Darf der Arbeitgeber Kurzpausen anordnen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zu unbezahltem Warten.

Laut Gesetz sind Pausen in der Mitte der Arbeitszeit anzusetzen. <nobr>Foto: Valeria Boltneva (Pexels)</nobr>

Laut Gesetz sind Pausen in der Mitte der Arbeitszeit anzusetzen. Foto: Valeria Boltneva (Pexels)

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Ich erteile Schwimmunterricht in einem Hallenbad. Insgesamt sind es acht Lektionen an zwei Vormittagen. Eine Lektion dauert 30 Minuten. Die 15 Minuten zwischen den Lektionen müssen wir als Pause einziehen, dürfen den Arbeitsplatz aber nicht verlassen, höchstens kurz auf die Toilette gehen. Diese Viertelstunden werden uns nicht bezahlt, sodass ich jeweils an einem Vormittag eine Stunde gratis herumstehe. Kann der Arbeitgeber das verlangen? Meiner Ansicht nach müsste ich erst nach mehreren Stunden Arbeit eine unbezahlte Pause einlegen.

Ihre Annahme ist korrekt. Pausen sind dazu da, sich zu verpflegen oder auszuruhen. Deshalb machen sie erst nach einer gewissen Arbeitsdauer Sinn. Im Gesetz steht denn auch, dass Pausen in der Mitte der Arbeitszeit anzusetzen sind. Es wäre also nicht zulässig, dass der Chef oder die Chefin von den Mitarbeitenden verlangt, bereits nach einer Stunde eine Pause zu machen und danach sieben Stunden am Stück durchzuarbeiten.

Im Gesetz steht weiter, dass nur als Pause zählt, wenn man seinen Arbeitsplatz verlassen darf.

Somit ist klar, dass das, was Ihre Arbeitgeberin als Pause bezeichnet, die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt. Die 15-minütigen Lücken zwischen den Schwimmlektionen sind im Grunde bloss Unterbrüche im Arbeitsablauf. Es ist fraglich, ob sich diese verhindern lassen, aber die Gestaltung der Arbeitsabläufe ist in jedem Fall Sache des Arbeitgebers. Diese Unterbrüche gehören zur Arbeitszeit und sind zu bezahlen – auch rückwirkend. Es geht nicht, dass der Arbeitgeber sie kurzerhand zu «Pausen» umdefiniert, um sich so vor der Lohnzahlung zu drücken.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

Erstellt: 21.10.2019, 11:30 Uhr

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