Arbeitslos und schwanger: Wie bin ich im Ausland versichert?

Die Antwort auf eine Leserfrage zur Arbeitslosenversicherung.

Grundsätzlich ist es möglich, das Mutterschaftsgeld auch im Ausland zu beziehen: Schwangere in einem Büro. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Grundsätzlich ist es möglich, das Mutterschaftsgeld auch im Ausland zu beziehen: Schwangere in einem Büro. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Ich bin arbeitslos und beziehe seit April Arbeitslosenunterstützung. Im Dezember kommt mein drittes Kind zur Welt, daher bin ich ab Mitte Oktober von der Stellensuche befreit. Wir planen, mit der Familie nach Marokko zu reisen und dort die Geburt und die Zeit des Mutterschaftsurlaubs zu verbringen. Die Wohnung hier würden wir aufgeben und uns in der Schweiz abmelden. Eine neue Wohnung haben wir noch nicht, suchen aber schon. Ist unser Vorhaben aus Sicht der Arbeitslosen- und der Mutterschaftsversicherung überhaupt zulässig?

Nein. Wenn Sie so vorgehen, wie Sie es beschreiben, verlören Sie Ihre Ansprüche auf Versicherungsleistungen. Das Haupthindernis für Ihre Pläne liegt bei der Arbeitslosenversicherung. Sie gewährt nur Leistungen an Personen, die in der Schweiz wohnen. Einzige Ausnahme sind zeitlich befristete Taggelder für Stellensuchende, die in ein EU-Land zügeln.

Auch wenn Sie in den zwei Monaten vor der Geburt Ihres Kindes von der Stellensuche befreit sind, bleiben Sie in dieser Zeit der Arbeitslosenversicherung unterstellt und müssen die Voraussetzungen erfüllen. Andernfalls werden die Taggelder eingestellt. Hingegen unterstehen Sie nach der Niederkunft während des 14-wöchigen Mutterschaftsurlaubs nicht der Arbeitslosenversicherung. Die Mutterschaftsentschädigung wird aus der Erwerbsersatzordnung (EO) bezahlt. Und diese hat ihre eigenen Bestimmungen.

Grundsätzlich ist es möglich, das Mutterschaftsgeld auch im Ausland zu beziehen. Damit Sie aber Anspruch haben, müssen Sie unmittelbar vor der Niederkunft während der gesamten Schwangerschaft obligatorisch in der AHV versichert sein. Obligatorisch in der AHV versichert ist man nur, wenn man in der Schweiz erwerbstätig ist und/oder seinen Wohnsitz hier hat.

Fazit: Wenn Sie die Ihnen zustehenden Versicherungsleistungen nicht aufs Spiel setzen wollen, müssen Sie bis zur Geburt Ihres Kindes in der Schweiz bleiben. Erst danach können Sie Ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen.


Senden Sie uns Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.09.2017, 16:37 Uhr

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