Die Wunderwaffe von Glencore

Der Schweizer Rohstoffriese liess einen umstrittenen Geschäftsmann mit dem Kongo verhandeln. Dem Land entgingen Hunderte Millionen Dollar.

Heikle Geschäfte mit einem israelischen Geschäftsmann: Glencores Hauptsitz in Zug.

Heikle Geschäfte mit einem israelischen Geschäftsmann: Glencores Hauptsitz in Zug. Bild: Getty

Autoren: Oliver Zihlmann, Petra Blum

Das Foto zeigt einen afrikanischen Spitzenpolitiker im Krankenhemd. Er sitzt in einem Spitalsessel, hilflos wie eine Marionette. Schläuche winden sich in seine Venen, die Nase und an die Gurgel.

Das Bild ist ein wichtiges Puzzleteil in einem weltumspannenden Korruptionsskandal. Dank den Paradise Papers erreicht er jetzt die Schweiz. Tausende Verträge, E-Mails und Dokumente aus dem Datenleck legen die Spuren für diese Geschichte. Sie führen von den ­Minen Afrikas über Anwaltskanzleien in Bermuda zu einem Hotel in Zürich-Kloten und enden in Zug – dem Hauptsitz des Rohstoffriesen Glencore.

Einer der Hauptdarsteller ist der Patient auf dem Foto. Er heisst Katumba Mwanke. Bis zu seinem Tod 2012 war er der zweitmächtigste Mann der Demokratischen Republik Kongo, der Rohstoffkammer Afrikas. Er kontrollierte laut Experten einen der wenigen Reichtümer des armen Staates, die Lizenzen zur Bergung der immensen Bodenschätze.

Enge Freunde: Dan Gertler bei Katumba Mwanke im Spital. Foto: Facebook

Kupfer und Kobalt aus dem Kongo stecken in Millionen Smartphones. Die Metalle gelten als Grundlage der kommenden Elektromobil-Revolution. Die Abbaulizenzen sind Hunderte Millionen wert. Weil Katumba bei ihrer Vergabe an den Schalthebeln sass, galt er hinter dem Präsidenten als Nummer zwei. «Zusammen herrschen sie im Kongo», schrieb der «Economist». Im Volksmund hiess er Dieu-le-Père – Gottvater. Doch laut einem Verfahren in den USA hatte er ein dunkles Geheimnis.

Letztes Jahr bekannte sich die Tochterfirma eines US-Hedgefonds in einem Deal mit der Staatsanwaltschaft schuldig der Korruption. Ein Richter musste die Vereinbarung genehmigen. Darin steht unter anderem, dieser Katumba Mwanke habe Minen-Anteile im Kongo an einen «israelischen Geschäftsmann» verschoben. Dieser Israeli habe den Politiker über Jahre massiv bestochen, 22 Millionen Dollar seien geflossen.

In einer «Darstellung der Tatsachen», die Teil des Geständnisses ist, wird ­minutiös ausgeführt, dass dieser Israeli sogar Anwälte und Richter im Kongo bestochen habe, um ein Urteil zu seinen Gunsten zu erhalten.

«Ich stehe hier grad beim führenden Anwalt. Er will 500 für alle Beamten und 600 für drei Anwälte der Verteidigung», soll ein Gehilfe am 4. Juni 2008 per SMS an den Israeli geschrieben haben. Geld solle auch an Katumba Mwanke gehen. Darauf habe der israelische Geschäftsmann geantwortet, seine Gegner sollen, so wörtlich, «fertiggemacht und total erledigt werden».

Das Dokument nennt den Namen dieses Geschäftsmannes nicht, dafür erwähnt es eine Firma, die er kontrolliert. Diese gehört dem Familientrust des Israeli Dan Gertler, Grossinvestor in Afrika. Er ist der Mann, der Katumba auf dem Foto fürsorglich die Hand hält. Er ist auch seit zehn Jahren ein entscheidender Partner von Glencore im Kongo.

Gertler weist auf Anfrage jede Beschuldigung vehement zurück, jemals bestochen oder sonst wie illegal gehandelt zu haben. Er könne nicht bestätigen, dass er dieser Geschäftsmann sei, dementieren will er es aber auch nicht. Eine ganze Reihe von Angaben zum Geschäftsmann im US-Dokument stimmen exakt mit jenen Gertlers überein.

