Piller führt die Migros vor

Marcelle Junod, die der Regionalfürst diese Woche zur Chefin machte, wurde von der Duttweiler-Stiftung ausgeschlossen.

Damien Piller feiert seinen Triumph über den orangen Riesen in Zürich: Ausriss aus der sechsseitigen Homestory in der neusten Ausgabe der «Illustré».

Damien Piller feiert seinen Triumph über den orangen Riesen in Zürich: Ausriss aus der sechsseitigen Homestory in der neusten Ausgabe der «Illustré».

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«Kaum aus dem Jet gestiegen, der ihn von Paris zurückbrachte, springt Damien Piller in seinen BMW i8»: Das doppelseitige Bild in der neuesten Ausgabe der welschen Zeitschrift «L’Illustré» ist der Auftakt zu einer sechsseitigen Homestory über den Freiburger Immobilienkönig. Damien Piller lässt sich feiern.

Der Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) wollte den Präsidenten der Regionalgenossenschaft Migros Neuenburg-Freiburg mit einer Urabstimmung unter den 124'000 Genossenschaftern zum Rücktritt zwingen. Der Schuss ging nach hinten los, die Mehrheit stützte Piller.

Nun kostet er den Triumph gegen den orangen Riesen in Zürich voll aus. Er zeigt in der Homestory seine Macht, seinen Reichtum, Familienfotos: Piller vor seinem Schlafzimmer; Piller beim Lesen des Bestsellers von Yuval Noah Harari, «21?Lektionen für das 21. Jahrhundert»; Piller beim Hören der neuesten CD von «Fanny, einer Sängerin und Komponistin kreolischer Herkunft», 22 Jahre jünger als er, die er 2017 in zweiter Ehe heiratete; Piller als grösster BMW-Händler der Westschweiz und Besitzer von Radio- und TV-Stationen.

Sein Vermögen wird auf mehrere Hundert Millionen Franken geschätzt. Er sei mit allen Freiburger Regierungsräten per Du, sagt er.

Sein Auftritt kontrastiert scharf mit jenem der Migros-Chefs in Zürich: Sie sind seit Ausbruch der Affäre Piller abgetaucht. Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Generaldirektion und Pillers Zögling, zeigte sich zuletzt Mitte November – an einem Anlass zur Lehrlingsausbildung in seiner Heimatstadt La Chaux-de-Fonds. Ursula Nold, seit diesem Sommer Präsidentin des MGB-Verwaltungsrats, schweigt. Sie will sich Mitte Dezember erstmals den Medien stellen.

«Er ist wie mein Sohn» – dann übernimmt sie seinen Posten

Nicht nur via Medien gibt Piller den Chefs in Zürich zu verstehen, dass sie in seinem Reich nichts zu bestellen haben. Am Dienstag suspendierte er den Geschäftsleiter der Regionalgenossenschaft, Jean-Marc Bovay. Und übertrug die Leitung Marcelle Junod, die diesen Posten von 2012 bis 2017 innehatte und danach von Piller in den Verwaltungsrat geholt wurde.

«Il est comme mon fils»: Wie ein Sohn sei er für sie, pflegte Marcelle Junod ihr Verhältnis zu Bovay zu beschreiben. Nachdem sie seinen Posten übernommen hat, dürfte es vorbei sein mit den Mutter-Sohn-Gefühlen.

Mit der Einsetzung von Junod führt Piller den MGB regelrecht vor. Denn Junod war selbst direkt involviert in die verdächtigen Zahlungen. Im Untersuchungsbericht, den der MGB zum Fall in Auftrag gab, heisst es, Junod habe erklärt, die Zahlungen in Höhe von 1,6Millionen Franken seien «eine Form der Anerkennung gegenüber Damien Piller». Sie dementiert diese Aussage vehement. Der Migros-Genossenschafts-Bund hat eine Betreibung gegen sie eingereicht, um eine allfällige Zivilklage zu ermöglichen und eine Verjährung abzuwenden.

Damien Piller und Marcelle Junod, Verwaltungsrätin Migros Neuenburg-Freiburg. Foto: Pierre-William Henry, 2012

Der MGB hält die Suspendierung von Bovay für statutenwidrig. Junod sei nicht rechtmässig eingesetzt und nicht handlungsbefugt. Verpflichtungen, die sie einginge, würden von der Migros nicht anerkannt.

Rechtsanwalt André Clerc, der den Verwaltungsrat der Regionalgenossenschaft – also Piller und Junod – vertritt, antwortet auf entsprechende Fragen: «Mir ist wichtig festzuhalten, dass Herr Bovay weder abberufen noch sanktioniert wurde. Zwischenzeitlich und wohl auch aufgrund des Entscheids ist der Dialog mit ihm wieder aufgenommen, und es ist voraussehbar, dass die bewusst ohne Zeitrahmen ausgesprochene Suspendierung nicht aufrechterhalten werden muss.»

Pikant ist die Rolle von Junod, weil sie gemäss Handelsregister auch im Stiftungsrat der Dutt­weiler-Stiftung sitzt. Diese wacht darüber, dass Statuten, Verträge und «das Gedankengut der ­Migros-Gründer in der ganzen ­Migros-Gemeinschaft eingehalten werden».

Wie das mit Junods Rolle in der Affäre vereinbar sei, wollte die SonntagsZeitung wissen. Die Antwort: «Die Stiftung hat Marcelle Junod im Oktober 2019 als Mitglied der Stiftung per 31.10. 2019 ausgeschlossen.»



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Erstellt: 30.11.2019, 20:46 Uhr

Was bisher geschah

Ende 2017 äusserte ein Whistleblower beim Migros-Genossenschafts-Bund (MGB) den Verdacht, Damien Piller habe bei Bauprojekten für zweiMigros-Filialen Zahlungen von 1,6Millionen Franken zugunsten eigener Firmen erwirkt, für die es keine Gegenleistung gegeben habe. Der MGB reichte am 1.Juli 2019 Strafanzeige ein gegen den Präsidenten der Migros Neuenburg-Freiburg. Piller bestreitet die Vorwürfe. Sämtliche Migros-Gremien entzogen dem gesamten Verwaltungsrat der Regionalgenossenschaft das Vertrauen. Die Mehrheit der Genossenschafter lehnte jedoch letzte Woche in einer Urabstimmung die Amtsenthebung ab. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Neuenburg ermittelt wegen Verdachts auf Wahlfälschung: Auf einer Waadtländer Poststelle waren 400 Stimmkarten aufgetaucht, obwohl nur Freiburger und Neuenburger stimmberechtigt waren. (arm)

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