Positives Signal für die Schweiz

Markus Diem Meier, Co-Ressortleiter Wirtschaft, über den EZB-Entscheid.

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«Nationalbankchef Thomas Jordan wird wohl in seinem Büro ein Tänzchen aufführen», war in einem Tweet zu lesen, der kurz nach dem Beginn der Pressekonferenz, die EZB-Chef Mario Draghi gab, versandt wurde. Tatsächlich sind die jüngsten Entscheide der Europäischen Zentralbank aus Schweizer Sicht eine positive Überraschung.

Zwar hat die EZB mit der Senkung des Negativzinses von –0,2 auf –0,3 Prozent auf Einlagen der Geschäfts­banken den Abstand zu den gleichen Zinsen in der Schweiz verkleinert – hier liegen sie bei –0,75 Prozent. Doch damit ging Draghi weniger weit, als erwartet wurde. Dasselbe gilt für die Verlängerung der Geldspritzen durch den Aufkauf von Staatsanleihen.

Erwartungen sind entscheidend

Erwartungen sind für Bewegungen auf Währungs- und Kapitalmärkten entscheidend. Es waren die Erwartungen von weiter gehenden Massnahmen durch die EZB, die zu einer erneuten Aufwertung des Frankens gegenüber dem Euro in den letzten Wochen geführt haben: Seit September ist der Preis der Gemeinschaftswährung wieder von rund 1.10 auf bis 1.08 Franken gefallen. Unmittelbar nach Bekanntgabe der jüngsten EZB-Massnahmen ist der Europreis wieder auf über 1.09 Franken hochgeschnellt. Das ist zwar absolut nicht viel. Was aber zählt, ist die richtige Richtung.

Damit ist der Druck auf die Schweizerische Nationalbank gesunken, am kommenden Donnerstag selbst aufs geldpolitische Gaspedal treten zu müssen, um einer für die Schweizer Wirtschaft schädlichen weiteren ­Frankenaufwertung entgegenzuwirken. Erwartet wurde bisher ein weiteres Absenken des Negativzinssatzes für die Einlagen der Banken. Doch diese Massnahme ist schon jetzt äusserst unpopulär, weil sie sich auf das gesamte Zinsgefüge auswirkt. Ausserdem steigt dann die Gefahr, dass Geld vermehrt bar gehalten wird.

So positiv die gestrige Zurückhaltung der EZB aus Schweizer Sicht auch ist, so gibt es dennoch keinen Grund für eine Entwarnung. Noch immer ist der Franken für die hiesige Wirtschaft zu teuer, und noch immer sind die Unsicherheiten zur weiteren Entwicklung in der Eurozone gross. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass die EZB später doch noch deutlich weiter geht, um den Euro zu schwächen, und damit die Schweiz unter Druck setzt.

Erstellt: 03.12.2015, 23:41 Uhr

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