Die Finma schläft ganz offensichtlich

Die Offshore-Industrie versteckt Gelder zweifelhafter Natur. Und auch Schweizer mischen mit. Jetzt muss Schluss sein mit Wegschauen.

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Als wir uns entschliessen mussten, ob wir bei der Recherche zu den Panama-Papieren mitmachen, stellten sich uns gewichtige Fragen. Warum sollen über hundert Medien weltweit Hunderte von Journalisten darauf ansetzen, eine riesige Datensammlung zu durchwühlen? Und das trotz knapper Ressourcen? Geht es nur darum, die Neugier der Journalisten und den Voyeurismus des Publikums zu befriedigen, oder darum, echte Missstände aufzudecken?

Wir sind zur Überzeugung gelangt, dass es sich um eine der wichtigsten Recherchen handelt, die es in den letzten Jahren gab. Nicht, weil es an und für sich anrüchig ist, Offshorefirmen zu gründen. Dazu gibt es für Leute mit grossen Vermögen gute, legale Gründe. Es gibt legitime praktische und steuerliche Motive, Vermögen in solchen Gesellschaften zu bündeln.

Aber die Panama Papers zeigen, dass unter dem Siegel der Verschwiegenheit eben nicht nur legale Geschäfte getätigt oder Steuern gespart, sondern auch grosse Vermögenswerte zweifelhafter Natur verschoben wurden. Zu denken gibt namentlich das Finanzgebaren von Wladimir Putins Entourage, also das Umfeld des zweitmächtigsten Mannes der Welt.

Schluss mit Wegschauen

Wie kann es sein, dass ein russischer Cellist plötzlich die Kontrolle über ein Milliardenvermögen erhält und von Kriegen Putins profitiert? Wie kann es sein, dass einer der Fifa-Saubermänner der Ethikkommission mit einem offensichtlich korrupten Funktionär geschäftet, über den sein Gremium richten muss? Und vor allem: Wie kann es sein, dass beim Schweizer Ableger der Gazprom-Bank die Regeln zur Entgegennahme von Geldern just zu dem Zeitpunkt, in dem die Sanktionen gegen Russland verhängt wurden, offenbar dermassen schlampig umgesetzt werden?

Das Bankgeheimnis ist gefallen, die Grossbanken haben viel gelernt in den letzten Jahren, die Schweiz hat eines der strengsten Geldwäschereigesetze der Welt. Noch nicht begriffen, dass sich die Zeiten geändert haben, haben die Finanzintermediäre, die noblen Anwaltskanzleien im Zürcher Finanzdistrikt und Auslandbanken mit Niederlassungen in der Schweiz. Da schläft die Finanzmarktaufsicht (Finma) ganz offensichtlich. Es wäre an der Zeit, dass sie ihren Auftrag wahrnimmt und die Stimme erhebt, statt wegzuschauen.

Erstellt: 03.04.2016, 19:55 Uhr

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