Die Warnung des Putin-Sprechers

Panama Papers: Die Enthüllung über Putins Geldspur ins Ausland ist in Russland ein Thema – ein Blick in die verschiedenen Medien.

Das kremlkritische Nachrichtenportal Meduza berichtet ausführlich über die Panama Papers und die Rolle von Putins Freund Sergei Roldugin (Mitte): Es kann es wagen, die Redaktion hat ihren Sitz im lettischen Riga. (Screenshot: Meduza.io)

Das kremlkritische Nachrichtenportal Meduza berichtet ausführlich über die Panama Papers und die Rolle von Putins Freund Sergei Roldugin (Mitte): Es kann es wagen, die Redaktion hat ihren Sitz im lettischen Riga. (Screenshot: Meduza.io)

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Die Nachrichten heute Morgen um 9 Uhr im staatlichen russischen Ersten Kanal, dem wichtigsten TV-Sender des Landes. Es sind etwa 12 Stunden vergangen, seit Nachrichtenseiten auf der ganzen Welt begonnen haben, über die Briefkastenfirmen in Panama von Politikern, Prominenten und Superreichen zu berichten. Im heutigen Newsgeschäft ist das eine Ewigkeit. Weltweit steht fast überall die Männerclique, die für sich und Russlands Präsidenten Wladimir Putin Milliarden ins Ausland geschafft haben soll, im Fokus der Berichterstattung. In den Morgennachrichten des Ersten Kanals werden die Enthüllungen jedoch mit keinem Wort erwähnt.

Ausländische Medienberichte zitiert die Nachrichtensendung sonst durchaus. Heute etwa folgt an zweiter Stelle ein Beitrag über die Geschichte der britischen «Sunday Times», wonach 150 britische Sportler systematisch gedopt worden sein sollen. Mit dem Hinweis der Moderatorin, dass sich das Interesse der Dopingermittler jetzt von Russland auf Grossbritannien verlagere.

Den Präsidenten mit keinem Wort erwähnt

Sind die Panama Papers in Russland selber also gar kein Thema? Durchaus, jedoch nur bei einem bestimmten Typ Medien – den kremlkritischen. Ob beim TV-Sender Doschd, dem Nachrichtenportal Meduza oder Radio Swoboda, Putin und die Briefkastenfirmen in Panama stehen heute Morgen klar an erster Stelle. Die «Nowaja Gaseta» war gar direkt an den Recherchen des Netzwerks von weltweit 109 verschiedenen Medien beteiligt.

Ganz anders das Bild bei den übrigen russischen Medien: Die Wirtschaftszeitung «Kommersant» hat am Morgen zwar eine Meldung zu den Panama Papers auf der Startseite ihres Nachrichtenportals platziert. Relativiert die Enthüllungen aber stark. Es fänden sich überhaupt keine direkten Beweise für Korruption – weder in Russland, der Ukraine, noch in anderen Ländern. Die Arbeit des Journalistennetzwerks sei «weniger beeindruckend» als frühere Recherchen.

«Russia Today», das englischsprachige vom Kreml finanzierte Medium, schafft es, in seiner Meldung Putin und Russland mit keinem Wort zu erwähnen. Das Konterfei des russischen Präsidenten erscheint nur auf einer Übersichtsgrafik, die «Russia Today» von der Website des Journalistennetzwerks kopiert hat. Das Massenblatt «Moskowski Komsomolez» bringt am Montagmorgen auf der Startseite seines Portals überhaupt nichts zu den Enthüllungen.

Kreml beantwortet Fragen nicht

Allerdings waren die russischen Medien im Vorfeld vom Kreml auch gewarnt worden. Putins Sprecher Dmitri Peskow erwähnte an einer Pressekonferenz letzte Woche eine organisierte Kampagne westlicher Journalisten. Das Journalistennetzwerk hatte zuvor die russische Führung mit Fragen zu seinen Rechercheergebnissen konfrontiert, jedoch keine Antwort erhalten. Gemäss Peskow war der Fragenkatalog im Stil eines Verhörs verfasst.

Peskow machte zudem letzte Woche deutlich, was die Berichterstattung über allfällige Enthüllungen für Konsequenzen haben könnte: Man werde sich aller juristischen Mittel bedienen, um den Präsidenten vor verleumderischen Anschuldigungen zu schützen.

Und als haltlosen Angriff auf den russischen Präsidenten sieht der Kreml die Recherchen zu den Panama Papers: Peskow teilte heute mit, «es sei offensichtlich, dass das Hauptziel solcher Attacken der Präsident ist». Die Stabilität Russlands solle vor den Parlamentswahlen im September beeinflusst werden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.04.2016, 12:03 Uhr

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