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Post prüft täglich 70'000 Pakete von Hand

Die Post spürt den boomenden Online-Handel: In ihrem Briefzentrum Zürich-Mülligen in Schlieren müssen inzwischen täglich zehntausende Sendungen inspiziert werden.

Pöstler im Dienste der Eidgenössischen Zollverwaltung: Das Briefzentrum Mülligen in Schlieren.
Pöstler im Dienste der Eidgenössischen Zollverwaltung: Das Briefzentrum Mülligen in Schlieren.
Gaetan Bally/Archivbild, Keystone

In ihrem Briefzentrum Zürich-Mülligen in Schlieren ZH prüft die Post täglich rund 70'000 Pakete. Den Pöstlern, die hier auch als Zöllner agieren, fallen immer wieder suspekte Lieferungen auf.

Am Anfang steht eine manuelle Kontrolle: Postmitarbeiter nehmen jede einzelne Importsendung in die Hand und begutachten sie. Die meisten Pakete erhalten einen grünen Kleber: Es handelt sich um abgabefreie Sendungen. Der Empfänger wird dafür später dem Pöstler weder Zoll- noch Mehrwertsteuerbetrag bezahlen müssen.

Einzelsendungen werden zentral verzollt

Im Briefzentrum Zürich-Mülligen auf Schlieremer Stadtgebiet treffen täglich rund 70'000 «Kleinsendungen mit Wareninhalt» ein, wie im Postjargon gepolsterte und gefüllte Couverts oder kleine Pakete heissen. Deren Länge, Breite und Höhe ergeben zusammengezählt nicht mehr als 90 Zentimeter. In Urdorf ZH werden zudem täglich 10'000 grössere Sendungen kontrolliert.

Diese internationalen Einzelsendungen, die an Adressen in der ganzen Schweiz geliefert werden sollen, werden in den beiden Zürcher Postzentren zentral verzollt und besteuert.

Seit rund acht Jahren ist die Post für die gesetzeskonforme Importverzollung für Briefe und Pakete im Auftrag der eidgenössischen Zollverwaltung zuständig, wie Felix Stierli, Leiter Postverzollung bei PostLogistics, am Montag bei einem Medienrundgang erklärte.

Der Blick auf die Rechnung

Während rund 95 Prozent der Sendungen einen grünen Kleber erhalten und in der Folge ausgeliefert werden, werden die restlichen fünf Prozent ausgesiebt.

Das ist einerseits der Fall, wenn der Absender ordnungsgemäss deklariert hat, dass bei der Lieferung Abgaben wie Mehrwert- oder Alkoholsteuern fällig werden. Dann werden die entsprechenden Formulare ausgefüllt und die Gebühren bei der Auslieferung per Nachname eingefordert, wie Andreas Weber, Standortleiter Postverzollung Mülligen, sagte.

Andererseits, und das ist häufiger der Fall, wird den Paketen der grüne Kleber verwehrt, weil sie den Postangestellten auffallen. Beispielsweise weil sich gemäss des Zettels ein neues Telefon mit einem Wert von bloss zwei Dollar darin befindet.

Immer wieder schneiden die Mitarbeiter deshalb routiniert die Sichtfolie auf, hinter der der Lieferschein steckt. Der angegebene Wert auf der Rechnung stimmt meist eher als der rasch von Hand eingetragene Wert auf dem Deklarationszettel.

Die Lieferungen aus Asien

In Zürich-Mülligen fallen derzeit insbesondere über das Internet bestellte Einzellieferungen aus Asien auf, deren Menge sich in den vergangenen drei Jahren jedes Jahr verdoppelte und inzwischen einen Viertel der Importsendungen ausmachen. Viele davon sind falsch, ungenügend oder gar nicht deklariert.

Sämtliche Pakete, die den erfahrenen Pöstler-Zöllnern auffallen, werden in die Abteilung «Besichtigung» geschickt. Zur Sicherheit werden sie zunächst geröntgt, dann geöffnet. Der Empfänger, der auf sein Paket wartet, muss innert 28 Tagen schriftlich angeben, welchen Wert die Lieferung hat. Die Post lässt diesen allenfalls auch schätzen.

Falls danach Abgaben fällig werden, werden diese bei der Lieferung erhoben. Hinzu kommt in diesem Fall eine Aufwandentschädigung für die Post von pauschal 13 Franken.

Briefe aus dem 14. Jahrhundert

Bei ihren «Besichtigungen» stossen die Pöstler auch auf verbotene Inhalte. Täglich stellen sie zuhanden des Zolls gefälschte Markenhandtaschen oder Drogen sicher, hin und wieder kommt eine Waffe zum Vorschein. «Und es gibt viel Unerwartetes», sagte Weber. Von handgeschriebenen Büchern aus dem 14. Jahrhundert bis hin zu teuren Münzsammlungen habe er schon alles gesehen.

Laut Felix Stierli müssen in Zürich-Mülligen von den täglich rund 70'000 Sendungen 1500 bis 3000 verzollt werden. In Urdorf, wo die grösseren Pakete geprüft werden, sind es von den rund 10'000 etwa die Hälfte.

Keine Freigrenze auf Postweg

Eine Freigrenze, wie sie im Reiseverkehr besteht, gibt es bei Postsendungen nicht. Grundsätzlich sei jede Importsendung mit Wareninhalt zollmeldepflichtig, erklärte Stierli. Allerdings werden keine Zoll- und Mehrwertsteuer-Abgaben unter fünf Franken erhoben.

Das bedeutet, dass im Zentrum Zürich-Mülligen Pakete erst mit einem roten Kleber versehen werden, wenn Inhalt und Transportkosten mehr als etwa 63 beziehungsweise 201 Franken kosten – je nachdem, ob die gelieferten Waren einem Mehrwertsteuersatz von 8 oder 2,5 Prozent unterliegen.

Die Lieferungen aus dem Ausland nehmen auf Grund des Online-Handels seit geraumer Zeit zu, wie Stefan Luginbühl, Mitglied der Geschäftsleitung PostLogistics, am Montag sagte. Auch die Frankenstärke habe zu einem Anstieg geführt.

SDA/bee

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