Geld scheffeln und keine Steuern zahlen

Mächtige und Reiche aus afrikanischen Staaten spielen in den Panama Papers eine prominente Rolle. Doch auch internationale Konzerne schaffen illegal viel Geld aus Afrika heraus.

Aliko Dangote, der reichste Mann Afrikas, unterhält ein weitläufiges Netz an Briefkastenfirmen. Foto: Benedicte Kurzen (Keystone)

Aliko Dangote, der reichste Mann Afrikas, unterhält ein weitläufiges Netz an Briefkastenfirmen. Foto: Benedicte Kurzen (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Man muss nicht lange suchen, um in den Panama-Papieren auf afrikanische Namen zu stossen. Da taucht zum Beispiel der in Korruptionsangelegenheiten allgegenwärtige Name Zuma auf: Clive Khulubuse Zuma, der beleibte Neffe des südafrikanischen Staatspräsidenten, tritt als Vertreter zweier auf den Britischen Virgin-Inseln registrierter Briefkastenfirmen in Erscheinung, denen im Jahr 2010 auf umstrittene Weise die Förderrechte für Erdölfelder im kongolesischen Albert-See zuerkannt wurden. Kurz vor der zweifelhaften Entscheidung war Präsident Jacob Zuma zu einem «Arbeitsbesuch» in die kongolesische Hauptstadt gereist.

In den 2,6 Terabytes der Panama-Papiere findet sich ausserdem der Name des reichsten Manns des Kontinents: Der Nigerianer Aliko Dangote pflegt seinen Wohlstand offenbar steuerfrei über mehrere Briefkastenfirmen auf den Seychellen zu vermehren. Dann taucht der jüngste Sohn des einst stramm sozialistischen namibischen Gründungspräsidenten Sam Nujoma auf: Zacky Nujoma soll gemeinsam mit dem verurteilten Mafioso Vito Palazzolo die Annehmlichkeiten ausländischer Steueroasen in Anspruch genommen haben.

Ferner werfen die Dokumente aus dem Büro des panamaischen Dienstleisters Mossack Fonseca Licht auf die dunklen Geschäfte der Zwillingsschwester des kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila, eines Sohns des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak sowie des nigerianischen Senatspräsidenten Bukola Saraki. Selbst der angesehene Name Annan fehlt nicht: Kojo Annan, Sohn des ehemaligen UNO-Generalsekretärs, hat über eine Briefkastenfirma ein Londoner Appartement für eine halbe Million Dollar erworben.

Standardprozedur der abgezweigten Milliarden war in der Region bislang, dass multinationale Unternehmen die institutionellen Schwächen der afrikanischen Staaten ausnützen, um so wenig Steuern wie möglich zu zahlen. Auch dafür findet sich in den Panama-Papieren ein typisches Beispiel: Heritage Oil and Gas Ltd, eine Tochter des US-Konzerns Heritage Oil, suchte die ugandische Steuer auf Kapitalerträge zu umgehen, indem sie ihren Sitz nach Mauritius verlegte. Der Schachzug sollte die Zahlung von mehr als 400 Millionen Dollar an den ugandischen Staat vermeiden.

Üblich ist auch die Praxis der Multis, durch falsche Rechnungen ihre Bilanzen zu manipulieren und ihre Gewinne zunächst auf Steueroasen zu leiten, um sie von dort aus wieder in das Land, wo die Gewinne erzeugt wurden, zurückzuüberweisen. Auf diese Weise können die Konzerne auch noch staatliche Vergünstigungen für «Neuinvestitionen» einstreichen. Nach Angaben des deutschen Entwicklungshilfeministers Gerd Müller «sparen» Multis allein in Afrika durch derartige Buchungs- und Steuertricks jährlich 100 Milliarden Dollar ein.

Welche Summen auf illegale Weise den Kontinent verlassen, ist unter Fachleuten umstritten. Ein unter Federführung des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki angefertigter Bericht geht von 50 Milliarden Dollar pro Jahr aus, die Pariser Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hält 150 Milliarden Dollar für wahrscheinlicher. In jedem Fall übersteigt der Aderlass die Summe, die als öffentliche Entwicklungshilfe auf den Kontinent fliesst: Sie beträgt deutlich weniger als 50 Milliarden Dollar im Jahr. Fast ein Drittel des in Afrika erwirtschafteten Kapitals wird inzwischen ausserhalb des Erdteils gehalten, vor allem in den Steueroasen: Fachleute schätzen die Summe auf 500 Milliarden Dollar. Und das in einem Kontinent, der neben Regen nichts nötiger als Neu­investitionen hat.