Ausschnitt aus dem US-Justizdokument. Das ganze Schuldeingeständnis finden Sie hier: Plea Agreement Cr. No. 16-515 (NGG)

Unabhängig davon schreiben Gertlers Anwälte, dieses Schuldeingeständnis sei keine verlässliche Quelle und kein Beweis gegen ihren Mandanten, da dieser nicht daran beteiligt gewesen sei und sich nie dazu habe äussern können. Seine Anwälte versichern gar, dass sich die US-Behörden dabei auf nachweislich falsche Angaben gestützt hätten. Darauf angesprochen, schrieb ein Sprecher der obersten US-Staatsanwaltschaft: «Das US-Justizministerium bleibt bei seinen Aussagen.» Fakt ist: Gertler ist weder angeklagt noch verurteilt. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Der Geschäftsmann bestätigte jedoch seine «lang anhaltende Freundschaft» mit dem Präsidenten des Kongo und auch mit Katumba, die beide aber rein persönlich seien. Katumba selbst schwärmte in seinen Memoiren von der «niemals endenden Grosszügigkeit» Gertlers, den er seinen «Zwillingsbruder» nennt. «Er hat eine Jacht gemietet, eine riesige Jacht, super», schreibt der Politiker über eine Einladung nach Israel. «Diese super-luxuriöse Kreuzfahrt war für mich ein surreales Erlebnis. Ich, der kleine Kongolese aus Pweto, ich schaute auf diese Welt mit grossen, erstaunten Augen.» Auf dem Spitalfoto neben Gertler hat er einen Katalog mit Luxusautos vor sich geöffnet.

Ein «Desaster» für den Kongo

Die Beziehung des Geschäftsmannes zu Politiker Katumba bringt nun die Chefetage des Schweizer Rohstoffriesen Glencore in Erklärungsnot.

Die Schweizer kamen bereits ab 2007 mit Gertler ins Geschäft. Der war schon damals kein unbeschriebenes Blatt. In einem UNO-Report aus dem Jahr 2001 zur «illegalen Ausbeutung der Ressourcen des Kongo» nannte Generalsekretär Kofi Annan die Deals mit Gertlers Firmen einen «Albtraum» und ein «Desaster» für den Kongo. Die Weltbank und das kongolesische Parlament schlugen 2005 Alarm, als ein Konsortium um Gertler Minenlizenzen erhielt – in einem Geheimdeal, ohne Ausschreibung und durch persönliche Kontakte. Dennoch unterschrieb der Präsident, Gertlers Freund, diesen Deal.

Gertler sagt, er habe beim UNO-Report keine Stellungnahme abgeben können, und die Londoner Börse habe die Geschäfte um die Minenlizenzen umfangreich geprüft.

Glencore vergab Darlehen an Gertlers Firmen im Wert von Hunderten Millionen Dollar. Die tauchen nun alle in den Paradise Papers auf. Doch die Daten aus dem Leck zeigen auch, dass dies bei weitem nicht die einzige Verbindung zwischen den beiden ist.

Der Problemlöser

Es ist über 28 Grad am Flughafen Zürich-Kloten an diesem Montagmittag, 23. Juni 2008. Vor den Drehtüren des Hilton Airport, einen Steinwurf neben der Flug­hafenautobahn, fahren die Taxis vor. Gegen 12.30 Uhr treffen sich zehn Männer in einem Sitzungszimmer des Hotels. Die Stimmung ist ernst.

Der Eingang zum Hilton-Hotel beim Flughafen Zürich. Foto: Keystone.

Es tagt der Verwaltungsrat der Firma Katanga, die zahlreiche Kupfer- und Kobaltminen im Kongo kontrolliert. Glencore wird die Firma im folgenden Jahr übernehmen. Im Moment hält sie acht Prozent, hat aber bereits spezielle Kon­trollrechte. Unter anderem bestimmen die Schweizer in den kommenden Monaten den neuen CEO aus ihren Reihen. Für Glencore sitzt Aristotelis Mistakidis in der Runde, ein langjähriger Weggefährte von Glencore-Chef Ivan Glasenberg.

