«Sein Gesicht widerspiegelt genau, was er denkt»

Nach der Veröffentlichung der Paradise Papers musste der Chef des angolanischen Staatsfonds abtreten. 2012 absolvierte er einen PR-Kurs in der Schweiz.

«Im Moment ist sein Gesicht sehr expressiv, insbesondere bei schwierigen Fragen»: Die PR-Firma über José Filomeno dos Santos. Foto: «African Business Magazine»

«Im Moment ist sein Gesicht sehr expressiv, insbesondere bei schwierigen Fragen»: Die PR-Firma über José Filomeno dos Santos. Foto: «African Business Magazine»

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Vor zwei Wochen musste der bisherige Chef des angolanischen Staatsfonds, José Filomeno dos Santos, seinen Posten räumen. Eine Untersuchung im Nachgang zu den Paradise Papers hatte grosse Mängel aufgezeigt, etwa bezüglich der intransparenten Vergabe des Mandats zur Verwaltung des Staatsfonds an Jean-Claude Bastos’ Quantum-Global-Gruppe. José Filomeno dos Santos ist der Sohn des ehemaligen Präsidenten Angolas und ein enger Vertrauter von Bastos.

2012, als der Staatsfonds startete, wurde eine riesige PR-Maschinerie hochgefahren, die ein solches Ende hätte verhindern sollen. Die Fäden liefen bei Jean-Claude Bastos zusammen. Er nahm mehrere PR-Berater gleichzeitig unter Vertrag und gründete zusammen mit dem Schweizer Starwerber Frank Bodin sogar eine eigene PR-Firma, die heute noch die Medienarbeit des Staatsfonds besorgt. Die Kommunikation kostete den Staatsfonds schon in der Gründungszeit weit über eine halbe Million Dollar, wie Dokumente zeigen, die dieser Zeitung vorliegen.

Lernen, Fragen nicht zu beantworten

Für das viele Geld erhielt José Filomeno dos Santos unter anderem ein Medientraining in Zürich. Im Feedback schrieb die damit beauftragte PR-Firma unter anderem, er müsse ein Pokerface entwickeln: «Im Moment ist sein Gesicht sehr expressiv und widerspiegelt genau, was er denkt, insbesondere bei schwierigen Fragen.»

Er müsse auch lernen, schwierige Fragen nicht voll zu beantworten und in Interviews bei seinen Hauptbotschaften zu bleiben. Das Medientraining fand im September 2012 statt, kurz bevor Angola den Staatsfonds der Öffentlichkeit präsentierte.


Video: Jean-Claude Bastos in Angola

Made in our Makers Space. Made in Angola. Made in Africa. Quelle: Youtube, Jean-Claude Bastos de Morais (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.01.2018, 09:12 Uhr

Artikel zum Thema

SBB-Präsidentin gerät immer mehr in Erklärungsnot

Ist der von Monika Ribar begleitete Hafenbau in Angola ein Milliardengrab? Mehr...

Paradise Papers: Druck auf Bastos steigt

Angola baut den von Jean-Claude Bastos verwalteten Staatsfonds um – und bestätigt Kritik, die nach den Paradise Papers laut wurde. Mehr...

Solothurner Filmtage weisen Jean-Claude Bastos' Geld zurück

Schweizer Kulturveranstalter und die Uni Zürich haben viel Geld von Jean-Claude Bastos angenommen. Die Solothurner Filmtage aber wollen nichts mit ihm zu tun haben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Es sammelt sich nur der Staub in ihnen: Frauen zerschmettern in Indien Töpfe aus Ton, um gegen den Mangel an Trinkwasser zu protestieren. (16. Mai 2019)
(Bild: Amit Dave) Mehr...