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Vier legale Gründe für eine Briefkastenfirma

Sie sind selten, doch es gibt sie: Legitime Motive für die Gründung einer Briefkastenfirma.

Hier werden regelmässig Briefkastenfirmen eröffnet: Cayman Islands.
Hier werden regelmässig Briefkastenfirmen eröffnet: Cayman Islands.
AP/Brennan Linsley
Umstritten: Briefkastenfirmen sind legal, sofern das Motiv dahinter kein geltendes Gesetz verletzt.
Umstritten: Briefkastenfirmen sind legal, sofern das Motiv dahinter kein geltendes Gesetz verletzt.
Urs Flueeler, Keystone
Auch Panama City ist ein beliebter Ort für Briefkastenfirmen.
Auch Panama City ist ein beliebter Ort für Briefkastenfirmen.
AP/Arnulfo Franco
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Durch die Panama Papers sind sie wieder in den Fokus gerückt: Die Briefkastenfirmen. In Filmen und Kriminalromanen werden sie zumeist als Konstrukte dargestellt, die in erster Linie zur Vernebelung krimineller Machenschaften dienen. Zu Recht, wie die aktuellen Enthüllungen – nicht zum ersten Mal – eindrücklich darlegen.

So dubios die Machenschaften um die sogenannten Offshorekonstrukte auch sind: Sie sind legal, sofern das Motiv dahinter kein geltendes Gesetz verletzt. Gewisse Wirtschaftsvertreter oder Politiker werden nicht müde zu betonen, dass es für die Gründung von Briefkastenfirmen legitime oder gar hehre Motive gebe. «Es gibt legale Verwendungszwecke für die Konstrukte», sagt auch Geldwäschereiexperte Mark van Thiel zu Redaktion Tamedia. Drei wichtige Kriterien der Transparenz müssen seiner Meinung nach erfüllt werden: «Die Gelder dürfen nicht aus kriminellem Ursprung stammen, nicht für kriminelle Zwecke verwendet werden, und sie müssen korrekt versteuert werden.»

Eine Auswahl möglicher legaler Gründungszwecke.

  • Schutz des Geschäftsgeheimnisses: Ein bekannter Investor hat kein Interesse daran, dass sein Name hinter einem Firmenkauf steht. Würde seine Investition öffentlich verkündet, könnte dies den Aktienkurs der gekauften Gesellschaft in die Höhe schnellen lassen. Oder die Konkurrenz könnte dem Investor ungehindert in die Karten blicken. Im Sinne des Geschäftsgeheimnisses würde der Kauf der Anteile im Namen der Briefkastenfirma getätigt und der wahre Käufer später bekannt gegeben.
  • Für die Nachlassplanung: Privatpersonen können sich von einem Teil ihres Vermögens trennen, indem sie es in eine Briefkastenfirma verabschieden. «Sie verlieren damit den direkten Zugriff auf das Vermögen», sagt Geldwäschereiexperte Van Thiel. So können sie vor möglichen Erbschleichern verschleiern, wie gross ihr Vermögen tatsächlich ist. Die Person kann die Erbmasse so nach eigenen Wünschen aufteilen, ohne, dass dabei das übliche Erbrecht ins Spiel kommt. «Solange das verschobene Geld ordentlich im Heimatland versteuert wird, ist das legal», sagt Van Thiel.
  • Zur Steueroptimierung:«Lücken im Steuergesetz können legal ausgenutzt werden – auch wenn es aus moralischer Sicht zweifelhaft erscheint», sagVan Thiel. Grundsätzlich gelte es Einkünfte im Land zu versteuern, in dem sich der Wohnsitz befindet. Wenn jemand einen Teil seines Geldes auf Reisen im Ausland verdient – etwa mit einer Vortragsreise durch Europa – können diese Einkünfte in eine Briefkastenfirma auf einer Steuerparadiesinsel einbezahlt werden. Entsprechend erfolgt die Versteuerung am Sitz des Firmenkonstrukts. «Das Vorgehen setzt voraus, dass die Person die Verteilung ihrer Einkünfte in der Steuererklärung transparent darstellt», sagt Van Thiel.
  • Kein Transparenz-Interesse in der Ehe: Eine Privatperson will verhindern, dass die Partnerin oder der Partner weiss, wie vermögend sie ist. Vielleicht will sie ausschliessen, dass aus finanziellen Gründen geheiratet wird. Um bei einer allfälligen Scheidung günstiger wegzukommen, eignet sich die Vermögensverschiebung allerdings nicht: Findet der Ehepartner heraus, dass ein Teil des Vermögens verschleiert wird, kann er diesen für sich beanspruchen.

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