Die Sitzungsprotokolle des Katanga-Rates befinden sich fast vollständig in den Paradise Papers. Nur dank ihnen ist nun bekannt, was die Männer jetzt besprechen. Gleich im ersten Traktandum hört der Verwaltungsrat beunruhigende Neuigkeiten. Der Kongo sperrt sich in zentralen Punkten bei den Verhandlungen um die Minenlizenzen von Katanga.

Seit Monaten herrscht Unruhe unter Investoren. Der kongolesische Staat hatte beschlossen, alle Verträge mit privaten Minenunternehmen neu zu verhandeln, auch jene mit Katanga. Glencore hatte bereits über 150 Millionen in die Mine investiert. Sollten diese Verhandlungen scheitern, stünde das ganze Investment auf dem Spiel.

Die Verwaltungsräte sind sich sofort einig, dass die Forderungen des Kongo «absolut unannehmbar» seien. Sie beschliessen, einen ihrer Aktionäre zu Hilfe zu rufen, der gute Beziehungen zur Staatsspitze hat: Dan Gertler.

Die Männer geben dem Geschäftsmann nun ein schriftliches Mandat für direkte Verhandlungen mit «kongolesischen Behörden». «Der Verwaltungsrat wird sich um mögliche Interessenkonflikte Gertlers kümmern», heisst es noch im Protokoll. Glencores Gesandter Mistakidis unterstützt dieses Mandat.

Ausschnitt aus dem Sitzungsprotokoll vom 23. Juni 2008.

Gertler schaltet sich in die Verhandlungen ein, und im Handumdrehen knickt der Kongo ein. Nach nur 17 Tagen sind die lästigen Forderungen der Afrikaner vom Tisch. Schon in der nächsten Verwaltungsratssitzung am 10. Juli 2008 überschlagen sich alle mit Lob für den Geschäftsmann.

«Dan Gertler hat sein Mandat sehr gut erfüllt, die Treffen der letzten zwei Tage waren extrem produktiv», heisst es. Das Ergebnis sei ein «sehr positives Resultat». Der Verwaltungsrat «drückt seine Dankbarkeit» aus an «Dan Gertler, dass er das geschafft hat». Gertler betont, er sei wegen seiner Erfahrung beauftragt worden, und streitet jegliche illegale Einflussnahme seinerseits ab.

Konfrontiert mit den Recherchen, bestätigt Glencore erstmals das Mandat an Gertler. Heikel ist es wegen der Vergangenheit Gertlers – und weil aufseiten des Kongo bei diesen Verhandlungen Gertlers «Zwillingsbruder» mitredete: Katumba Mwanke. Laut dem Geständnis im Hedgefonds-Fall aus den USA hat der «israelische Geschäftsmann» in den drei Monaten vor dieser Verhandlung insgesamt 18,5 Millionen Dollar an Schmiergeldern überwiesen – alles an Katumba Mwanke.

«Zu jener Zeit brauchte jede grössere Entscheidung zu Minenverträgen das Einverständnis von Katumba», sagt Elisabeth Caesens. Sie ist Kongo-Spezialistin der NGO Carter Center und veröffentlichte vor wenigen Tagen den ersten Teil ihres Buches über die staatliche kongolesische Minengesellschaft Gécamines, mit der Gertler damals verhandelte. «Katumba hatte mehr Macht über Gécamines als der Minister, der für den Staatsbetrieb zuständig war.»

Im Glencore Verhaltenskodex steht: «Jeder Umgang mit öffentlichen Bediensteten muss transparent sein, und wir müssen uns vor Umständen schützen, in denen schon nur der Eindruck entsteht, dass ein öffentlicher Angestellter dazu verleitet werden könnte, seine Arbeit nicht korrekt zu verrichten.»

Die nächste Krise

Wenige Monate nach der Intervention Gertlers zeigte sich, dass die Euphorie der Katanga-Führungsspitze verfrüht war. Inzwischen hatte ein langjähriger Finanzdirektor von Glencore als neuer CEO übernommen. An der Sitzung vom 13. Oktober musste er seinen Verwaltungsräten bereits von der nächsten Krise in den Verhandlungen mit dem Kongo berichten.

