Wehklagen im Offshore-Paradies

Jetzt geht in Panama das Jammern los: Über Sündenböcke, loyale Medien und eine Petition gegen Rechercheure.

Richtete sich mit kämpferischen Worten ans eigene Volk: Panamas Präsident Juan Carlos Varela. (6. April 2016)

Richtete sich mit kämpferischen Worten ans eigene Volk: Panamas Präsident Juan Carlos Varela. (6. April 2016) Bild: Reuters

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Panama ist derzeit in aller Munde – im negativen Sinn. Die Enthüllungsberichte über illegale Geschäfte mit Briefkastenfirmen rücken das kleine mittelamerikanische Land in ein schiefes Licht. Es wird mit Korruption und Kriminalität in Verbindung gebracht und als Steueroase verunglimpft. Das alles passt den Panamaern selbst gar nicht. Sie fühlen sich zu Unrecht stigmatisiert, allen voran die Regierung.

Diese will zwar ein unabhängiges Expertenkomitee einsetzen, das Empfehlungen zur Erhöhung der Transparenz im Finanzsektor abgeben soll. In erster Linie beschwert sich die Regierung aber über die unfaire Behandlung, die ihr Land derzeit international erfährt. Präsident Juan Carlos Varela hat das Datenleck, das zum Skandal führte, als einen «Medienangriff» wohlhabender Staaten bezeichnet, die seiner Ansicht nach ihre eigenen Mängel ignorieren. Panama sei nicht der einzige Ort, der für solche Geschäfte verantwortlich sei und werde nun als «Sündenbock» missbraucht, liess die Regierung verlauten – eine Meinung, die viele im Land teilen.

«Panama ist kein Steuerparadies»

Die vorherrschende Reaktion auf die weltweiten Veröffentlichungen der sogenannten Panama Papers ist weniger Scham, sondern Empörung. Die einheimische Presse steht hinter den Aussagen der Regierung. «Panama ist kein Steuerparadies», titelt beispielsweise die Tageszeitung «La Estrella». Drei Viertel der Staatseinnahmen würden aus offiziellen Steuern stammen, die von in- und ausländischen Einwohnern im Land bezahlt werden, schreibt sie mit Verweis auf Aussagen aus Regierungskreisen. Auf Panama werde derzeit von allen Seiten eingeschlagen, so der «Newsroom Panama». Und ein Journalist der «Panama News» meint, es sei leicht aber unfair, Panama alleine für die Korruption der industrialisierten Welt verantwortlich zu machen.

Beschmutzt den Ruf des ganzen Landes: Die Anwaltskanzlei Mossack Fonseca. (Screenshot: «Newsroom Panama»)

Das Geschäftsgebaren der in Panama ansässigen Anwaltskanzlei Mossack Fonseca, die das Datenleck und die Enthüllungen zu verantworten hat, wird nur teilweise kritisiert. Vielmehr stösst den einheimischen Medien sauer auf, dass der Skandal international als Panama Papers bezeichnet wird. Dies sei ehrverletzend, schliesslich repräsentiere die Kanzlei nicht das ganze Land und bei den in den Skandal verwickelten Personen handle es sich zumeist nicht um panamaische Bürger, meint «La Estrella». Gemäss der Zeitung wäre «Die Papiere von Mossack Fonseca» der richtige Ausdruck für die Affäre gewesen.

Petition gegen den Ausdruck «Panama Papers»

Bürger Panamas sehen das Land ebenfalls verunglimpft. Auf einer Onlineplattform wurde eine Petition lanciert, die Journalisten auffordert, den Skandal nicht mehr als Panama Papers zu bezeichnen. «Das schadet dem Image unseres Landes und gibt eine falsche Vorstellung aller Bürger Panamas, die anständig arbeiten und die Gesetze achten», heisst es in der Begründung. Über 2500 Personen haben die Petition bereits unterzeichnet, die mit doppelt so vielen Unterschriften an das Internationale Konsortium Investigativer Journalisten (ICIJ) und Social-Media-Journalisten weltweit gesendet werden soll. «Ich bitte alle Panamaer, die ihr Land lieben, die Petition zu unterzeichnen», schreibt die Verfasserin.

Bildstrecke – die Milliarden-Jongleure von Panama:

Neben der Empörung über die negative Berichterstattung machen sich die Bürger auch Sorgen über die Folgen des Skandals. «Würde ich bei Fonseca Mossack arbeiten, würde ich mir schnell einen neuen Arbeitgeber suchen, denn diese Kanzlei hat keine Zukunft mehr», schreibt ein Leser in der Kommentarspalte von «La Estrella». Damit trifft er die Stimmung in der geschockten Finanzbranche, die schweren Schaden auf das Land zukommen sieht. Viele Sektoren der Volkswirtschaft seien besorgt über die Auswirkungen des Skandals, berichtet «La Estrella». Die Zeitung sieht Panama aber wie die Behörden auf dem richtigen Weg. Im vergangenen Jahr habe man neue Gesetze für Banken und Versicherungen erlassen. Zudem sei man nicht mehr auf der schwarzen oder grauen Liste der OECD vertreten, argumentiert die Regierung.

Erstellt: 07.04.2016, 17:14 Uhr

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