Bin ich dem Inkassobüro Rechenschaft schuldig?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Begleichen von Rechnungen.

Hier will niemand landen: Archiv des Betreibungsamtes St. Gallen. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Hier will niemand landen: Archiv des Betreibungsamtes St. Gallen. Foto: Gaetan Bally (Keystone) Bild: Martin Ruetschi/Keystone

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Mitte Mai bezahlte ich am Postschalter die Rechnung einer Speditionsfirma über 58.85 Fr., herrührend von einem Online-Einkauf im Ausland. Eine Woche später lag ein Brief eines Inkassobüros aus Lausanne in meinem Briefkasten. Darin stand, das Dossier sei ihm von der Transportfirma übergeben worden, um die Summe einzutreiben. Der Gesamtbetrag belief sich nun plötzlich auf 145.75 Fr. Auf die ursprüngliche Forderung hatte das Büro noch «Inkassogebühren», «Bearbeitungsgebühren» und Verzugszins draufgeschlagen. Da ich mich weigerte, zu zahlen, verlangt das Büro nun einen Zahlungsbeleg. Offenbar hat es mich auch bereits bei einer Auskunftei angeschwärzt. Jedenfalls heisst es im Brief: «Ihr Name ist zurzeit nicht Ihre beste Visitenkarte. Wegen dieser Streitsache befindet er sich in einer der grössten negativen Datenbanken Europas.» Ist das nicht ein starkes Stück? Bin ich verpflichtet, eine Kopie der Quittung einzureichen? Und kann ich für meine Umtriebe ebenfalls eine Entschädigung fordern, wie es das Inkassobüro tut?

Letzteres ist eine originelle Idee, sie hat aber einen Haken: Ihre Spesenrechnung wäre ebenso schwierig durchsetzbar wie jene des Inkassobüros. Einen solchen Schaden muss man nachweisen, und mehr als ein paar Franken für das Kopieren und Versenden der Quittung lägen wohl nicht drin. Auch das Inkassobüro darf höchstens 10 bis 20 Franken für das Ausdrucken und Versenden eines Standardschreibens verrechnen. Und auch das nur, wenn es beweisen kann, dass der gesetzliche Verzugszins von 5 Prozent pro Jahr ab der ersten Mahnung seinen Aufwand nicht deckt.

Klar ist, dass Sie dem Inkassobüro keine Rechenschaft schulden, also keine Quittung einreichen müssen, solange es nicht beweist, dass es im Auftrag der Speditionsfirma handelt. Dazu kann es entweder eine Vollmacht vorlegen oder eine Abtretungserklärung (Zession). Im Alltag weisen Inkassoinstitute ihre Berechtigung praktisch nie von sich aus nach. Schuldner sollten daher eine Vollmacht oder Zession verlangen, bevor sie sich auf Diskussionen einlassen.

Sollte das Inkassobüro Sie wegen der bereits bezahlten Rechnung tatsächlich bei einer Bonitätsdatenbank verunglimpft haben, wäre dies wohl strafbar. Die Aussage im Brief könnte aber auch falsch sein. Zur Kontrolle holen Sie am besten bei ein paar grossen Wirtschaftsauskunfteien Auskünfte über sich selber ein. Einen Musterbrief finden Sie unter www.edoeb.admin.ch > Datenschutz > Musterbriefe > Allgemeine Begehren. Vergessen Sie nicht, eine Ausweiskopie beizulegen!


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«Recht & Konsum» macht Sommerpause. Die nächste Ausgabe erscheint am 22. August 2016.

Erstellt: 04.07.2016, 15:01 Uhr

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