Die Afrikaner forderten 585 Millionen Dollar für den Zugang zu Katangas Lizenzen. Die Sitzungsteilnehmer sind sich sofort einig, dass man das nicht bezahlen wolle. Ihr Beschluss: Der neu installierte CEO soll zusammen mit Glencores Aristotelis Mistakidis und zwei anderen sofort «eine Diskussion mit Dan Gertler starten».

Erneut soll der Freund des Präsidenten einschreiten – unter anderem, weil der Preis zu hoch war. Am Schluss der Verhandlungen kosteten die Lizenzen statt der vom Kongo geforderten 585 noch 140 Millionen Dollar. Glencore und Gertler sagen, Katanga habe nach der Forderung lediglich auf einer Berechnungsweise bestanden, die schon Monate vorher vereinbart wurde.

Dokumente der staatlichen Minenfirma des Kongo zeigen aber, dass dieser Preis noch während der entscheidenden Verhandlungen im Herbst 2008 nicht feststand: «Die Parteien sind sich über diesen Punkt nicht einig», steht in Verhandlungsprotokollen.

Glencore betont auch, man habe damals einen Teil der Minen im Wert von 852 Millionen an den Kongo abgetreten. In den Protokollen von Katanga in den Paradise Papers steht aber, der reale Wert dieses Teils sei nur 285 Millionen. Und der Kongo muss diesen Betrag an Glencore und Katanga zurückzahlen.

Eine Mine von Katanga im Distrikt Kolwesi im Süden Kongos. Foto: Getty

Minen-Expertin Caesens sagt, dass Katanga und Glencore hier einen immensen Rabatt erhielten: «Katanga bezahlte für ihre Lizenzen pro Tonne viermal weniger, als praktisch alle anderen Investoren im Kupfersektor damals als Preis akzeptierten.» Der Kongo verzichtete jedenfalls auf Hunderte Millionen Dollar – eine Ersparnis, die später zu grossen Teilen Glencore zugute kam.

Weder die kongolesische Regierung noch die staatliche Minengesellschaft reagierten auf die Frage, warum diese Lizenzen, die für das Volk überlebenswichtig sind, plötzlich so billig waren.

Nur Wochen nachdem der Preis gedrückt war, lieh Glencore einer Firma von Gertler 45 Millionen Dollar für eine Beteiligung an Katanga. Dank dem Darlehen erhielt Gertler später Katanga-Aktien. Damit konnte er sich als Einziger neben Glencore eine grössere Beteiligung an Katanga sichern – und vom Preis­abschlag auf die Lizenzen profitieren.

Bereits 2007 «Red Flags»

In den Dokumenten zu diesem Darlehen, das über die Bermudas abgewickelt wurde, steht jedoch eine Klausel: Die 45 Millionen Dollar, die Gertlers Firma ihren Anteil an Katanga sichern, darf Glencore sofort zurückverlangen, sollten die Verhandlungen um die Verträge mit dem Kongo nicht «innerhalb von drei Monaten abgeschlossen sein».

Knapp drei Monate später, nach mehreren Interventionen Gertlers, vermerken die Katanga-Protokolle lapidar, die meisten Punkte mit dem Kongo seien nun «gelöst». Glencore und Gertler sagen, das Darlehen beruhe auf marktüblichen Bedingungen. Im Juli 2009 unterschrieb der Kongo die Verträge.


Glencore und der Kongo: Die ganze Geschichte im Video. Umsetzung: Irina Fehlmann, Lea Koch, Hannes von Wyl

Besteht die Gefahr für Glencore, wegen Gertler in einen Korruptionsfall verwickelt zu werden? Klar ist: Schweizer Unternehmen müssen aufpassen, wen sie für ihre Geschäfte einspannen.

«Nach Schweizer Recht macht sich strafbar, wer jemandem für eine ­Bestechung Vermögenswerte zur Ver­fügung stellt – selbst wenn er keinen ­direkten Auftrag dafür gibt», sagt David Zollinger, ehemaliger Staatsanwalt und Experte für Wirtschaftsstrafrecht. «Für eine Verurteilung kann es bereits ausreichen, wenn eine Firma davon ausgehen musste, dass ihr Geld voraussichtlich für Korruptionszahlungen missbraucht werden könnte.»

