Paradise Papers: USA bitten die Schweiz um Rechtshilfe

Die Amerikaner ermitteln gegen den Ex-Partner von Glencore wegen Korruption – Gelder seien über die Schweiz geflossen.

Glencore und der Kongo: Die ganze Geschichte im Video. Umsetzung: Irina Fehlmann, Lea Koch, Hannes von Wyl

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Die Paradiese Papers enthüllten, dass der Zuger Rohstoffriese Glencore den umstrittenen israelischen Geschäftsmann Dan Gertler in der Demokratischen Republik Kongo um Minenlizenzen verhandeln liess. Gertler ist ein Freund des kongolesischen Präsidenten. Nach seiner Intervention waren die Lizenzen plötzlich Hunderte Millionen Dollar billiger für Glencore.

Jetzt bestätigt das Bundesamt für Justiz, dass es bereits 2016 ein Rechtshilfeersuchen aus den USA erhalten hat. Es betrifft «Dan Gertler und weitere Personen». Das Bundesamt hat daraufhin die «Erhebung der Bankunterlagen verschiedener Gesellschaften angeordnet».

Dank einem Entscheid des Bundesstrafgerichts in dieser Sache ist nun auch erstmals bekannt, dass die USA bereits seit Jahren gegen den Israeli wegen Korruption ermitteln.

In dieser Mine kann die Glencore-Firma Katanga zu Tiefstpreisen Kupfer und Kobalt schürfen. Foto: Bloomberg, Getty Images

In seinem Rechtshilfebegehren an die Schweiz schreibt der US-Staatsanwalt, er habe Beweise gesichert, die zeigten, dass Zahlungen von Gertler in der Demokratischen Republik Kongo auch Bestechungsgelder für hohe Regierungsbeamte enthielten. Im Gegenzug habe Gertler günstige Minenlizenzen erhalten. Diese Zahlungen seien teilweise als Bargelder geflossen, teilweise in Form von Gütern, darunter auch Luxusgüter und «persönliche, extravagante Reisen». Gertler und andere hätten diese Wohltaten an mindestens drei kongolesische Beamte verteilt.

Verschiedene umstrittene Geldflüsse seien auch über die Schweiz gelaufen, sagen die US-Ermittler weiter. Sie beschreiben in ihrem Rechtshilfebegehren zum Beispiel eine verdächtige Zahlung von über 25 Millionen Dollar über eine Bank in Zürich. Nun verlangen die US-Ermittler Einsicht in eine Reihe von Konten. Sie gehören Firmen, die angeblich mit Gertler in Verbindung stehen.

Gertler hat stets jede Korruption bestritten. Der Genfer Anwalt Marc Bonnant legte Einspruch ein gegen die Herausgabe der Kontodaten. Das Bundesstrafgericht lehnte diesen aber ab. Es gehe hier um schwere Straftaten, schreiben die Richter. Und die Schweiz habe sich verpflichtet, bei Verdacht auf schwere Korruptionsdelikte die breitest mögliche Rechtshilfe zu leisten. Es sei ferner klar, dass es eine Verbindung gebe zwischen den Ermittlungen in den USA und den angeforderten Kontodaten.

«Die Amerikaner werden keine illegalen Aktivitäten von Herrn Gertler finden können.»

Marc Bonnant, Anwalt 

Das Bundesamt für Justiz bestätigt inzwischen, dass es einen Teil der Bankunterlagen bereits an die US-Behörden übergeben habe.

Laut Anwalt Bonnant habe inzwischen auch das britische Betrugsdezernat SFO die Schweiz um Rechtshilfe ersucht. Gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg ermitteln die Briten ebenfalls gegen Gertler.

Anwalt Bonnant freut sich auf die Auseinandersetzung mit der US-Staatsanwaltschaft. Er ist sicher: «Die Amerikaner werden keine illegalen Aktivitäten von Herrn Gertler finden können.»

Ende letzten Jahres setzte das amerikanische Finanzministerium Gertler bereits auf eine ihrer Sanktionslisten. Gertler habe Milliarden mit «korrupten Minen- und Öl-Deals im Kongo» gemacht, schrieb das Ministerium; er habe «seine enge Freundschaft mit dem kongolesischen Präsidenten Joseph Kabila genutzt», um sich «als Mittelsmann für den Verkauf von Minengeschäften zu positionieren».

Ebenfalls auf die Sanktionslisten kamen mehrere Firmen, die mit Gertler in Verbindung stehen. An eine dieser Firmen vergab Glencore 2009 ein Darlehen im Wert von 45 Millionen Dollar. In einem Darlehensvertrag hielt Glencore fest, dass Gertler mit dem Kongo verhandeln solle.

Gertler war über fast zehn Jahre ein entscheidender Partner von Glencore im Kongo. Die Zuger bezahlten noch vor einem Jahr Hunderte Millionen Dollar an den Israeli. An der letztjährigen Generalversammlung versicherte Glencore-Präsident Tony Hayward, man habe Gertler ausführlich geprüft. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.01.2018, 11:54 Uhr

Dan Gertler.

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