Pensionskassen: Was es mit der Mindestverzinsung auf sich hat

Die minimale Verzinsung von Vorsorgegeldern sinkt auf 1,25 Prozent. Ein Geschenk an die Versicherungen, wie die Gewerkschaften sagen?

Wie stark wirkt sich die Senkung des Zinssatzes auf die Vorsorgegelder wirklich aus? Foto: Keystone

Wie stark wirkt sich die Senkung des Zinssatzes auf die Vorsorgegelder wirklich aus? Foto: Keystone

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Wie jedes Jahr im Herbst hat der Bundesrat die Mindestverzinsung von Vorsorgegeldern für das kommende Jahr festgelegt. Er hat den Mindestzinssatz von 1,75 Prozent, der für das laufende Jahr gilt, für 2016 auf 1,25 Prozent gesenkt. Pensionskassen und Sammelstiftungen müssen also auf den angesparten Altersguthaben nächstes Jahr nur noch mindestens 1,25 Prozent Zinsen gutschreiben. So kurz, so einfach.

Viele Versicherte müssen damit rechnen, dass die Vorsorgeeinrichtung ihnen im 2016 ein halbes Prozent weniger Zins gutschreibt. Aber längst nicht alle. Denn der Mindestzins ist, wie der Name sagt, bloss der minimale Zinssatz, den die Kassen nicht unterschreiten dürfen.

Eine erste Einschränkung: Der Mindestzins gilt nur für den obligatorischen Sparteil der Pensionskasse, der im Bundesgesetz über die berufliche Vorsorge (BVG) geregelt ist. Beim überobligatorischen Teil ist die Kasse frei, eine höhere, aber auch eine niedrigere Verzinsung auszurichten.

Unterschiedliche Reaktionen

Zudem spielt der Mindestzins nur bei den heute weitverbreiteten Kassen mit Beitragsprimat eine Rolle, wo die angesparten Gelder plus die gutgeschriebenen Erträge die Basis für die Renten bilden. Kassen mit einem Leistungsprimat dagegen müssen die in den Statuten versprochenen Altersrenten und anderen Leistungen ausrichten, unabhängig von der Ertragslage der Kasse. Das ist mit ein Grund, warum in den letzten Jahren viele Kassen vom Leistungs- aufs Beitragsprimat umgestellt haben.

Auch beim obligatorischen Teil der Vorsorgegelder sind die Kassen selbst­redend frei, mehr als den vom Bundesrat festgelegten Mindestzins auf dem Sparkapital zu vergüten. Einzelne Vorsorgeeinrichtungen gewähren ihren Versicherten bei guter Börsenlage eine markant höhere Verzinsung.

Die Reaktionen auf die Senkung des Mindestzinses auf 1,25 Prozent fallen, je nach Interessenlage, höchst unterschiedlich aus. Der neue Mindestsatz sei «weiterhin zu hoch» angesichts der «historischen Tiefzinssituation», moniert der Schweizerische Versicherungsverband. Der Schweizerische Pensionskassenverband «begrüsst aufgrund des Niedrigzinsumfeldes und der Renditeentwicklung» die Senkung des Mindestzinses. Der Bundesrat verteile «Geschenke an die Versicherungen», kritisiert dagegen der Schweizerische Gewerk­schaftsbund.

Grosses Gefälle

Der Bundesrat habe «den Klagen der Versicherungswirtschaft nachgegeben und die Versicherten bestraft». Selbst bei den gegenwärtigen Bedingungen sei eine höhere Verzinsung von 1,75 Prozent weiterhin möglich, so der Gewerkschaftsdachverband. Klar ist, dass der gesenkte Pflichtzins die Lage der finanzschwächeren Kassen erleichtert. Nicht wenige Einrichtungen haben selbst mit 1,25 Prozent Mindestzins Mühe.

Die rund 2000 unabhängigen Pensionskassen in der Schweiz stehen punkto Deckungsgrad und Ertragskraft sehr unterschiedlich gut da. Es liegt an den Versicherten, dafür zu sorgen, dass ihre Interessen von der Vertretung im Stiftungsrat wahrgenommen werden. Der Bund legt bloss die Minimalwerte fest.

Immer wieder in der Kritik stehen denn auch vorab die Versicherungen mit ihren BVG-Vehikeln. Hier sind die Preisunterschiede «riesig» gemäss dem alljährlichen Rating der «SonntagsZeitung»: Die gleichen Leistungen «kosten bei der teuersten Kasse fast dreimal so viel wie bei der billigsten». Vergleiche von 30 Gemeinschafts- und Sammelstiftungen der Versicherungsbranche über zehn Jahre zeigten «immense Prämienunterschiede» sowie ein grosses Gefälle bei den «Risiko- und Verwaltungskosten» zwischen den einzelnen Einrichtungen. Es kann sich also lohnen, auf den Arbeitgeber einzuwirken, Ver­gleichs­offerten einzuholen.

Erstellt: 30.10.2015, 01:48 Uhr

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