Panama Papers: Putin verteidigt seine Freunde

Russlands Präsident Wladimir Putin hält Berichte über versteckte Milliarden eines befreundeten Musikers für übertrieben.

«Welches Korruptionselement? Da gibt es nichts!»: Der russische Präsident Wladimir Putin am 7. April 2016 in St. Petersburg.

«Welches Korruptionselement? Da gibt es nichts!»: Der russische Präsident Wladimir Putin am 7. April 2016 in St. Petersburg. Bild: Keystone

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Russlands Präsident Wladimir Putin sieht in den enthüllten Briefkastenfirmen engster Vertrauter nichts Anrüchiges: «Welches Korruptionselement? Da gibt es nichts!», sagte er am Donnerstag bei einem Auftritt in St. Petersburg. Zudem machte er sich lustig darüber, dass in den Panama Papers sein eigener Name nicht auftauchte. «Sie durchkämmten diese Offshore-Konten. Ihr demütiger Diener ist nicht dabei. Worüber soll man noch sprechen?»

Das internationale Recherchenetzwerk ICIJ hatte am Sonntag Daten über 214.000 Briefkastenfirmen veröffentlicht, die von der Firma Mossack Fonseca auf Panama verwaltet werden oder wurden. Den Enthüllungen zufolge versteckte allein der Cellist und Jugendfreund Putins, Sergej Roldugin, mehr als zwei Milliarden Dollar in ausländischen Scheinfirmen.

«Stolz, dass ich solche Freunde habe»

Putin-Kritiker wähnen darin eine Spur zu einem versteckten Vermögen des Kreml-Chefs selbst. Putin hingegen suchte die Verdachtsmomente in seiner ersten eigenen Stellungnahme fortzuwischen. Roldugin sei ein «brillanter Musiker» und Philanthrop. Und er sei Minderheitsaktionär «einer unserer Firmen» - wohl mit Blick auf die Bank Rossija, an der Rodulgin Anteile hält.

Die Berichte über Roldugins versteckte Milliarden müssen laut Putin übertrieben sein. «Er verdient etwas Geld, aber natürlich nicht Milliarden Dollar, das ist Stuss.» Fast sein ganzes Geld gebe Roldugin aus, um im Ausland Musikinstrumente zu kaufen und staatlichen Musikeinrichtungen zu übergeben. «Ich bin stolz, dass ich solche Freunde habe», sagte er unter dem Beifall seiner Zuhörer.

Kreml vermutet CIA hinter Enthüllungen

Sein Sprecher Dmitri Peskow hatte am Montag dem US-Aussenministerium und dem Auslandsgeheimdienst CIA unterstellt, hinter den Enthüllungen zu stecken, um Russland gezielt zu «destabilisieren».

Am Mittwoch schrieb die Enthüllungsplattform WikiLeaks im Kurznachrichtendienst Twitter, die US-Regierung habe die «Angriffs-Story über Putin» über ihre Entwicklungshilfeorganisation USAID gesponsert. Das griff Putin am Donnerstag auf: «WikiLeaks hat uns jetzt die Tatsache gezeigt, dass US-Regierungsvertreter und offizielle US-Organe dahinter stehen». (kko/AFP)

Erstellt: 08.04.2016, 08:25 Uhr

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