Bekommt man Taggelder auch im Ausland?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeitslosenversicherung.

Erfolglos: Trotz unzähliger Bewerbungen bekommt der 50-Jährige nur Absagen.

Erfolglos: Trotz unzähliger Bewerbungen bekommt der 50-Jährige nur Absagen. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Mein Mann ist seit mehr als einem Jahr arbeitslos und bekommt finanzielle Unterstützung aus der Arbeitslosenversicherung. Trotz unzähliger Bewerbungen hat er bislang nur Absagen erhalten. Wir denken, es liegt an seinem Alter – er ist 50. Nun überlegen wir uns, nächstes Jahr mit unseren beiden kleinen Kindern nach Nordrhein-Westfalen zu ziehen, wo ich herkomme. Auf dem RAV hiess es, dass mein Mann für drei Monate die Taggelder auch im Ausland bekäme, falls er nach dem Wegzug noch welche ausstehend hätte. Ist diese Auskunft korrekt, und wenn ja, welche Auflagen gibt es ausser derjenigen, einen Job zu suchen?

Ja, die Auskunft des RAV ist korrekt. Arbeitslose Personen können sich für die Stellensuche ins EU-Ausland begeben und erhalten dort während maximal dreier Monate weiterhin die finanzielle Unterstützung von der Schweiz bezahlt. Bedingung ist natürlich, dass sie die hiesigen gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen, um überhaupt Taggelder beanspruchen zu können.

Die Möglichkeit, Arbeitslosenunterstützung auch im Ausland zu beziehen, ist im Freizügigkeitsabkommen geregelt, das die Schweiz seinerzeit mit der EU abgeschlossen hat. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem Leistungs­export, und der gilt nicht nur von der Schweiz aus in die EU-Staaten, sondern auch umgekehrt. Die Dauer der Unterstützung im Ausland kann aber je nach EU-Mitgliedsstaat variieren: Die Schweiz hat darauf verzichtet, den Leistungs­export auf die möglichen sechs Monate auszudehnen.

Bei Umzug ins Ausland Antrag auf Leistungsexport stellen

Was muss nun Ihr Mann konkret vorkehren? Sobald klar ist, dass Sie nach Deutschland umziehen und er seine Stellensuche dort fortsetzen wird, kann Ihr Mann bei dem für ihn zuständigen RAV einen Antrag auf Leistungsexport stellen. Nach Ankunft am neuen Wohnort muss er sich innerhalb von sieben Tagen bei der dort zuständigen Arbeitsvermittlungsbehörde melden, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage mitteilt.

Die ausländische Behörde bestimmt auch, was Ihr Mann für die Stellensuche und die Kontrolle zu unternehmen hat, und sie meldet wiederum dem hier zuständigen RAV, ob er sich an die Vorgaben hält. Die Taggelder sind während des Bezugs im Ausland genau gleich hoch wie in der Schweiz: Als Familienvater bekommt Ihr Mann somit auch in Deutschland 80 Prozent seines früheren Lohns.

Der Leistungsexport von der Schweiz ins EU-Ausland hat in den vergangenen Jahren stetig zugenommen. Profitierten 2011 insgesamt 913 arbeitslose Personen davon, waren es 2015 bereits 2059 Stellensuchende. Mit Abstand am häufigsten werden Taggelder nach Deutschland exportiert: Im letzten Jahr war dies bei 614 Personen der Fall, was einem Anteil von rund 30 Prozent entspricht.


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Erstellt: 22.08.2016, 09:10 Uhr

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