Raiffeisen treibt Reformen für bessere Kontrollen voran

Am Samstag tagen die Delegierten der drittgrössten Bankengruppe. Ein neues Organ und das Prinzip «Eine Bank, eine Stimme» sollen eingeführt werden.

Nach der Affäre um Ex-Chef Pierin Vincenz will die Bank die internen Machtstrukturen entflechten. Foto: Stefan Wermuth (Bloomberg/Getty Images)

Nach der Affäre um Ex-Chef Pierin Vincenz will die Bank die internen Machtstrukturen entflechten. Foto: Stefan Wermuth (Bloomberg/Getty Images)

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Die Affäre um den Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ist noch nicht ausgestanden. Der Strafprozess dürfte im kommenden Jahr beginnen. Und Raiffeisen selbst arbeitet ein grosses Reformpaket ab, um die Kontrollen zu verstärken. Nie mehr soll eine einzelne Person die drittgrösste Bankengruppe dominieren, wie es Pierin Vincenz in seiner Ära getan hat.

Am Samstag findet in Zürich-Oerlikon eine ausserordentliche Delegiertenversammlung statt, an der wichtige Pflöcke der «Reform 21» eingeschlagen werden sollen. So gilt nach Angaben mehrerer informierter Raiffeisen-Vertreter als sicher, dass die 164 Delegierten eine Statuten­änderung beschliessen werden. Sie sieht vor, dass künftig jede Raiffeisenbank einen Vertreter in das wichtigste Entscheidungsgremium der Gruppe entsenden wird.

Das neue Organ, der Raiffeisen-Bankrat, soll der Basis zwischen den Delegiertenversammlungen Einflussmöglichkeiten auf den Kurs der Bank geben.

Bis anhin schickte jeder Regionalverband je zwei Dele­gierte, zusätzlich wurden grossen Verbänden zusätzliche Delegierte zugesprochen. «Das Prinzip ‹Eine Bank, eine Stimme› wird kommen, es ist an der Basis breit abgestützt», sagt ein Bankvertreter. Raiffeisen will noch nichts zu den Traktanden sagen und verweist auf eine Medienorientierung nach dem Treffen.

Durchgesickert ist aber ferner, dass die Delegierten das Recht bekommen, über die Vergütung des Verwaltungsrats abzustimmen – wie Aktionäre auf einer Generalversammlung. Die Umwandlung der Genossenschaft Raiffeisen Schweiz in eine Aktiengesellschaft, wie sie die Aufsicht Finma angeregt hatte, wurde dagegen bereits vor längerer Zeit verworfen. «Das stärkt die Kontrollen nicht, auch eine AG kann einen schlechten Verwaltungsrat haben», erklärt ein Insider.

Um die Kontrollen zu stärken, wird am Samstag ein neues Organ ins Leben gerufen: Es wird Raiffeisen-Bankrat (RB) heissen und soll dem Verwaltungsrat als Ansprechpartner dienen. Der neue Bankrat löst die bisher informelle Koordinationsgruppe der Präsidenten der Regionalverbände ab. «Der neue Raiffeisen-Bankrat soll so viele Mitglieder wie der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz bekommen», erklärt eine Quelle.

Neue Verwaltungsrätin

Dem geplanten Prozedere zufolge soll jeder der 21 Regionalverbände einen Vertreter bestimmen, diese Gruppe wählt dann aus ihrer Mitte die 10 Mitglieder des neuen Bankrats. Die Idee: Je kleiner ein Organ, desto flexibler und schlagkräftiger ist es.

Das neue Organ soll dem Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz auf die Finger schauen. Es soll der Basis zwischen den Delegiertenversammlungen Einflussmöglichkeiten auf den Kurs der Bank geben.

Das ist die Krux bei alledem: Formal ist Raiffeisen Schweiz zwar eine Tochter der Raiffeisenbanken. De facto agiert ­Raiffeisen Schweiz aber als Spitzeninstitut und dient zum Beispiel der Aufsicht Finma als zentraler Ansprechpartner.

Was passiert mit den Stadtniederlassungen?

Auch Wahlen stehen auf der Agenda am Samstag: So wird der Verwaltungsrat von Raiffeisen Schweiz von 9 auf 10 Mitglieder aufgestockt. Als neues Mitglied stösst Anne Bobilier dazu. Die 53-jährige IT-Expertin ist beim Dienstleister und IT-Händler Bechtle für Fusionen & Übernahmen zuständig. Sie ist dann die zweite Frau im zehnköpfigen Verwaltungsrat.

Mit dem Delegiertentreffen ist die Reformagenda aber noch nicht abgearbeitet. Weiter in der Diskussion ist die sogenannte Eignerstrategie, die am Vormittag von den Raiffeisenbanken besprochen wird. Dabei geht es unter anderem darum, welche Leistungen die Banken von der Zentrale künftig beziehen und wie diese vergütet werden sollen.

Ein grosser Brocken ist zuletzt die Frage, was mit den sechs Stadtniederlassungen von Raiffeisen Schweiz in Zürich, Bern, Basel, St. Gallen, Winterthur und Thalwil geschehen soll. Damit macht die Zentrale den Regionalbanken Konkurrenz. Eine Arbeitsgruppe beugt sich über diese Frage. Eine Möglichkeit wäre, diese Niederlassungen als neue Genossenschaften abzuspalten.

Erstellt: 13.11.2019, 21:01 Uhr

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