So baue ich mir eine Offshore-Tarnfirma

1986 erschien eine Anleitung der Bankiervereinigung, wie Tarnfirmen in Steueroasen zu errichten sind. Mafiajäger Paolo Bernasconi warnte schon 1991 vor Missbrauch.

Paolo Bernasconi an einer Medienkonferenz 2014 in Bern. Foto: Keystone

Paolo Bernasconi an einer Medienkonferenz 2014 in Bern. Foto: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was macht eine Steueroase aus? «Wie es das Wort schon andeutet, handelt es sich – vorerst etwas poetisch ausgedrückt – um einen milden und angenehmen Ort, fruchtbar und schattenspendend, der inmitten einer rauen, unfreundlichen Landschaft liegt, wo ringsum Steuern erhoben, eingetrieben und bezahlt werden». So beginnt das Kapitel über Briefkastenfirmen, unter Experten als Sitzgesellschaften bezeichnet, im Buch «Bankenrevision II», publiziert 1986 in der 2. Auflage.

Tagesanzeiger.ch/Newsnet erhielt eine Kopie des Buches zugespielt (hier einige Seiten daraus als PDF). Verfasst hat diesen Text der bekannte Schweizer Wirtschaftsanwalt Wolfgang Froriep. Herausgeber war die Bankiervereinigung und das Institut für Bankwirtschaft der Uni St. Gallen.

Das Buch sollte Bankenrevisoren helfen, zu verstehen, wie Banken damals im Auftrag von Kunden Geld in Steueroasen verstecken und ob sie dies ordnungsgemäss deklarieren. Im besten Fall ging es «nur» um Steuerhinterziehung in Millionenhöhe, im schlimmsten Fall um die Verschleierung von Erträgen aus Drogen-, Menschen- oder Waffenhandel. Bankenrevisoren sind in der Schweiz der verlängerte Arm der Finanzmarktaufsicht und sollten Unregelmässigkeiten, etwa die Nichteinhaltung von Geldwäschreinormen entdecken.

Eine komplizierte Struktur von Verträgen

Auf 50 Seiten beschreibt Froriep detailreich den Zweck, die Formen und Fallstricke eines Offshore-Konstrukts. Aus den Text geht hervor, warum es als Konstrukt bezeichnet wird: Eine komplizierte Struktur von Verträgen soll den wahren Eigentümer der Gelder verschleiern.

Ein Hauptelement sind Anwälte oder Treuhänder, die den Kunden geheimhalten. «Von der Bank aus gesehen ist der Mandant dann nicht erkennbar», schreibt der Autor. Als Motive dafür nennt er neben der «Steuervermeidung jeglicher Art» auch das «Unterlaufen von Boykottbestimmungen», «Scheu von Publizität, wie sie im Drogen- oder Waffenhandel auftritt» sowie unerlaubte Kapitalflucht aus Entwicklungsländern. Der Autor zählt 22 Oasen auf, von der Isle of Man bis Vanuatu.

Bernasconi warnte schon früh.

Der frühere Mafiajäger Paolo Bernasconi hat diese Konstrukte bereits 1969, als junger Staatsanwalt im Tessin, angeprangert. Auch später warnte er immer wieder vor dieser «Erscheinungsform der Geldwäscherei», so etwa als Lehrbeauftragter an der Uni St. Gallen 1991, im gleichnamigen Aufsatz der Schriftenreiche «Geldwäscherei und Sorgfaltspflicht» des Schweizerischen Anwaltsverbandes.

Prominent erschien auch sein Vortrag 1996, gehalten am Europa-Institut der Uni Zürich, mit dem Titel «Achtung Briefkastenfirmen» zuhanden von Revisoren, Staatsanwälten und Steuerfahndern.

Darin nannte er minutiös die Hauptzwecke von Offshore-Firmen. Sie dienten «der Verheimlichung von Identität oder Vermögen im Hinblick auf inländische und ausländische Strafermittlungen». Als Delikte nannte er die «Bestechung von Beamten und Politikern», «Korruption von Angestellten privater Unternehmen», Börsendelikte wie «Insidertrading, Kursmanipulationen und Verletzungen von Meldepflichten», Kartellvergehen und Veruntreuung von Geschäftsvermögen. Schon 1996 galt: «Banken dürfen ausländische Briefkastenfirmen nicht dazu missbrauchen, die Geldwäschereinormen der Bankenaufsicht zu umgehen».

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.05.2016, 20:29 Uhr

Artikel zum Thema

«Das war kollektiv organisierte Steuerhinterziehung»

Interview Der frühere Staatsanwalt Paolo Bernasconi sagt, dass Staat, Banken, Anwälte und Treuhänder jahrelang Offshorefirmen förderten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Blogs

Mamablog Deine Lehrstelle – meine Nerven!

Sweet Home Die Farbe, die allen gefällt

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Kühe soweit das Auge reicht: An der traditionellen Viehschau in Schwellbrunn. (25. September 2017)
(Bild: EPA/GIAN EHRENZELLER) Mehr...