Paradise Papers: 300 Millionen auf Bastos’ Firmenkonten eingefroren

Mauritius entzieht dem Schweiz-Angolaner Jean-Claude Bastos Geschäftslizenzen und sperrt Dutzende Bankkonten. Betroffen ist auch eine Firma, in der SBB-Präsidentin Monika Ribar sass.

Will stets zum Wohle Angolas gehandelt haben: Jean-Claude Bastos. Foto: Anita Baumann

Will stets zum Wohle Angolas gehandelt haben: Jean-Claude Bastos. Foto: Anita Baumann

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Die schlechte Nachricht erreichte Jean-Claude Bastos wohl auf Mallorca oder Ibiza. Dort wurde sein Privatjet letztes Wochenende geortet, als in einem anderen Inselparadies, Tausende Kilometer entfernt, eine Welt zusammenbrach: Ein mauritischer Richter entschied am Samstag, 25 Bankkonten aus Bastos’ Imperium einzufrieren. Inzwischen hat ein zweiter Richter nachgelegt und weitere 33 Konten gesperrt. Gemäss einer Quelle nahe dem mauritischen Finanzminister und Medienberichten befinden sich auf den Konten umgerechnet rund 300 Millionen Dollar. Grund für die Sperrung sei der Verdacht auf Geldwäsche und Unterschlagung von Staatsgeldern.

Ebenfalls am Wochenende entschied die mauritische Finanzmarktbehörde, die Geschäftslizenz der sieben Investmentfonds aufzuheben, die Bastos’ Firma Quantum Global in Mauritius führt. Er hatte sie gegründet, um darin 3 Milliarden Dollar aus dem Vermögen des Staatsfonds Angolas zu parkieren, den Quantum Global verwaltet.

Recherchen in den Paradise Papers zeigten letzten November auf, wie die Verwaltung des Staatsfonds abläuft – und wie Bastos dabei selber stark profitiert. Einerseits kassiert er sehr hohe Managementgebühren von 60 bis 70 Millionen Dollar pro Jahr. Andererseits investiert er das angolanische Staatsgeld in Projekte, die ihm selber gehören. Das grösste ist der Bau eines neuen Handelshafens in Angola. In dieses Projekt war SBB-Präsidentin Monika Ribar involviert. Sie war bis Juni 2016 Verwaltungsrätin von Bastos’ Briefkastenfirma Capoinvest Limited, über welche die Finanzierung des Hafens läuft.

Fünf Paradise-Papers-Konten

Dieser Zeitung liegt der erste mauritische Richterentscheid zu den Kontosperrungen vor. Ein Abgleich der Kontonummern mit den Dokumenten aus den Paradise Papers beweist: Eines der nun eingefrorenen Konten ist das der Capoinvest. Das heisst übersetzt: SBB-Präsidentin Ribar war mitverantwortlich für eine Firma, gegen die nun Mauritius rechtlich vorgeht. Sollte sich der Vorwurf der Geldwäsche erhärten, hätte Ribar in einem Projekt mitgeholfen, in das illegale Gelder geflossen sind.

Bislang hat Ribar ihre Vergangenheit mit Bastos und das Mandat durch alle Böden verteidigt. «Ich bin nach wie vor überzeugt von diesem Projekt und dass der Bau des Hafens eine gute Sache ist», sagte sie im November. Inzwischen äussert sie sich nicht mehr dazu. «Frau Ribar hat zu ihrem Engagement sämtliche Fakten bereits kommuniziert. Weitere Aussagen macht Frau Ribar deshalb nicht», liess ihre persönliche Assistentin bei den SBB gestern verlauten.

In den Paradise Papers tauchen vier weitere der nun eingefrorenen Bankkonten auf. Darunter ist ein Konto des grössten der sieben mauritischen Investmentfonds, von dem mehrere Dutzend Millionen Dollar Managementgebühren zu Bastos geflossen sind. Neue Dokumente aus den Paradise Papers zeigen zudem, dass zumindest zwei der Investmentfonds die Bedingungen der mauritischen Finanzmarktbehörde von Anfang an nicht erfüllt haben. Die Behörde verlangte bei der Gründung der Fonds nämlich, dass neben den Milliarden des Staatsfonds Angolas weitere Gelder eingezahlt werden müssten. Doch Bastos hat bis heute keine zusätzlichen Investoren gefunden. Schon im Januar 2016 schrieb ein Mitarbeiter der Prüfgesellschaft KPMG in einer E-Mail, dass deswegen der Fortbestand der Investmentfonds gefährdet sein könnte. Bastos sagte in einer früheren Stellungnahme, es sei schon immer geplant gewesen, erst zu einem späteren Zeitpunkt weitere Investoren an Bord zu holen.

Unter dem neuen Präsidenten geht die angolanische Justiz gegen einige der Günstlinge der letzten Regierung vor. 

Dass nun Mauritius fünf Monate nach den Paradise Papers gehandelt hat, ist wohl einem Besuch hochrangiger Vertreter Angolas geschuldet. Gemäss dem mauritischen Insider und übereinstimmenden Medienberichten fand das Treffen letzte Woche auf Mauritius statt.

Der Hintergrund: Seit dem Präsidentenwechsel vergangenen September in Angola geht die angolanische Justiz gegen einige der Günstlinge der letzten Regierung vor. Kürzlich kam auch José Filomeno dos Santos, Sohn des ehemaligen Langzeitpräsidenten José Eduardo dos Santos, ins Visier. Er ist ein enger Vertrauter von Bastos – und wurde im Januar als Chef des Staatsfonds abgesetzt. Inzwischen ermittelt die angolanische Justiz gegen den Ex-Präsidentensohn wegen einer Überweisung von 500 Millionen Dollar nach London. Er darf das Land nicht mehr verlassen.

Schweiz ermittelt bislang nicht

Die Schweiz hat bislang kein Rechtshilfeersuchen erhalten, wie das Bundesamt für Justiz auf Anfrage mitteilte. Bastos führt auch hierzulande Konten. Die Paradise Papers offenbarten, wie er sich aus den Managementgebühren des Staatsfonds Dividenden auf ein geheimes Konto bei der Tessiner Bank BSI überweisen liess. Allein 2014 und 2015 waren es 41 Millionen Dollar.

Jean-Claude Bastos gab in früheren Äusserungen an, immer zum Wohle Angolas gehandelt und den Staatsfonds im besten Wissen und Gewissen verwaltet zu haben. Vorwürfe der Intransparenz oder Vetternwirtschaft stritt er kategorisch ab. Seine Firma Quantum Global reagierte mit einem Communiqué auf die Entwicklungen in Mauritius. Darin steht, man sei zuversichtlich, den Behörden die nötigen Zusicherungen abgeben zu können, um die Investmentaktivitäten fortführen zu können. Quantum Global habe alle Gelder gemäss anerkannten Investmentpolicies verwaltet und sich an die Gesetze aller Länder gehalten, wo man operiere. Auf Nachfrage fügte Bastos via seinen Sprecher an, Quantum Global sei von den mauritischen Behörden noch nicht über spezifische Beschuldigungen informiert worden und es sei deshalb schwierig, sich dagegen zu wehren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.04.2018, 21:04 Uhr

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Monika Ribar

SBB-Präsidentin

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