Das fragwürdige Angola-Mandat der SBB-Präsidentin

Monika Ribar verdiente gut an einem Bauprojekt des angolanischen Staatsfonds. Auch andere Schweizer Promis helfen dem Kopf dahinter.

100'000 Franken für ein paar Sitzungen: SBB-Präsidentin Monika Ribar. Foto: Dominique Meienberg

100'000 Franken für ein paar Sitzungen: SBB-Präsidentin Monika Ribar. Foto: Dominique Meienberg

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Autor: Christian Brönnimann

SBB-Präsidentin Monika Ribar hätte wissen können, auf wen sie sich im Frühjahr 2015 einliess. Schon damals kursierten kritische Artikel über Jean-Claude Bastos’ Nähe zum angolanischen Präsidentensohn und über fragwürdige Transaktionen des Staatsfonds (zur ganzen Geschichte). Und hätte sich Ribar mit der Verurteilung von Bastos auseinandergesetzt, hätte sie gemerkt, dass er 2011 nicht wie öffentlich behauptet hauptsächlich frei-, sondern in zwei von drei Anklagepunkten schuldig gesprochen wurde.

Doch Ribar, zu dieser Zeit schon Vizepräsidentin bei den SBB, entschied sich für das Engagement. Und trat im Mai 2015 in den Verwaltungsrat der Bastos-Firma Capoinvest Limited auf den Britischen Jungferninseln ein. Capoinvest steht hinter der Finanzierung eines grossen Hafenprojekts in der angolanischen Provinz Cabinda. Der Bau des Tiefseehafens wird teilweise vom angolanischen Staatsfonds ­finanziert, den Bastos verwaltet. Die ersten 20 Millionen Dollar flossen Ende 2014 zur Capoinvest. Davon gingen wenig später zwei Millionen direkt zu einer Firma von Bastos in der Schweiz, für Beratungsdienstleistungen. Anfang 2017 gab der Fonds bekannt, 180 Millionen in den Hafen zu investieren. Zudem erteilte der Staat Angola weitreichende Garantien für andere Investoren.

Trotzdem soll der Profit des Hafens dereinst zu grossen Teilen in Bastos’ Tasche fliessen. Ihm gehören laut eigenen Angaben nämlich 69 Prozent des Hafens. Er behauptet, er habe auch schon selbst 70 Millionen Franken für die Projektentwicklung aufgeworfen.

100'000 Dollar Jahresgehalt

Was also machte die SBB-Präsidentin bei diesem Projekt? «Frau Ribar hat die Capoinvest zum Set-up eines Hafenprojektes in Angola beraten, basierend auf ihrer Erfahrung in der Logistik und der Beratung», so die Antwort der SBB-Medienstelle. Noch vor der Übernahme des SBB-Präsidiums im Juni 2016 sei Ribar bei der Capoinvest wieder ausgetreten. So sei es von Anfang an geplant gewesen.

Nun sieht sich Ribar mit dem Vorwurf konfrontiert, sich in einer Offshorefirma für ein fragwürdiges Geschäft in einem heiklen Land wie Angola eingesetzt zu haben – und dafür gut entlöhnt worden zu sein. In einer E-Mail von Februar 2016 gibt ein Mitarbeiter von Bastos’ Family-Office nämlich die Anweisung, ein Dokument anzufertigen, das Ribar als «Platinum Member» von Capoinvest ein Jahresgehalt von 100'000 Dollar zusichert.

Hat Ribar diese Summe erhalten – und wenn ja, für welche Gegenleistung? Sie habe «an mehreren Sitzungen teilgenommen, davon an zwei in Angola vor Ort», schreibt Ribar – und «weist freundlich darauf hin», dass Capoinvest als ­private Firma Honorare nicht offenlegen müsse. Den Vorwurf, in ein zweifel­haftes Geschäft involviert gewesen zu sein, weist Ribar von sich. Sie habe vor Mandatsannahme «eine sorgfältige Prüfung durchgeführt» und sei «nach wie vor überzeugt von diesem Projekt».

Firma mit Ex-Chef der Deza

Monika Ribar ist nicht die einzige prominente Schweizerin, die Bastos gewinnen konnte. Im Beirat seiner Quantum-Global-Gruppe sitzt Alt-Bundesrätin Ruth Metzler. Sie schreibt, sie berate die Gruppe «bei regulatorischen Fragen mit einem Schweiz-Bezug und zu Governance Themen, welche für die Schweizer Gesellschaften von Relevanz sind».

Der frühere Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), Walter Fust, ist ebenfalls ein Geschäftspartner von Bastos. Die beiden gründeten 2012 eine Firma, mit der Fust Beratungen für Entwicklungsprojekte abwickelt. Zudem ist Fust Präsident der von Bastos ins Leben gerufenen Afrikanischen Innovationsstiftung mit Sitz in Zürich. Fust verliert kein schlechtes Wort über Bastos:

«Er hat in Afrika im Entwicklungsbereich mit seinem unternehmerischen Ansatz sehr viel bewegt.»Walter Fust

Die «Handelszeitung» nannte letzte Woche weitere prominente Weggefährten von Bastos, nämlich den Ex-UBS-Chef Marcel Rohner, Ex-Kuoni-Chef Armin Meier, Starwerber Frank Bodin und André Schneider, Ex-WEF-Geschäftsführer und Chef des Flughafens Genf.

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Präsident der vier Schweizer Quantum-Global-Firmen ist der bekannte Zuger Wirtschaftsanwalt Thomas Ladner, Mitbegründer des exklusiven «Club zum Rennweg». Er schreibt, Quantum Global habe einen ethischen Verhaltenskodex und halte sich an alle behördlichen Regularien. Der zweite prominente Verwaltungsrat ist Anwalt Martin Neese. Er sitzt unter anderem in der Kontaktgruppe Geldwäscherei des Bundes und ist Präsident des Vereins zur Qualitätssicherung von Finanzdienstleistungen (VQF). Das ist ausgerechnet die Selbstregulierungsorganisation, die Quantum Global in der Schweiz beaufsichtigt.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2017, 18:46 Uhr

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