Zum Hauptinhalt springen

Paypal greift im Anlage-Geschäft an

Das US-Fintech hat den Zahlungsverkehr aufgemischt. Nun expandiert Paypal ins Geschäft mit der Geldanlage. Und verbündet sich mit Raisin, die auch in der Schweiz aktiv sind.

Mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei Raisin eingestiegen: Paypals Firmensitz in Kalifornien.
Mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei Raisin eingestiegen: Paypals Firmensitz in Kalifornien.
Reuters

Der US-Bezahldienst Paypal hat weltweit den Zahlungsverkehr im Internet revolutioniert. Mit einem Börsenwert von rund 90 Milliarden Dollar ist das Unternehmen mehr wert als die UBS oder die Credit Suisse. Nun steigt das erfolgreiche Fintech-Unternehmen in einen Markt ein, der bisher eine Domäne der Schweizer Banken ist: die Geldanlage.

Paypal hat sich dazu am deutschen Start-up Raisin beteiligt, das in seiner Heimat unter dem Namen «Weltsparen» bekannt ist, teilte Raisin mit. Laut dem deutschen «Handelsblatt» seien die Amerikaner mit einem zweistelligen Millionenbetrag bei Raisin eingestiegen. «Die Beteiligung durch Paypal ist für uns wie ein Ritterschlag», sagte Raisin-Europa-Chefin Katharina Lüth im Gespräch. Finanzkreise rechnen nun damit, dass Paypal die Beteiligung nutzt, um in einem zweiten Schritt mit Raisin eine Kooperation einzugehen.

Erfolgreiche Vermittlungsplattform

Raisin ist auch für Anleger aus der Schweiz erreichbar. Das Unternehmen bietet eine Vermittlungsplattform an, über die Anleger Festgelder oder Sparkonti primär in Euro bei 40 Banken abschliessen können. Derzeit vermittelt Raisin rund 150 verschiedene Sparprodukte. Geld verdient das Start-up, das 2013 gegründet wurde, indem es von den Partnerbanken eine Provision bekommt, die von der Höhe der vermittelten Spargelder abhängt. Die Angebote kommen von Instituten wie zum Beispiel der Expobank aus Tschechien, der Haitong-Bank aus Portugal oder auch der Firstsave aus Grossbritannien. Abgewickelt werden die Geschäfte über ein Konto bei der deutschen MHB-Bank. Raisin hat nach eigenen Angaben über 100'000 Kunden aus 29 europäischen Ländern, die mehr als 4,8 Milliarden Euro über die Plattform angelegt haben.

Gegründet hat Raisin der in Georgien geborene Unternehmer Tamaz Georgadze. Der 39-Jährige hat eine beeindruckende Laufbahn hinter sich: Mit 12 machte er seine Matura, mit 15 war er mit dem Wirtschaftsstudium durch. Schon Anfang 30 war er Partner bei der Unternehmensberatung McKinsey. 2013 gab er seinen sicheren Job auf und gründete mit zwei weiteren Ex-McKinsey-Kollegen in Berlin die Plattform Raisin. Paypal ist in einer zweiten Finanzierungsrunde nun eingestiegen, zuvor hatte Raisin rund 60 Millionen Euro bei den Venture Capital Fonds Thrive Capital, Ribbit Capital und Index Ventures eingesammelt.

Wie viele Kunden das Unternehmen in der Schweiz hat, will Europa-Chefin Lüth nicht verraten, lässt aber durchblicken, dass sich die Kundenzahl hierzulande in überschaubaren Dimensionen hält. Primär würden Deutsche, die noch Geld in ihrer Heimat haben, aus der Schweiz heraus auf die Services von Raisin zurückgreifen, heisst es. Von der Schweiz aus ist Raisin nur über eine englischsprachige Seite erreichbar, das Angebot wird zudem nicht aktiv beworben.

Internationales Geschäft wird wichtiger

Dennoch wird das internationale Geschäft für Raisin wichtiger: «Zwischen zehn und 20 Prozent der Neukunden stammen mittlerweile aus dem Ausland», sagt Lüth. Derzeit gebe es Sparprodukte in den Währungen Euro, dem US-Dollar, der norwegischen Krone und ab nächstem Jahr auch in britischen Pfund. Angesichts der rekordtiefen Zinsen in der Schweiz sei ein Angebot in Schweizer Franken keine Priorität, heisst es. Wählen Schweizer über Raisin Festgeld-Konti auf Euro, so müssen sie das Wechselkursrisiko beachten, das leicht die verdiente Verzinsung aufzehren kann.

Eine Partnerschaft mit Paypal dürfte für das Berliner Start-up eine Art Ritterschlag sein. «Raisin und Paypal teilen die gemeinsame Vision, den Zugang zu Finanzdienstleistungen zu demokratisieren», lobt Stephan Taylor, Vice President für Consumer Products EMEA, den neuen Partner in einer Medienmitteilung.

Angebot von Investmentprodukten geplant

Festgeld-Konti sollen erst der Anfang sein. «Im kommenden Jahr wollen wir auch Investmentprodukte anbieten», sagt Raisin-Managerin Lüth. In seinem Heimatmarkt USA hat Paypal bereits ein entsprechendes Angebot lanciert und dazu mit dem Robo-Advisor Acorns Grow eine Kooperation gestartet und sich an den Unternehmen beteiligt. US-Paypal-Kunden können dabei Guthaben auf ein Anlagekonto bei Acorns übertragen und so in ETF-Fonds investieren. Die Verwaltung läuft über das Paypal-Account. Das Modell dürfte das Vorbild für die Zusammenarbeit mit Raisin sein. Paypal hat allein in Deutschland rund 19 Millionen Kunden. In der Schweiz sind es laut Paypal rund eine Million.

Gerade jüngere Konsumenten haben weniger Scheu, auch Geldanlagegeschäfte über das Internet abzuwickeln. Das Kerngeschäft der Schweizer Privatbanken, die Vermögensverwaltung wohlhabender Kunden, dürfte zunächst durch den Einstieg von Paypal nicht unmittelbar bedroht sein. Denn wer Millionen anlegt, will zumeist auf das persönliche Gespräch mit seinem Bankberater nicht verzichten. Dennoch zeigt die Kooperation zwischen Paypal und Raisin, dass die Digitalisierung des Finanzsektors immer mehr in der Geschäftswirklichkeit ankommt.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch