Die Offshore-Firma des isländischen Premiers

Sigmundur David Gunnlaugsson sieht sich mit Rücktrittsforderungen konfrontiert, weil er und seine Frau Geschäfte abwickelten, die es in sich haben.

Seine Frau sprach von einem «Fehler der Bank»: Islands Premier Gunnlaugsson am St. Gallen Symposium im Mai 2015. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Seine Frau sprach von einem «Fehler der Bank»: Islands Premier Gunnlaugsson am St. Gallen Symposium im Mai 2015. Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es steht nicht weniger als die Glaubwürdigkeit und die Integrität des isländischen Premierministers auf dem Spiel. Ende 2007 kaufte das Ehepaar Gunnlaugsson die Offshore-Firma Wintris. ­Gerichtsdokumente aus dem Datenleck beim Offshore-Provider Mossack Fonseca (MF) zeigen, dass Wintris Anleihen von mehreren Millionen Euro an den drei grössten isländischen Banken besass.

Die Banken gingen in der Finanzkrise 2008 unter. Wintris klagte danach auf Rückzahlung von umgerechnet rund 4 Millionen Dollar. Gemäss einer mit dem Fall vertrauten Quelle verkaufte Wintris einen Teil der Forderungen nach dem Crash an einen Investor. Ein Vorgang, den Gunnlaugsson als Politiker scharf verurteilte. Er bezeichnete ausländische Fonds, die solche Anleihen aufkauften, als «Geier».

Das abgebrochene Interview

Gunnlaugsson zog 2009 in das isländische Parlament ein und wurde 2013 zum jüngsten Premierminister in der Geschichte des Landes – ohne die Wintris offen zu legen. Erst das MF-Datenleck offenbarte die Verstrickung. Am 11. März konfrontierten Journalisten den Premier mit den Recherchen. Das Interview endete abrupt. Gunnlaugsson verliess den Raum mitten im Gespräch. Zuvor stritt er ab, jemals eine Offshore-Firma besessen zu haben.

Vier Tage nach dem abgebrochenen Interview veröffentlichte Gunnlaugssons Frau, Tochter eines reichen Unternehmers, auf Facebook ein Statement. Darin erklärte sie, sie habe die Wintris 2007 gründen lassen als Vehikel für Investitionen aus ihrem Familienvermögen. Es sei ein Fehler der Bank gewesen, ihren Mann als Miteigentümer der Wintris zu führen. Als man den Fehler 2009 entdeckt habe, sei sie zur alleinigen Eigentümerin der Wintris geworden.

Ob Gunnlaugsson das politische Erdbeben überstehen wird, das seit dem Facebook-Post Island erschüttert, bleibt abzuwarten. Für Montag ist in Reykjavik eine Demonstration gegen die Regierung angesagt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2016, 20:05 Uhr

Die Hintergründe zum grössten Datenleck aller Zeiten. Video: ICIJ

Die möglichen Folgen für die Schweiz. Video: Tagesanzeiger.ch/Newsnet

Artikel zum Thema

Panama Papers: Ein globales Netz für geheime Vermögen

Exklusiv Kriminelle und Kriegstreiber nutzen die Anonymität von Steueroasen genauso wie Staatschefs. Das zeigt die Analyse von 214'000 Offshorefirmen im Rahmen des Datenlecks Panama Papers. Mehr...

Ermittlungen gegen Fifa-Richter

Juan Pedro Damiani, Mitglied der Ethikkommission der Fifa, verwaltete Briefkastenfirmen von Angeklagten im Fifa-Korruptionsverfahren der USA. Mehr...

Die Finma schläft ganz offensichtlich

Kommentar Die Offshore-Industrie versteckt Gelder zweifelhafter Natur. Und auch Schweizer mischen mit. Jetzt muss Schluss sein mit Wegschauen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Festival vereint die verschiedenen Kulturen des Landes: Eine Frau singt und tanzt bei einem Strassenfest in Südafrika in einem traditionellen Kleid. (14. Dezember 2018)
(Bild: Rajesh JANTILAL) Mehr...