Warum sind Dauerrezepte nur ein Jahr gültig?

Die Antwort auf eine Leserfrage betreffend Ärger in der Apotheke.

Nur die Verschreibung von Betäubungsmitteln ist schweizweit einheitlich festgelegt: Apotheker im Gespräch mit einer Kundin. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Nur die Verschreibung von Betäubungsmitteln ist schweizweit einheitlich festgelegt: Apotheker im Gespräch mit einer Kundin. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Neulich brauchte ich wieder einmal Medikamente gegen meinen Heuschnupfen. In der Apotheke wollte man mir aber keine abgeben, weil mein Dauerrezept nur ein Jahr gültig und bereits abgelaufen war. Ich habe mich darüber ziemlich aufgeregt, denn so musste ich allein wegen des Rezepts zum Arzt gehen. Das hat unnötig Kosten verursacht für eine Therapie, die seit Jahren die gleiche ist. Selbst wenn ich das Rezept telefonisch hätte bestellen können, hätte der Arzt eine Rechnung für das Aktenstudium stellen dürfen. Ich verstehe nicht, warum Rezepte in so einem Fall bereits nach einem Jahr auslaufen.

Das muss nicht unbedingt so sein, zumindest wenn Sie im Kanton Zürich wohnen. Da dürfen Ärztinnen und Ärzte ein Dauerrezept für maximal zwei Jahre ausstellen. Gleiches gilt zum Beispiel auch im Kanton St. Gallen. Hingegen sind Dauerrezepte etwa in Bern oder Zug auf ein Jahr beschränkt. Wieder andere Kantone haben gar keine gesetzlichen Vorgaben. Eine Regelung für die ganze Schweiz über die Gültigkeit von «normalen» Arzneimittelrezepten gibt es nicht. Nur die Verschreibung von Betäubungsmitteln ist schweizweit einheitlich festgelegt.

Dass Sie es als lästig empfinden, für das immer gleiche Medikament zur Behandlung Ihres Heuschnupfens regelmässig zum Arzt gehen zu müssen, ist zwar verständlich. Aus medizinischer Sicht sind periodische Arztkonsultationen aber sinnvoll, sagt der Präsident der Kantonsapothekervereinigung, Stephan Luterbacher. «Gerade eine Allergie kann sich zum Beispiel auswachsen oder verändern, und die Medikation muss allenfalls angepasst werden.» Zudem dürfen Ärzte ein Arzneimittel nur verschreiben, wenn sie den Gesundheitszustand ihres Patienten oder ihrer Patientin kennen. Es geht also auch um die ärztliche Kontrolle und Sorgfaltspflicht.

Es geht auch um die ärztliche Kontrolle und Sorgfaltspflicht.

Man kann sich allerdings fragen, warum die ärztliche Sorgfaltspflicht in einzelnen Kantonen mit zweijährigen Dauerrezepten erfüllt ist, in anderen Kantonen hingegen nur mit einjährigen. Eine einheitliche Handhabung bei der Gültigkeit von Rezepten wäre auch aus Sicht der Kantonsapotheker sinnvoll, wie Stephan Luterbacher betont.

Gut zu wissen: Ein zweijähriges Rezept aus dem Kanton Zürich muss auch in Apotheken anderer Kantone akzeptiert werden, selbst wenn dort die Dauerverschreibungen auf maximal ein Jahr beschränkt sind, wie etwa in Bern. Denn für die Apotheke ist der Ausstellungsort des Rezeptes massgebend, teilt der Apothekenverband Pharmasuisse auf Anfrage mit. Die Berner Apotheke ist also an das Zürcher Gesetz gebunden. Das gilt umgekehrt natürlich auch für die Zürcher Apotheke.


Senden Sie uns Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht an rechtundkonsum@tages-anzeiger.ch.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.05.2017, 09:25 Uhr

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