Die Frage ist also, ob Glencore ein Korruptionsrisiko missachtet hat. Der Konzern äussert sich auf Anfrage dazu nicht. Strafrechtsprofessor Mark Pieth hat das Geschäft von Glencore mit Gertler studiert. Sein Verdikt ist eindeutig: «Bereits 2007 gab es ‹Red Flags›, die es jedem Schweizer Unternehmen unmöglich machten, mit Dan Gertler eine Geschäftsbeziehung einzugehen.» Der Kongo sei an sich schon ein Hoch­risikogebiet. Komme ein Partner mit einer solchen Vergangenheit hinzu, der auch noch staatliche Lizenzen erhielt, sei das Korruptionsrisiko schlicht viel zu hoch.

«Ich sehe nur zwei Möglichkeiten», sagt Pieth, «entweder hat Glencore keine professionelle Prüfung von Dan Gertler gemacht, oder sie wussten sehr genau, dass es ein Korruptionsrisiko gab, und haben es bewusst in Kauf genommen.»

Zu einem ähnlichen Schluss kamen auch die Staatsanwälte im Fall des US-Hedgefonds. Der habe genau gewusst, dass der «israelische Geschäftsmann» auf zahlreichen Warnlisten für Investoren stand. In ihrem Geständnis zitiert der Hedgefonds einen seiner Mitarbeiter, der in einer Mail über den Israeli schrieb: «Er ist wohl das Vorbild für den Film ‹Blutdiamant›».

Gewaltexzesse im Kongo

Glencore hielt ihre Partnerschaft mit Gertler über zehn Jahre aufrecht. Im Mai 2013 rechnete der spätere CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, zusammen mit Kofi Annan und anderen Wirtschaftsführern in einer detaillierten Studie vor, wie der Kongo allein in fünf Deals mit Offshorefirmen, die in Verbindung standen mit Dan Gertler, 1,3 Milliarden Dollar verlor. Gertler bestreitet dies vehement und sagt, seine Firma sei dazu nicht angehört worden. Die Experten schrieben, der Verlust des Kongo sei «fast doppelt so viel, wie das gesamte Budget für Gesundheit und Erziehung des Kongo im Jahr 2012».

Viele umstrittene Deals im Kongo: Gertler bei einer Mine in der Katanga-Provinz. Foto: Getty

Gertler ist heute laut «Forbes» Milliardär. Auch Glencore-Spitzenmanager wie Aristotelis Mistakidis oder Ivan Glasenberg sind laut Presseberichten Milliardäre. Sie alle haben im Geschäft mit den Rohstoffen gewonnen. Der Kongo hat verloren. In dem Land, das bei den Lizenzen auf Geld verzichtete, herrscht «eine der schlimmsten Unterernährungen auf der ganzen Welt und die sechst­höchste Kindersterblichkeit», schreiben Thiam und Co.

Noch heute hat die Misswirtschaft verheerende Auswirkungen. Am 23. Juni 2017 schlug die Spitze der katholischen Kirche des Kongo Alarm. Innert neun Monaten wurden 31 Kirchenspitäler geplündert, 141 katholische Schulen zerstört, 60 Kirchen geschändet. Man habe 30 Massengräber gefunden, 3380 Opfer fielen Massakern zum Opfer.

Doch die Bischöfe und Erzbischöfe liessen es nicht bei Klagen bewenden. In einem dramatischen Appell schreiben sie erstmals klar, wo die Ursachen der Gewaltexzesse liegen. Es gebe eine massive Wirtschaftskrise, die «Explosion der Jugendarbeitslosigkeit» treibe die Jugendlichen schliesslich in die Arme der brutalen Milizen. Und diese Wirtschaftskrise, so die Bischöfe, habe eine Ursache: Korruption.

«Eine Gruppe unserer Landsleute missbraucht ganz offensichtlich ihre Macht», steht im Appell der Kirche. «Sie streicht sich selbst enorme Gewinne ein – auf Kosten des Wohlergehens aller anderen.»

Im Februar dieses Jahres, nach dem US-Schuldeingeständnis, verkündete Glencore, dass sie Gertler aus ihren ­Minen in Afrika auskaufen – auch seine Beteiligung an Katanga. Der israelische Geschäftsmann erhielt noch einmal Geld von den Schweizern. Insgesamt 534 Millionen Dollar.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.11.2017, 18:45 Uhr

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