Darf die Apotheke die Abgabe von Tabletten beschränken?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arzneimittelabgabe.

Neu dürfen Apotheken die Arzneimittelabgabe beschränken. Bild: Keystone/DPA/ABDA

Neu dürfen Apotheken die Arzneimittelabgabe beschränken. Bild: Keystone/DPA/ABDA

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Unlängst stellte mir meine Ärztin ein neues einjähriges Dauerrezept für mein Medikament aus. Als ich es einlösen wollte, bekam ich nicht wie bisher die ganze Jahresmenge aufs Mal. Die Regeln hätten geändert und ich könne höchstens noch die Ration für drei Monate aufs Mal beziehen, sagte man mir in der Apotheke. Somit bin ich als gehbehinderte Rentnerin gezwungen, alle drei Monate in die Apotheke zu pilgern. Zudem muss ich dann auch jedes Mal die Apothekenpauschale bezahlen. Bei meinem tiefen AHV-Einkommen ist dies eine Belastung. Wie sieht die Rechtslage dazu aus?

Die Rechtslage ist tatsächlich so, wie Sie sie schildern. Demnach darf die Apotheke die abgegebene Menge von Arzneimitteln auf drei Monate beschränken. So steht es im Tarifvertrag, den der Apothekerverband und die Krankenversicherer ausgehandelt haben. Dieser ist rechtlich verbindlich.

Die Arzneimittelabgabe zu beschränken, macht auch Sinn. Gerade bei Dauerverschreibungen kommt es oft vor, dass nicht alle Medikamente benötigt werden. Diese müssen entsorgt werden, meist zulasten der Krankenversicherung, mithin also der Allgemeinheit. Diese mit solchen unnötigen Kosten zu belasten, ist kaum zu verantworten.

Richtig ist auch, dass die Apotheken bei jedem Arzneimittelbezug eine Pauschale für Beratung und Bezug verlangen dürfen. Einige verzichten aber darauf. Welche das sind, können Sie über die Stiftung für Konsumentenschutz herausfinden. Sie führt eine laufend aktualisierte Liste. Bei kassenpflichtigen Medikamenten werden die Apothekenpauschalen von der Versicherung bezahlt.

Schliesslich lässt sich auch der regelmässige Gang zur Apotheke vermeiden. Entweder indem Sie sich die Medikamente von jemandem besorgen oder direkt von Ihrer Apotheke liefern lassen. Diesen Service bieten heute die meisten an; wenn Sie Glück haben, sogar gratis.

Erstellt: 29.10.2017, 19:10 Uhr

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