge damit zusammen, dass andere in Steuerpurgatorien oder gar Steuerhöllen leben müssten. Der Hölle ins Paradies entkommen zu wollen, das sei doch mehr als verständlich. Maître Bonnant dürfte den Vergleich etwas vulgär finden, aber: Er ist der Liftboy der Steueroptimierer. So parliert und analogisiert und metaphorisiert und karessiert er in seinem gleissenden Parlando, und auch wenn man mit ihm überhaupt nicht einverstanden ist, hört man seinen Worten zu wie hypnotisiert. Marc Bonnant wurde von der französischen Ehrenlegion für die Verteidigung der französischen Sprache dekoriert, er gilt als einer der brillantesten Rhetoriker der Frankofonie, wird für seine argumentative Schärfe bewundert. Bonnant tritt auch im Theater auf, wo er Marie-Antoinette verteidigt, Jesus oder den Marquis de Sade.

Wem er seine Talente verkauft, damit hat er keine Skrupel. «Der Anwaltsberuf hat etwas Söldnerisches.» Das klinge unmoralisch, habe aber auch seine moralische Seite: Der Anwalt wisse nämlich, dass es keine Wahrheit gebe, sondern Wahrheiten – und über die liesse sich unendlich lang debattieren. Man glaubt ihm aufs Wort.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 08.04.2016, 10:57 Uhr

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