Postfinance schafft Kreditkarte für Auslandschweizer ab

Weiterer Service-Abbau bei Postfinance: Die Firma begründet den Schritt mit «zunehmenden regulativen Vorgaben».

Postfinance steht mit ihrer Auslandschweizer-Politik unter politischer Beobachtung. Foto: Urs Keller (Ex-Press)

Postfinance steht mit ihrer Auslandschweizer-Politik unter politischer Beobachtung. Foto: Urs Keller (Ex-Press)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Kunden mit Wohnsitz im Ausland haben ein Kündigungsschreiben erhalten, mit dem Titel: «Aufhebung des Kreditkartenvertrages». Darin wird ihnen mitgeteilt, dass Postfinance nur noch Personen mit Wohnsitz in der Schweiz oder in Liechtenstein eine Kreditkarte anbietet. Dem TA liegt ein Brief vor, der an einen der betroffenen Kunden ging. Auf Anfrage bestätigte die Firma die Massnahme.

Die Begründung für den Schritt fällt kurz aus: «Im grenzüberschreitenden Geschäft mit ausländisch domizilierten Kunden sehen sich die Schweizer Finanzinstitute mit zunehmenden regulativen Vorgaben konfrontiert.» Der betroffene Kunde, der in Spanien wohnt, wird zudem informiert, dass die Kündigungsfrist drei Monate betrage und das Kreditkartenkonto per Ende Oktober aufgehoben werde. Das Privatkonto sei davon nicht betroffen.

Eine genaue Erklärung gibt es nicht

«Postfinance schliesst bereits seit Anfang 2013 keine neuen Kreditkartenverträge mehr ab mit Kunden, die ihr Domizil im Ausland haben», sagt ein Sprecher. Eine genauere Begründung und eine Erklärung, weshalb das Unternehmen gerade jetzt zusätzlich die bestehenden Kreditkarten-Kunden loswerden will, bleibt Postfinance schuldig. Weitere Fragen, wie etwa die nach der Zahl der betroffenen Kunden, bleiben ebenfalls unbeantwortet.

Die Auslandschweizer-Organisation (ASO) kritisiert den Schritt: «Damit wird es noch schwieriger, aus dem Ausland eine normale Schweizer Bankbeziehung in die Schweiz zu unterhalten», sagt Sprecherin Anne-Catherine Clément.

Gerade bei Postfinance kommt einer Kreditkarte im Ausland eine besondere Bedeutung zu. Denn mit der gewöhnlichen Kontokarte lässt sich zwar an Bancomaten in anderen Ländern Bargeld beziehen. In einem Laden im Ausland damit zu bezahlen, wie es etwa mit einer Maestro-Karte einer Bank möglich ist, funktioniert hingegen nicht. Hier sprang die Kreditkarte in die Lücke.

Eine Hürde mehr

Generell ist es für Auslandschweizer in den letzten Jahren umständlicher geworden, ein Konto in der Schweiz zu eröffnen – und insbesondere kostspieliger. Auch bei Postfinance. Dort sind die Gebühren für ausländische Kunden erst gerade erhöht worden. Seit Juli bezahlen sie pro Jahr 180 Franken statt 120 Franken wie bisher.

Die auch als Fünfte Schweiz bezeichnete Gruppe der Auslandschweizer zählt rund 746'000 Personen. Die ASO hat die «Ermöglichung der Eröffnung bzw. Beibehaltung von Bankbeziehungen bei einem Bankinstitut in der Schweiz für Auslandschweizer» als eine von acht Forderungen in ihr sogenanntes Wahlmanifest 2015 aufgenommen. Der erschwerte Zugang zu Bankkonten fand auch bereits zuvor politischen Nachhall. Eine Motion, die Grundversorgung mit Postfinance-Dienstleistungen auf Landsleute im Ausland auszudehnen, wurde zwar abgelehnt. Dafür war ein Postulat des Luzerner Ständerates Konrad Graber erfolgreich. Er forderte eine «Pflicht für Postfinance zur Eröffnung und Führung eines Zahlungsverkehrskontos auch für Auslandschweizer unter der Bedingung, dass die recht­lichen Rahmenbedingungen in der Schweiz und im Gaststaat eingehalten werden». Das Postulat wurde im Dezember 2014 vom Bundesrat angenommen.

Bei Postfinance-Kreditkarten für Auslandschweizer äussert sich Graber hingegen zurückhaltend. «Solange es den Betroffenen im Ausland keine Probleme bereitet, einen alternativen Kreditkartenanbieter zu finden, sollte sich die Politik hier nicht einmischen.»

Erstellt: 18.07.2015, 08:22 Uhr

Artikel zum Thema

«Das ist ein wegweisender Fall»

Interview Datenschützer Hanspeter Thür sagt, Postfinance hätte sich einiges ersparen können, wenn sie seinen Empfehlungen beim E-Banking gefolgt wäre. Am Urteil sollten sich auch andere Firmen orientieren. Mehr...

Postfinance muss E-Banking-Portal ändern

Postfinance will E-Banking-Daten der Kunden analysieren, das Vorgehen sorgte für Kritik. Nun greift der Datenschützer ein. Mehr...

Postfinance verärgert Kader und Spezialisten mit neuen Verträgen

Sich offen gegen die neuen Anstellungsbedingungen zu wehren, trauen sich die wenigsten – aus Angst vor Repressalien und späteren Nachteilen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Mit dem Zug durch Europa

Statt Flugscham lockte das Abenteuer. Wie eine Familie beschloss, mit dem Zug an die Strände Nordspanien zu fahren.

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Was für eine Aussicht: Ein Mountainbiker macht Rast auf dem Gipfel des Garmil. Im Hintergrund sieht man die Churfirsten und die Alviergruppe. (13. September 2019)
(Bild: Gian Ehrenzeller) Mehr...