Immer mehr reiche Afrikaner

Was die Panama-Papiere ausserdem ans Licht bringen: dass die ausländischen Multis längst nicht mehr die einzigen Steuersünder sind. Die Zahl der reichen Afrikaner wird immer grösser: In den vergangenen 15 Jahren wuchs die Anzahl der Dollarmillionäre auf dem Kontinent doppelt so schnell wie im Rest der Welt.

Darüber könnte sich die Bevölkerung freuen, wenn die Eliten Steuern bezahlen würden. Doch die gut verdienenden Afrikaner drücken sich so erfolgreich wie niemand sonst vor dem Finanzamt. In Kenia haben nur 100 von 40'000 Reichen überhaupt eine Steuernummer, während dem südafrikanischen Staat offenbar fast 11 Milliarden Dollar an Steuereinnahmen entgehen, weil 114'000 Begüterte ihre Abgabe nicht zahlen. Sie können sich auf ihren skandalumwitterten Präsidenten berufen: «Wenn Krokodile tun und lassen können, was sie wollen», sagt ein ugandischer Rechercheur, «dann tun es auch die kleinen Fische.»

Die Kommissionspräsidentin der Afrikanischen Union, Nkosazana Dlamini-Zuma, forderte nach dem Bekanntwerden der Panama-Papiere, dass alle in ausländischen Banken gehaltenen afrikanischen Gelder auf den Kontinent zurücküberwiesen werden. Wesentlich aussichtsreicher und zukunftsweisender wäre indessen, die Steueroasen zu schliessen und die afrikanischen Steuerbehörden zu stärken: Auf diese Weise könnte der unheiligen Allianz zwischen afrikanischen Eliten und ausländischen Unternehmen Einhalt geboten werden.

Zumindest aber muss das von Panama und anderen Hochburgen der Steuerhinterziehung als heilig bezeichnete Recht der Geheimhaltung des individuellen Reichtums beseitigt werden, das ein tansanischer Wirtschaftswissenschaftler als «Schande für Afrika und die Staatsführung afrikanischer Länder» bezeichnet.

Erstellt: 28.04.2016, 18:31 Uhr

Steuerparadies Seychellen

Öl und Benzin für Assad

Afrika taucht in den Panama-Papieren nicht nur als Opfer verschwundener Milliarden auf. Bei den von Mossack Fonseca in Anspruch genommenen Steueroasen nehmen die aus 115 Inselchen bestehenden Seychellen im Indischen Ozean den vierten Platz ein, gleich hinter den Britischen Virgin-Inseln, Panama und den Bahamas.

Die wohl peinlichste Enthüllung betrifft drei auf den Seychellen registrierte syrische Firmen, die ungeachtet der amerikanischen Sanktionen für den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad Geschäfte tätigten. Während andere Firmen auf den Seychellen lediglich Geld verstecken, ging es diesen Unternehmen um ein tödliches Business: Sie lieferten den syrischen Streitkräften Erdöl oder sogar Flugzeugbenzin für den Krieg. Die drei Unternehmen zählten zur Abdulkarim-Gruppe, die eng mit russischen Firmen zusammenarbeitete, um den syrischen Kriegsfürsten mit Treibstoff zu versorgen. Erst vor neun Monaten trennte sich Mossack Fonseca von den Sanktionsbrechern, offensichtlich auf Druck Washingtons.

Die Briefkastenfirmen auf den Seychellen vermehrten sich von 650 im Jahr 1996 auf heute 160 000. Davon sollen sich ausser den drei syrischen mindestens vier weitere Unternehmen auf der Sanktionsliste der US-Regierung befinden. (jod)

Artikel zum Thema

Nun kommt auch Islands Präsident unter Druck

Der isländische Ministerpräsident trat bereits zurück, jetzt sollen auch dem Präsidenten Olafur Ragnar Grimsson Briefkastenfirmen nachgewiesen worden sein. Mehr...

Korruption ist bekämpfbar

Analyse Die Panama Papers bringen den pakistanischen Premierminister in Bedrängnis. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Buntes Treiben: Mit dem Schmutzigen Donnerstag hat auch die Luzerner Fasnacht begonnen. Am Fritschi-Umzug defilieren die prächtig kostümierten Gruppen und Guggen durch die Altstadt. (20. Februar 2020)
(Bild: Ronald Patrick/Getty Images) Mehr...