Darf der Arbeitgeber Mundartkenntnisse voraussetzen?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Stellensuche.

Sprechen Sie Schweizerdeutsch? Ein Kurier liefert in Zürich Pakete aus.

Sprechen Sie Schweizerdeutsch? Ein Kurier liefert in Zürich Pakete aus. Bild: Alessandro Della Bella/Keystone

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In einem Inserat habe ich unlängst gelesen, dass für die Stelle eines Autokuriers jemand gesucht wird, der fliessend Mundart spricht. Darf ein Arbeitgeber dies überhaupt voraussetzen?

Ja, das ist kein Problem. Ein Arbeitgeber kann bestimmte Fähigkeiten für eine Stelle verlangen. Sprachliche Voraussetzungen sind sogar sehr häufig in Inseraten anzutreffen. Dabei spielt keine Rolle, ob die verlangten Sprachkenntnisse für die betreffende Stelle tatsächlich nötig sind; es genügt, wenn der Arbeitgeber dies so haben will.

Das schweizerische Arbeitsrecht ist sehr liberal und lässt Arbeitgebenden viel Spielraum bei den Anforderungen an das gewünschte Personal. So ist es zum Beispiel – im Unterschied zur EU – grundsätzlich nicht untersagt, einen Bewerber aus Altersgründen abzulehnen. Nicht erlaubt ist, einen Bewerber oder eine Bewerberin wegen des Geschlechts zu benachteiligen. Und wenn man von dem im Juli eingeführten Inländervorrang absieht, der nur unter gewissen Voraussetzungen gilt, dürfen auch Staatsangehörige der EU gegenüber Jobsuchenden mit einem Schweizer Pass nicht anders behandelt werden.

Man könnte einwenden, mit der Bedingung, fliessend Mundart sprechen zu können, würden viele Ausländerinnen und Ausländer von der Bewerbung ausgeschlossen. Das gilt aber auch für einen Grossteil der Romands und Tessiner, die das Schweizerdeutsche nicht beherrschen. Zumindest aus rechtlicher Sicht wird mit den Anforderungen im Inserat für den Autokurier also nicht eine bestimmte Gruppe von Personen benachteiligt.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

Erstellt: 07.01.2019, 09:23 Uhr

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